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VG WORTTour 137: Kigali - Durban (5310 km)


Lehmhaus mit Blechdach am Dorfrand, davor ein bepacktes Reiserad und daneben eine Frau im bunten Rock im warmen Abendlicht.
Afrika

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht

Tour 137: Kigali - Harare - Durban (5.12.2025-25.1.2026) 5310 km
Von Ruanda nach Südafrika: Elf Länder im südlichen Afrika in 49 Tagen

Ausrüstung: Bike & More
Ausrüstung:
Bike & More
Die Planung war heftig: aber wenn ich schon mal im südlichen Afrika unterwegs bin, dann will ich alle Länder auf der Strecke abklappern, samt Eswatini alias Swaziland und Lesotho. Noch nie hatte ich einen so gewaltigen Plan gemacht. Am Ende bin ich - bei einer Woche weniger als vor drei Jahren - im Vergleich zu meiner Tour quer durch Südamerika über die Anden 2023 diesmal über 5.000 Kilometer gefahren statt 4.000 Kilometer und habe dabei rund 40.000 statt 20.000 Höhenmeter mitgenommen.
Und die Pannen namen kein Ende: Ölleck in der Rohloff-Nabe, Speichenbruch, noch ein Speichenbruch, Schutzblech am Hinterrad muss abmontiert werden, Gewinde des Gepäckträgers kaputt, Bremshebel der Hinterradbremse abgebrochen, Reifen geplatzt, eine Woche Dauerregen mit dauernassen Schuhen. Klar, es ist Regenzeit, aber dafür ist es nicht sehr heiß, auch wenn am Ende die gewendete Wintersonne direkt über mir steht. Es war eine absolute grandiose Tour mit 48 Radtagen. Aber natürlich: mehr als ein Pausentag wäre nicht schlecht gewesen.
A winter's day
In a deep and dark December
I am alone
Gazing from my window
to the streets below
On a freshly fallen
silent shroud of snow
I am a rock, I am an island

Paul Simon (1965)

Teil 2: Januar 2026
Simbabwe, Botswana, Südafrika, Eswatini, Lesotho


Teil 1: Dezember 2025
Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Malawi, Mosambik, Simbabwe


Ein großer Versandkarton steht neben mehreren Fahrradtaschen und einer Lenkertasche in einem Flur. Aufbruch im XXL-Format
Freitag, 5. Dezember 2025: Mainz - Zug - Frankfurt - Flug - Doha

Endlich mal ein Karton für das Fahrrad, der wirklich groß genug ist. Man kann das Rad ganz einfach hineinschieben. Wermutstropfen: Der Karton allein wiegt knapp 10 Kilogramm, und die Summe der Maße übersteigt mit 333 cm das maximal Erlaubte. Egal – ein bisschen Risiko gehört dazu.
Das Taxi zum Flughafen ist früher an unserer Wohnung als ich und Miri. Trotzdem geht's pünktlich los. Beim Check-in von Qatar Airways sind sie sehr nett, aber allein die Fahrradbeförderung bis Kigali kostet 219 Euro extra. Da ich mit zwei Fluggesellschaften fliege, konnte ich für den Hinflug online kein Fahrrad-Ticket buchen. Alles easy am Freitagabend am Frankfurter Flughafen.
Auch der Korb mit den beiden Fahrradtaschen ist diesmal in einen Umzugskarton gewandert, dazu noch der Rucksack mit allem für eine Zeltübernachtung. Als Handgepäck gibt es diesmal nur die Lenkertasche. Wie in Südamerika vor drei Jahren wiegen Rad und Gepäck zusammen rund 40 Kilogramm.


Person sitzt in einem Flughafen-Wartebereich vor einem übergroßen Pappkarton, der vermutlich ein Fahrrad oder großes Gepäckstück enthält, und bedient ein Mobiltelefon.
Miri and the Bike


Katar


Blick durch die Kabine eines Flugzeugs bei gedimmter Beleuchtung; Fenster strahlen in gelbem Licht, Monitore zeigen Kartenansichten. Franglais in Ruanda: Welcome to Africa
Samstag, 6. Dezember 2025: Doha - Flug - Kigali - Ruhanga - Rwamagana (54 km)

Landung im goldenen Morgensanddunst von Doha. Der Flughafen ist eine riesige, ästhetische Konsumwelt für sich. Der Abflug nach Kigali befindet sich eine Etage unter dem Glamour – düsterer, voller, und das Wlan ist schlechter. Um die Homepage zu aktualisieren, muss ich wieder eine Etage höher. Im Gegensatz zu den oberen Gates gibt es hier keine erneute Handgepäckkontrolle.
Der Flieger von RwandAir begrüßt mich mit dem Slogan: 'Fly the Dream of Africa'. Durch die Fluchtbewegung in englischsprachige Nachbarländer während des Genozids in den Neunzigerjahren hat das Englische stark an Bedeutung gewonnen. Das Französisch aus der belgischen Kolonialzeit (die auf die deutsche folgte) wird seither immer stärker verdrängt. Der Service im Flieger kommt nicht ganz an Qatar Airways ran.


Doha: Flughafen mit gewölbtem Glasdach, viel Grün, Rolltreppen und mehreren Etagen mit Geschäften.
Futuristisch: Flughafen Doha

Doha: Großes, goldenes, verschlungenes Skulpturengebilde hängt unter der hell erleuchteten Decke einer geschäftigen, mehrstöckigen Flughafenhalle.
Mit Kunst

Ein voll beladenes Tourenfahrrad mit Lenkertasche, Gepäcktaschen und großem Packsack steht auf einem Parkplatz.
Startbereit am Flughafen Kigali


Ruanda


Verkehrsszene mit Autos und Motorrad auf einer Landstraße Das Visum on Arrival erhalte ich im Handumdrehen für 50 Dollar. Das Gepäck wird per Hand gescannt, wie man durch die dunkle Scheibe bei der Gepäckausgabe sehen kann – das dauert. Ich stehe genau an dem Band, an dem vor sechs Jahren mein Fahrrad am Ende nicht erschien und ich einen Tag warten musste, bis Turkish Airlines den Radkarton mit dem Brompton aus Istanbul herbeigeschafft hatte. Endlich fährt der Rolladen links vom Band bei der Sperrgepäckausgabe hoch. Erstaunlicherweise passt mein überdimensionierter Karton halbwegs drauf. Der Zoll möchte, dass ich das Fahrrad herausnehme. Denn wäre es neu, gäbe es nun angeblich Probleme. Vor dem Ausgang montiere ich alles. Es scheint problemlos zu rollen.
Da die Grenze zwischen Ruanda und Burundi seit einiger Zeit geschlossen ist, muss ich einen Schlenker durch Tansania im Osten nehmen. Der Flughafen liegt am Ostrand der Hauptstadt und weil ich Kigali schon von meinem Besuch vor sechs Jahren kenne, radle ich direkt aus der Stadt. Bei angenehmem 25 Grad.
Schon am Stadtrand die ersten 'Mzungu'-Rufe: Du Weißer! Die letzten Weißen für heute habe ich im Flughafengebäude gesehen. Dann winken die ersten und schon bald heißt es auch: 'Give me money!' – Welcome to Africa!
Schwer beladene Fahrräder um mich herum gibt es deutlich weniger als vor sechs Jahren. Aber die, die es gibt, sind nach wie vor beeindruckend. Mit einigen Radlern komme ich ins Gespräch. Viele können erstaunlich lange mit mir mithalten – meist sind es Taxifahrer auf Rädern.
Ein kleiner Abstecher zu einem Völkermord-Denkmal ist zwar pittoresk (Piste!), aber anstrengend. Das Denkmal selbst ist nicht zu sehen, weil geschlossen. Dafür radle ich infolge des Umwegs in die Dunkelheit hinein. Der Verkehr bleibt heftig, viele LKW. Ständig muss ich auf den schlechter asphaltierten Seitenstreifen ausweichen. Einige der legendären tausend Hügel Ruandas muss ich bewältigen und komme dabei auf über 1600 Meter Höhe. Schließlich folgt die lange Abfahrt nach Rwamagana.
In einem großen katholischen Gästehaus bin ich wohl der einzige Gast. Da beide Geldautomaten am Flughafen kein Bargeld ausgespuckt haben, muss ich über Bezahlung mit US-Dollar verhandeln – der Kurs ist mir nicht geläufig. In einem Supermarkt kann ich schließlich überraschend mit Visakarte zahlen, nachdem das Lesegerät von den Mitarbeiterinnen mühsam in Betrieb gesetzt worden ist.
Dann doch eine schlechte Nachricht vom Fahrrad: Die Rohloff-Nabe verliert Öl. Möglicherweise eine Folge des Flugs. Es gibt sogar - nach meiner Erinnerung - zumindest eine Fluggesellschaft, die Räder mit Rohloff-Nabe grundsätzlich nicht transportiert.


Ein stark überladener Fahrradhinterteil voller gelber Kunststoffkanister fährt am Straßenrand entlang.
True Cyclists...

Ein Fahrradfahrer transportiert ein sehr großes, fest verschnürtes Paket auf dem Gepäckträger und zeigt einen Daumen nach oben.
...happy

Person trägt einen langen Baumstamm auf den Schultern einen roten Erdweg entlang, umgeben von grüner Vegetation.
Auch zu Fuß

Radfahrer fährt eine Straße entlang durch eine grüne Hügellandschaft und schaut nach vorne
Taxifahrer mit Warnweste


Kirchenraum voller Besucher während eines Gottesdienstes; Menschen sitzen dicht beisammen Neidvoller Blick ins Tal
Sonntag, 7. Dezember 2025: Rwamagana - Grenze Ruanda/Tansania - Rusumo (111 km)

Um 6:15 Uhr ist die große katholische Kirche mit ihren 1500 Sitzplätzen komplett voll. 2019 gebaut – und schon zu klein. Gute zwei Stunden dauert der Gottesdienst zum zweiten Advent, mit stetig steigender Stimmung.
An der Hinterradnabe ist weiterhin ein Leck. Dazu kommt: Eine Speiche ist gebrochen. Das erinnert mich an das Speichendrama vor einem Jahr mit dem Faltrad. Diesmal entdecke ich es wenigstens frühzeitig und korrigiere mit dem Speichenspanner. Zumindest schleift es nicht an der Bremse.
Heute, am Sonntag, ist weniger Verkehr – vor allem, nachdem ich auf der N4 Richtung Süden unterwegs bin. Ruanda macht seinem Ruf als Land der tausend Hügel alle Ehre: 1400 Höhenmeter sind es heute am Ende auf 111 Kilometer. Oft geht es recht steil bergauf. Ich blicke oft ein bisschen neidvoll ins Tal, aber die Strecke führt stets über die nächste Anhöhe.


Fahrrad vor einer Gedenkstätte mit Namenswänden
Genocide Memorial

Weite Aussicht auf ein grünes Tal mit verstreuten Häusern, Feldern und Plantagen an einem Berghang unter hellem Himmel.
Land der tausend Hügel

Person mit Fahrradtrikot und breitkrempigem Hut vor blauem Himmel
Diesmal mit Tropenhut unterwegs


Tansania


Blick von oben auf einen braun gefärbten, steinigen Fluss, gesäumt von grünem Wald und Felswänden. Es gibt einige verlockende Hotels entlang der Strecke, aber ich will heute noch nach Tansania. Dort gilt Linksverkehr. Noch auf ruandischer Seite unmittelbar vor der Grenze gibt es eine Kreuzung, an der der Verkehr umgestellt wird.
Die 'One Stop Border' Richtung Tansania befindet sich auf der tansanischen Seite. Den Ausreisestempel aus Ruanda bekomme ich irgendwie nicht. Ruckzuck habe ich für 50 Dollar mein Visum. Alles ist hier recht übersichtlich, sogar der Straßenhandel mit Geldwechslern und SIM-Karten-Verkäufern.
Ein netter junger Mann verkauft mir für umgerechnet 1,50 Euro eine SIM-Karte und für 4 Euro ein ganzes Gigabyte für einen ganzen Monat. Als die Installation mit Reisepass und Einreisestempel abgeschlossen ist, ist es fast dunkel. Jetzt noch 150 Meter bergauf zum besten Gästehaus am Ort(srand). Der SIM-Karten-Mann war etwas entsetzt, dass ich zehn Euro für eine ganze Übernachtung ausgeben möchte.


Fahrrad steht nachts auf der Veranda eines Hauses mit gemauerter Balustrade und Steinverkleidung, beleuchtet von hellen Außenlampen.
Bike in the Night


Motorrad transportiert mehrere Fahrräder über eine rotbraune Piste Hotel mit Swimmingpool im zweitärmsten Land der Welt
Montag, 8. Dezember 2025: Rusumo - Kabanga (Grenze Tansania/Burundi) - Muyinga (84 km):

Morgens gibt es keinen Strom mehr aus der Steckdose. Schön an einer Radtour: Katzenwäsche am Morgen reicht. Und bei Hitze wird die Haut Tag für Tag feiner. Frühstück gibt es im rudimentären Restaurant gegenüber: drei Chapati und ein Ingwertee.
Erstes Highlight des Tages: Direkt am Ortsrand von Rusumo die Fähre über den Kagera-Nil, der ein paar Meter weiter an der Grenze einen Wasserfall bildet. Der Kagera, der am weitesten von seiner Mündung ins Mittelmeer entfernte Quellfluss des Nils, ist hier sehr schmal – vielleicht zwanzig Meter. Eine Brücke scheint machbar. Stattdessen gibt es eine an einem Seil hängende Fähre.
Jüngst war sie lange außer Betrieb, aber offenbar funktioniert sie wieder. Noch ein Glück: sie liegt gerade auf meiner Seite. Schnell bin ich drüben. Dort beginnt eine längere Pistenstrecke. Und dort geht es vor allem steil bergauf. Auf der Piste sind zehn, zwölf Prozent Steigung noch ein bisschen anstrengender. Viele gepflegte Häuser links und rechts, dazu jede Menge Landwirtschaft – Bananen, Mais und so was.
Dann kommt auch noch die Sonne raus. Ich muss alle paar Meter beim Schieben eine Pause einlegen, trinke sehr viel, bin noch lange nicht akklimatisiert. Es zieht sich, aber es ist wunderschön.
In Mubinyange kaufe ich ein paar Softdrinks – mehr verträgt mein Magen bei dieser Hitze schon nicht mehr. Dann geht es 34 Kilometer munter bergab bis zur Grenzstation. Schon weit vorher haben LKW-Fahrer eine Warteschlange auf der rechten Straßenseite gebildet. Schließlich geht es wieder vom Links- zum Rechtsverkehr.


Nahaufnahme einer Pflanze mit mehreren leuchtend roten und gelben Blüten an einem roten Erdweg
Blühende Landschaft

Landstraße mit großem Baum und Ortsschild
Cause this is Africa


Burundi


Mehrere Männer schieben schwer mit großen Säcken beladene Fahrräder eine Straße hinauf, weitere Menschen gehen ihnen auf der Straße entgegen. Die Geldwechsler nerven schon eine Weile vor der Grenze, vor allem an der Fiebermessstation, wo ein Mitarbeiter sie schließlich verjagt. Hier ist alles etwas unübersichtlich, und noch 1200 Meter trennen mich von der eigentlichen Einreisekontrolle. Ein Fixer nutzt das, um mich durch das LKW-Labyrinth zu lotsen – was ich wohl auch alleine geschafft hätte. Er stellt sich dann an mein Fahrrad, während ich in die Grenzstation gehe.
Wieder eine 'One Stop Border'. Es gibt derzeit nur ein Transit-Visum (40 Dollar) für drei Tage, in dem wohl nur zwei Nächte enthalten sind – in meinem Fall für 300 Kilometer Strecke. Man sollte also eher morgens einreisen und nicht wie ich, ziemlich erschöpft, am Nachmittag. Ein Grenzbeamter fühlt sich bei meinem deutschen Pass daran erinnert, dass Burundi mal deutsche Kolonie war...
Zu guter Letzt noch Geldwechsel mit Tohuwabohu drumherum. Gefragt sind zunächst nur Dollar. 3000 ist der offizielle Kurs, den ich auch gerade beim Visum bezahlt habe. Der Schwarzmarktkurs liegt bei etwa 7300. Ganz genau weiß ich das natürlich nicht. Ich wechsle schließlich bei 4000. Der Fixer, den ich mit einem Dollar bedacht habe, will zurücktauschen – aber dafür habe ich kein Kleingeld beim Wechseln bekommen. Auch heute bekomme ich keinen einzigen Weißen zu sehen – nicht mal an der Grenze.
Und wieder geht es munter bergauf, diesmal allerdings auf Asphalt. Da können es ruhig neun, zehn Prozent Steigung sein. Erst tröpfelt es ein bisschen, und plötzlich knallt das Wasser von oben herunter. Ich flüchte in das nächstbeste Minihaus, in dem eine alte Frau auf ihrem Stuhl sitzt und durch die Tür starrt. Sie holt ein Tuch und will es mir auf ihrem Stuhl unterlegen. Ich bevorzuge die Plane auf dem Boden, auf der ich von einem Meerschweinchen umschwirrt werde. Sie interessiert sich für die Fotos vom heutigen Tag. Schließlich darf ich auch sie fotografieren, als wir wieder nach draußen können.
In Muyinga nehme ich das beste Hotel am Platz, sogar mit riesigem Swimmingpool. Für umgerechnet elf Dollar. Burundi ist statistisch das ärmste Land meiner Reise. Nur im Süd-Sudan liegt das BIP noch niedriger.


Person in gemustertem Tuch steht vor einer Wand aus roten Lehmziegeln im dunklen Eingang eines einfachen Hauses.
Meine Kurzzeit-Gastgeberin

Person schiebt ein schwer beladenes Fahrrad eine Bergstraße hinauf, mit weitem Blick über hügelige, grüne Landschaft und bewölkten Himmel.
Sind es doch 10.000 Hügel?


Ein Fahrrad liegt umgedreht neben einem Baum; daneben liegen Taschen und reparaturähnliches Material. Mit Sonnenstich zum Minimalziel
Dienstag, 9. Dezember 2025: Muyinga - Gitega (98 km)

Ab sechs Uhr soll es Frühstück geben. Immerhin werden zu diesem Zeitpunkt schon die Tische gesäubert. Um sieben bekomme ich dann ein Omelette und ein Gericht mit Kochbananen, dazu wieder afrikanischen Ingwertee.
Ich bedaure es etwas, gestern Nachmittag schon über die Grenze gefahren zu sein. Wäre ich gestern und vorgestern jeweils vor der Grenze geblieben, hätte ich jetzt volle drei Tage für Burundi.
Gitega liegt hundert Kilometer entfernt, dazu 1300 Höhenmeter – eigentlich die perfekte Etappe für heute. Wenn ich morgen früh aus Burundi heraus sein will, müsste ich eigentlich noch weiterfahren. Es ist bedeckt und kühler als an den Tagen zuvor, vielleicht 19, 20 Grad. Gute Bedingungen.
Alles wirkt noch ein bisschen ärmer als in Tansania. Die Räder sind noch ein bisschen wackeliger, die Lasten darauf noch etwas größer und höher. Vierjährige tragen bereits ihre Geschwister auf dem Rücken. Vor allem die Kleidung ist häufig heruntergekommen.
Schon nach ein paar Kilometern muss ich den Speichenspanner zur Hand nehmen. Das Hinterrad schleift infolge der fehlenden Speiche. Jedes Mal, wenn ich das Rad testweise schiebe und das Schleifen an der Bremse zu hören ist, führt das zu begeistertem Kichern der herumstehenden Jungs. Es dauert zu ihrer Freude eine Weile, bis ich es korrigiert habe.


Person trägt einen riesigen, mit frischem Grün gefüllten Sack auf dem Kopf eine schmale Landstraße entlang, mit Böschung und Vegetation im Hintergrund.
Traglast 1

Person schiebt ein mit hohen Gras- oder Maisbündeln überladenes Fahrrad eine Asphaltstraße bergauf, weitere Fußgänger im Hintergrund.
Traglast 2


Bunt dekoriertes Fahrrad mit kleinen Flaggen von Burundi und Tansania und weiteren farbigen Accessoires, am Straßenrand geparkt. Es ist ein stetiges Auf und Ab auf Asphalt, mit meist flachen Anstiegen. Lange Zeit führt der Weg auf einer Anhöhe an einem Flusstal entlang. Der Fluss schlängelt sich zwischen Reisfeldern. Das Tal ist der Landwirtschaft vorbehalten
Einerseits werde ich von den Leuten am Straßenrand gefeiert, oft frenetisch bejubelt – vor allem von Kindern. Schulklassen jubeln in der Pause, Fußballspiele werden unterbrochen, weil ich vorbeiradele. Andererseits weichen die Kinder auch vor mir aus, sind viel ängstlicher als in Ruanda. Sprachlich ist weder mit Französisch noch mit Englisch allzu viel anzufangen. Viele blicken begierig auf das Gepäck am Rad und fragen nach Lebensmitteln oder Geld. Folge: Außer den Wasserflaschen verstaue ich alles in den Taschen.
Auch heute liegt der Minimal-Zielort, Gitega, auf einem Berg. Es ist erst 15 Uhr, aber ich bin erschöpft – und in absehbarer Entfernung gibt es nach meinen Recherchen keine Unterkunft. Hier in Gitega gibt es jedoch jede Menge. Das 'Bethel Hotel' wird bei iOverlander empfohlen – zu Recht.
Ich kann von Glück sagen, dass ich nicht noch weitergefahren bin. Weil es anfangs bedeckt und vergleichsweise kühl war, habe ich die Sonne unterschätzt. Jetzt machen sich ein leichter Sonnenbrand und ein Sonnenstich bemerkbar. Der Rest des Abends und der Nacht gehören den klassischen Gegenmitteln: kühlen, viel trinken, eincremen.


Eine offene Landschaft mit einem geschwungenen Flusslauf, Feldern und sanften Hügeln.
Das Tal bleibt der Landwirtschaft

Dreistöckiges Eckgebäude in einer afrikanischen Stadt, nachts von warmen Lichtern beleuchtet, mit vorbeifahrenden Autos und Menschen auf dem Gehweg.
Mein Hotel im Zentrum von Gitega

Eine leere Landstraße im hellen Morgenlicht, eingerahmt von hohen Bäumen und einer einzelnen Radfahrperson in der Ferne.
Morning Vibes


Radreisender repariert ein auf den Kopf gestelltes, bepacktes Fahrrad am Wegrand, während er an Kette und Schaltung arbeitet. Zweiter Speichenbruch, Florienne und
Mittwoch, 10. Dezember 2025: Gitega - Rutana - Kayogoro - (60 km Taxi) - Grenze Burundi/Tansania - Nyarubanda (106 Rad-km)

Die Nacht war mittelmäßig. Irgendeine Sommererkältung habe ich auch noch. Viel Zeit, um nachzudenken, wie ich heute weitermache. Ich bin viele Optionen durchgegangen. Im Idealfall schaffe ich die 160 Kilometer zur Grenze – gespickt allerdings mit rund 2000 Höhenmetern.
Morgen früh bin ich wieder fit und schon um 6:20 Uhr sitze ich auf dem Rad. Plötzlich knackt es auf einer Abfahrt bei rund 40 Stundenkilometern. Allerdings ist der Asphalt sehr glatt. Ich brauche das schleifende Hinterrad gar nicht zu hören, um zu wissen, dass die zweite Speiche gebrochen ist. Am Fuß des Berges sichte ich die Lage. Alles Gepäck runter. Das zweite Speichenloch liegt jetzt etwa vier, fünf Speichen vom anderen entfernt. Wieder fange ich an zu korrigieren.
Eine junge Maisarbeiterin kommt vom Feld und gesellt sich zu mir. Courageuse. Bisher war es völlig untypisch, dass sich Mädchen oder junge Frauen allein in meiner Nähe aufhalten. Ich bitte Florienne, mich zu filmen und zu fotografieren. Auch sie darf ich dann abbilden. Sie meint, im nächsten Dorf könne ich eine neue Speiche kaufen, und spricht recht gut Französisch. So richtig bekomme ich die Speichen nicht eingestellt. Entweder sie schleifen auf der einen oder auf der anderen Seite, aber es stört nicht beim Fahren.


Person in orangem T‑Shirt steht in ländlicher Umgebung und blickt zur Kamera
Florienne

Menschenmenge auf einem Markt oder an einer Straße, dicht um ein Motorrad mit Fahrer in roter Jacke versammelt.
Möglicher Motorradbegleiter


Person schiebt ein Fahrrad, das hoch mit Ziegelsteinen beladen ist, am Straßenrand entlang In Rutana, nach 70 Kilometern, bin ich schon ziemlich erschöpft. Da sich ein Motorradfahrer anbietet, mich 90 Kilometer zur Grenze zu begleiten, überlege ich, mich von ihm die Berge hochziehen zu lassen. Letztlich ist es mir aber zu teuer, zu lang und zu gefährlich.
Aber der Bann ist gebrochen. Der Gedanke lässt mich nicht mehr los, wie ich heute noch rechtzeitig zur Grenze komme. Ich könnte es drauf ankommen lassen und einfach einen Tag länger bleiben, als es das Drei-Tage-Transitvisum zulässt – aber das würde vermutlich nicht viel Spaß machen.
Schließlich sitzt da am Straßenrand ein Fahrer allein in seinem Taxi – eine Seltenheit. Er verlangt je nach Wechselkurs 30, 25 oder 20 Dollar für die 60 Kilometer bis zur Grenze. Ich sage sofort zu. Ähnlich wie beim Motorradfahrer bildet sich auch hier eine große Menschentraube um uns herum. Am Ende verteile ich etwas Bakschisch für ein paar Helfer – zum Glück habe ich noch ein paar kleine Scheine.
Den Rest für die Bezahlung des Taxis tausche ich an der Grenze und erreiche wieder mühsam den Kurs von 4000 Franc pro Dollar. Diesmal keine 'One Stop Border'. Die Ausreise aus Burundi zieht sich etwas. Bedauernd stellen sie fest, dass ich innerhalb des Drei-Tage-Limits meines Visums geblieben bin – eine Verhandlung über einen vierten Tag wäre vermutlich kein Vergnügen gewesen (sehr viel später lese ich in der WhatsApp-Gruppe der Kairo-Kapstadt-Radler, ein weiterer Tag würde wohl nur zwei Dollar kosten). Außerdem beherrscht der Grenzbeamte, der meinen Vorgang am Computer bearbeitet, nur rudimentäres Englisch.
Jetzt noch zwei Kilometer steil bergauf auf gut asphaltiertem Grund zur anderen Grenzstation. Die Laktatwerte sind nach der Pause im Taxi grausam. Und wie stets wirkte die Strecke aus dem Auto heraus kaum zu bewältigen. Genau auf der Grenze wird diesmal der Verkehr von Rechts- auf Linksverkehr umgeleitet. Das tansanische Visum, das ich am Sonntagabend erhalten habe, gilt erfreulicher Weise weiter: es gibt einen zweiten Einreisestempel.
Im Ort zeigt man mir den Weg zu einer netten kleinen Unterkunft durch schmale Gassen.


Mehrere Jungen laden ein Fahrradgestell in den geöffneten Kofferraum eines Fahrzeugs, weitere schauen von außen zu.
Ab ins Taxi

Geflieste Nasszelle mit Boden-Squat-Toilette, mehreren Eimern Wasser und Toilettenbürste, komplett in braun‑weißem Muster.
Typische Toilette - die hier auch als Dusche dient


Tansania


Grüne Berglandschaft unter bewölktem Himmel Tansanias Präsidentin und Kaiser Wilhelm
Donnerstag, 11. Dezember 2025: Nyarubanda - Kigoma - Ujiji - Kigoma (84 km)

Wieder eine Nacht im Delirium. Ich glaube, mein 9,99-Euro-Decathlon-Safari-Hut versengt mein Gehirn. Er fühlt sich eigentlich ganz angenehm an, aber offensichtlich staut sich über meinem Kopf zu viel Hitze.
Heute allerdings: Regen. So viel Regen, dass ich zwei Stunden ins Land gehen lasse, bevor ich starte.
Insgesamt geht es von rund 1700 hinunter auf 700 Meter zum Tanganjikasee – dem zweitgrößten See Afrikas nach dem Victoriasee. Er zieht sich von Nord nach Süd durch den westlichen Grabenbruch.
Die Straße verläuft zunächst auf der Höhe. So habe ich einen tollen Blick auf die gigantischen Berge, die der Grabenbruch hier auftürmt.
Am Wegesrand überall Wahlplakate: 'Chagua Samia' (Swahili: Wähle Samia!) Samia Suluhu Hassan ist die amtierende Präsidentin von Tansania, Nachnachnachfolgerin von Julius Nyerere und erste Frau im Amt. Ende Oktober wurde sie mit offiziell 97,66 Prozent wieder gewählt. Der Ausschluss aller prominenter Oppositionskandidaten von der Wahl führte zu schweren Unruhen.
Irgendwann regnet es sich ein bisschen ein, aber ich halte durch bis zum 'deutschen' Bahnhof von Kigoma. Während der deutschen Kolonialzeit wurde die heutige Tanganjikabahn als 'Mittellandbahn' oder 'Zentralbahn' von 1905 bis 1914 von Daressalam bis hier zum Seeufer gebaut: 1252 Kilomter, 58 Stunden fahrplanmäßige Fahrzeit. Kaiser Wilhelm II., dem man ein paar Meter weiter ein Haus gebaut hatte, sollte hier vorbeikommen – die Geschichte wollte es anders.


Durch einen Fahrradlenker hindurch sieht man den alten deutschen Bahnhof von Kigoma.
Der 'deutsche' Bahnhof von Kigoma

Fahrradmechaniker arbeitet an einem umgedrehten Fahrrad
Hilfe in Ujiji


Ufer eines Sees mit schräg stehenden Palmen, kahlem Baum und Booten auf dem Wasser unter dramatisch bewölktem Himmel mit Gegenlicht. Die vom Lonely Planet meistempfohlene Unterkunft hat leider geschlossen. Aber ein paar Meter weiter finde ich eine andere nette kleine Lodge.
Nach der Wasch- und Regen-Siesta geht es zur Speichenreparatur. Ich radle hinaus in die frühere Sklaven- und Handelsmetropole der Araber: Ujiji. Dort entdecke ich tatsächlich am Straßenrand einen Fahrradhändler. Yousuf braucht eine Weile, bis er in seinem Ersatzteillager zwei passende Speichen findet. Dann geht es ruckzuck.
Was ich nicht erwartet hatte: Er hat Schwierigkeiten mit dem französischen Ventil. Da nützt auch seine Hydraulikpumpe nichts. Ich fahre mit dem Tuk-Tuk (in Tansania 'Bajaj' genannt) zurück zum Hotel, um eine Pumpe zu holen. Als ich wiederkomme, ist der Reifen irgendwie doch aufgepumpt.
Um die Ecke beim Fahrradhändler liegt das Livingstone Memorial – eigentlich ein Museum. Bis ich herausgefunden habe, dass es geöffnet ist und mich mit der wenig transparenten Preisgestaltung abgefunden habe, hat mich bereits ein Junge genervt, der hinten am Fahrrad herumhantierte, und ein Mann in Uniform, der behauptete, ich dürfe am schönen Seeufer nicht fotografieren. Obwohl das Museum laut Reiseführer besonders empfehlenswert ist, verzichte ich.
Dafür komme ich an anderer Stelle noch zum Seeufer, kann einkaufen und zu guter Letzt auf der Dachterrasse der Lodge Bier trinken. Fazit: Die Serengeti lässt sich auch als Bier konsumieren.


Bunter Straßenstand mit einer großen Auswahl an frischem Obst – Bananen, Ananas, Mangos, Avocados und Tomaten – davor der Lenker eines Fahrrads.
Große Auswahl direkt am Straßenrand

Zwei Serengeti-Bierflaschen auf einem Tisch
Serengeti zum Trinken

Öltropfen unter Fahrrad.
Leck in der Rohloff-Nabe


Eine große Skulptur, die einen Affen darstellt, der ein Jungtier im Arm hält, platziert in einem Kreisverkehr mit gepflegtem Grün. An der Mittellandbahn
Freitag, 12. Dezember 2025: Kigoma - Uvinza (106 km)

Das Problem mit dem Ölleck an der Hinterradnabe bleibt. Am Morgen ein neuer Ölfleck. Ich maile Experten.
Heute ist es recht bedeckt und düster. Zeitvorteil hier in Tansania - und nur hier auf meiner Tour: Die Uhrzeit richtet sich nach der Hauptstadt Daressalam an der Küste im Osten, weshalb die Sonne hier um 6:30 Uhr auf- und um 19 Uhr untergeht. Morgens ist es dadurch etwas entspannter.
Vom See im Grabenbruch geht es zurück hinauf in die Berge. Google Maps gibt zwar eine Direktverbindung nach Uvinza als Autoroute aus, aber die Strecke ist sehr mager dargestellt – also: möglicherweise 40 Kilometer Umweg für Asphalt? Am Abzweig zeigt sich, dass alles in Ordnung ist, die mager dargestellte Strecke ist bestens asphaltiert.


Schmale Eisenbahnschienen in einer ländlichen Landschaft
Ein-Meter-Spur: Eisenbahnschiene am Rande von Kigoma

Eine Person fährt mit Holzstücken auf dem Gepäckträger eine lange, gerade Landstraße entlang, umgeben von grüner Vegetation.
Rolling


Ein Dreifachteller mit Bohnen, Reis und grünem Gemüse; daneben ein zweiter Teller mit frittierten Stücken. Ab und zu ein paar Tropfen. Gelegentlich kreuzen Bahngleise die Strecke. Über Uvinza wird es nochmals düster, doch ich komme trocken zur Amani Lodge. Nachmittagessen gibt es vor der Tür: Reis, Pommes, Bohnen und ein bisschen Gemüse. Anschließend ein Spaziergang zum alten Bahnhof an der 'Mittellandbahn'. Von hier wollen Chinesen bis 2030 eine Bahnstrecke für 2,1 Mrd. US-Dollar nach Burundi bauen. Uvinza, damals Teil von Deutsch-Ostafrika, hieß während der deutschen Kolonialzeit übrigens Neu Gottorp. Aus dem Haus Romanow-Holstein-Gottorp ging die letzte Dynastie der russischen Kaiser hervor.


Kleiner Bahnhof mit der Aufschrift 'Uvinza', verwittertes Gebäude mit Blechdach und großem Baum davor, Kinder spielen auf dem Platz vor den Gleisen.
Bahnhof von Uvinza


Kleiner Affe läuft über den bewaldeten Waldboden, umgeben von dichtem Laub. Traum: auf roter Piste durch grünen Wald
Samstag, 13. Dezember 2025: Uvinza -Pass (1707 m) - Mpandule (104 km)

Den Anfang der Piste am Ortsrand habe ich gestern Nachmittag schon bei der Ankunft gesehen. Es geht auf 60 Kilometern im Wesentlichen bergauf – entsprechend langsam bin ich. Aber es ist ein Traum: auf roter Piste durch grünen Wald.
Menschen scheinen hier kaum zu leben. Alle zehn Minuten kommt mal ein Motorrad, Bus oder LKW vorbei. Sogar freilebende Schimpansen bekomme ich zu sehen.
Auf einigen Kilometern vor dem Pass herrscht härtestes Wellblech: Die Waschbrettpiste zwingt mich zum Schneckentempo. Dazu Donner mit langem Nachhall. Die kräftigen Donnerschläge kommen näher und näher. Dann geht es endlich richtig bergab, und bei Kilometer 71 gibt es eine Art Raststation. Abgesehen von zwei Antennen am Wegesrand ist es die erste menschliche Siedlung. Praktischerweise beginnt genau jetzt der Regen.
Etwa eine Stunde bleibe ich hier. Es hat nicht so stark geregnet, dass die Piste nun unpassierbar wäre – denke ich zumindest. Aber bald blockiert der rote Schmodder das Hinterrad.


Reiserad mit Gepäcktaschen lehnt auf einsamer, breiter Schotterpiste, eingerahmt von grüner Buschlandschaft.
Wellblech-Piste

Person mit breitrandigem Sonnenhut macht ein Selfie an einem roten Erdweg mit Bäumen im Hintergrund.
Schon gebräunt


Rote Naturstraße durch dichte grüne Vegetation Ich versuche verschiedene Techniken. Letztlich entscheide ich mich, das hintere Schutzblech abzumontieren (für den Rest der Tour). Jede Schraube hat ihre eigenen Tücken. Ein junger Tansanier ist stummer Zeuge.
Ein wenig später blockiert auch das vordere Schutzblech. Für den kompletten Abbau kann ich mich hier nicht entscheiden – also immer wieder den Dreck mit dem Taschenmesser wegkratzen.
Die Sonne ist noch einmal wunderbar herausgekommen. Als sie sinkt, ist das geplante Quartier noch in weiter Ferne. Den ganzen Tag schon habe ich mich gefreut, dass mich das Zelt unabhängig macht.
Als ich nun einen Zeltplatz suche, stelle ich schnell fest, dass es seit der Raststation doch nicht mehr ganz so unbesiedelt ist. Dann finde ich ein Waldplätzchen ganz in Straßennähe. Weil ich am Ende doch die alte, nicht ganz so leichte Komplettausrüstung mitgenommen habe, kenne ich mich beim Aufbau wunderbar aus. Und der Waldboden ist Zucker für die Heringe.


Zelt in dichtem Wald aufgebaut
Perfekter Zeltplatz


Person vor Rahmen mit der Aufschrift Welcome to Nkondwe Waterfalls, Wasserfall im Hintergrund Wasserfall, Honighändler und der Froschkönig
Sonntag, 14. Dezember 2025: Mpandule - Mpanda (94 km)

Wunderbare Zeltnacht im Wald. Am Morgen ist das Zelt von außen trocken. Einige der letzten Weihnachtsplätzchen aus der Heimat dienen als Adventsfrühstück.
Nach einer Stunde erreiche ich die Wasserfälle von Nkwonde. Ein neues Hinweisschild steht an der Straße – laut Google Maps hätte ich allerdings schon ein, zwei Kilometer vorher daran vorbeikommen müssen.
Am Fuß des Wasserfalls liegt ein Zeltplatz mit Hütten. Hier war Transparency International schon aktiv: umgerechnet zwei Euro Eintritt für Einheimische, das Doppelte für Ausländer – so steht es auf einem großen Schild, und es sind tatsächlich Menschen vor Ort, zumindest einer der kassiert. Und zwei Gäste, die gerade vor ihrer Zelttür frühstücken: Die beiden haben mich gestern mit ihrem Auto überholt. Weiße, aber keine Touristen – sie leben in Kigoma. Er vermarktet Honig, sie arbeitet als digitale Nomadin für eine Hilfsorganisation, unter anderem in Sambia. Nach ihrer Aussage leben nur sieben oder acht Weiße in Kigoma. Eine davon hatte ich gesehen – wie sich jetzt herausstellt, ihre belgische Nachbarin.
Den Wasserfall sieht man nur aus der Ferne, dafür durch einen Bilderrahmen. Aus dem Flusstal geht es dann auch auf der Straße steil bergauf. Von nun an ist die Piste breiter – offenbar wird an der Asphaltierung gearbeitet.


Zwei Personen sitzen in einem schummrig beleuchteten Raum mit unverputzten Ziegelwänden; im Hintergrund stehen ein blauer Wasserbehälter und Haushaltsgegenstände.
Reggen-Retter

Stoff mit Zeichnung eines Frosches mit Krone und roten Lippen, umgeben von Herzen, an einer Backsteinwand; darüber der Schriftzug 'Küssen erlaubt!'.
Froschkönig als Zimmertür


Frühstück in Afrika Dann schlägt das Wetter um. Erst werde ich nass, dann stelle ich mich doch noch unter. Solche Gelegenheiten sind selten. Als ich weiterfahre, hat der Regen fast aufgehört – bevor er wieder richtig loslegt. Zuletzt fahre ich durch eine regelrechte Wasserwand, sehe nichts mehr und entdecke links abseits der Straße ein Haus. Ein winziges Haus. Das Paar heißt mich willkommen, ein Ofen mit brennender Holzkohle wird vor mich gestellt. Ich dämmere dahin. Erst dann entdecke ich das Tuch zur Nachbartür: 'Küssen erlaubt' steht da in Deutsch über dem Froschkönig.
Die letzten Hügel wärmen mich wieder auf. Hauptproblem sind die komplett nassen Schuhe. So reicht es mir nach 94 Kilometer völlig, als ich die Stadt Mpanda erreiche. Die linke Ortlieb-Tasche wusste wohl nicht, dass sie wasserdicht ist – jedenfalls schwimmt das Werkzeug, das Erste-Hilfe-Set und einiges andere im Wasser. Auch sonst gibt es von der Zeltnacht einiges zu waschen und zu trocknen. Zunächst kann ich draußen mit einem Wasserschlauch Taschen und Fahrrad grob säubern.


Detailaufnahme des Hinterradbereichs eines Fahrrads, die rostige Metallkomponenten zeigt.
Gewinde kaputt: neue Befestigungsmöglichkeit für Gepäckträger gesucht


Zwei Personen stehen an einer Straße, eine von ihnen mit Fahrrad; beide zeigen den Daumen nach oben. Flusspferde, Antilopen und ein Bus durch den Nationalpark
Montag, 15. Dezember 2025: Mpanda - Sitalike - Katavi National Park - (100 km Bus) - Lyazumbi - Paramawe (47 Rad-km)

Eigentlich will ich nur die Speichen am Hinterrad ein bisschen nachjustieren. Erstes Problem: Es schleift ein bisschen, aber man sieht überhaupt nicht, auf welcher Seite. Am Griff lässt sich die Bremse irgendwie nicht mehr richtig einstellen. Dabei entdecke ich: Der Gepäckträger ist auf der linken Seite nicht mehr fixiert. Nachdem ich das Schutzblech dort entfernt hatte, ist nun offenbar das Gewinde im Eimer.
Ich entschließe mich schließlich, eine etwas erhöhte Öffnung für die Befestigung des Gepäckträgers zu nutzen. Danach muss ich noch den Korb etwas nach hinten umbauen. Die Kette muss nach der Schlamm- und Regenschlacht sowieso geölt werden. Zwischendurch gibt es noch Hotelfrühstück. Bei der Hinterradbremse könnte zu wenig Hydraulikdruck anliegen – daran kann ich wohl nichts ändern. Also im Wesentlichen: vorne bremsen.
Eine neue Powerbank brauche ich auch noch, denke ich, weil ich beim Laden den Eindruck hatte, es funktioniert nicht mehr so richtig. Die junge Frau aus einem Handyladen hilft mir, schräg gegenüber eine für zehn Euro zu kaufen. Hinterher sagt sie mir, dass diese Marke nichts taugt. Es gab keine andere.
Jetzt also gemächlich über die Hügel, eher bergab, zum Katavi-Nationalpark. Ein Omani mit Entourage hält an. Er ist von Muscat über Salalah, Aden und Dschibuti nach Afrika gereist. Durch den Jemen zu reisen und mit der Fähre über das Rote Meer zu kommen sei kein Problem gewesen. Nasser macht noch schnell einen Aufsager mit mir vor der Kamera. Sie haben im Nationalpark in einem Fünf-Sterne-Camp übernachtet.
Die öffentliche Straße führt mitten durch den Park, aber für Radler gelten Löwen und andere Wildtiere als gefährlich. Ein Uniformierter spricht an der Schranke – mit der auch die Piste beginnt – von sehr vielen gefährlichen Löwen, wirkt aber nicht übermäßig überzeugend. Ich fahre erst mal zum Fluss und kann dort tatsächlich Flusspferde - von denen es im Park mehrere hundert geben soll - entdecken, die im Wasser schwimmen und gelegentlich ihren Kopf und mehr über die Oberfläche heben. Gelegentlich schießt eine Fontäne aus den Nüstern.


Zwei Flusspferde schwimmen im Wasser eines Flusses
Flusspferde lauern in der Strömung


Ein Fahrrad liegt zusammen mit Säcken und Kisten im Gepäckraum eines Fahrzeugs. Das Büro des Katavi Nationalparks, wo der Eintritt kassiert werden sollte, liegt abseits – so kann ich unbehelligt zum zwei Kilometer entfernten Banda-Lodging radeln. Ein paar Schimpansen sehe ich, eine Antilope hechtet davon. Von der angeblich allgegenwärtigen Tsetsefliege bekomme ich kein einziges Exemplar zu sehen oder zu spüren – wie mir überhaupt in den ersten zehn Tagen kein einziges Moskito begegnet ist. Ich schlafe allerdings bisher jede Nacht unter einem Netz.
Beim Banda-Lodging wird gekocht, aber es ist wenig einladend. Vor allem: weit und breit keine Tiere. Es gäbe zwar jede Menge, aber die kämen vielleicht abends, vielleicht in der Nacht, vielleicht morgens. Das ist mir zu viel Spekulation.
Ich radle zurück zum Eingang, und schon bald vermittelt mich der Uniformierte in einen – wie alle hier – sehr vollen Bus. Nachdem ich das Vorderrad abmontiert habe, passt das Rad sogar hinten rein. Ich sitze vorne mit anderen auf der Mittelkonsole und muss mich mühsam festhalten. Regelmäßig darf ich der Mutter neben mir eine leere Pepsi-Flasche reichen, damit ihre beiden kleinen Söhne sich darin erleichtern können.
Ich könnte bis Sumbawanga durchfahren, aber der Bus hält zum Glück nach hundert Kilometern Piste in Lyazumbi. Überraschend taucht nach ein paar Kilometern eine neue Lodge auf – die JB Lodge. Für vier Euro bekomme ich dort ein Zimmer mit Bad.
Abendspaziergang zur zentralen Kreuzung. Dort laufen viele junge Männer in einem eigenartigen Aufzug herum: Gummistiefel, kurzer Rock, traditionelle Armreifen, irgendein europäisches Fußballtrikot – und darüber schräg eine Art Stola. Alkoholbedingt herrscht Riesenstimmung. Einige schlafen schon vor Sonnenuntergang ihren Rausch aus. Auch mein Serengeti-Bier ist zu haben.


Mehrere Personen in farbenfroher Kleidung und traditionellem Perlenschmuck posieren vor Fahrrädern in einer offenen Siedlung.
Traditionell mit Fußballtrikot

Leuchtend gelber Vogel sitzt draußen vor einem Fenster und schaut durch ein Fliegengitter ins Innere.
Vogel am Morgen


Radfahrer kniet auf einer Straße und pumpt mit einer kleinen Handpumpe den Vorderreifen seines Reiserads auf. Die erste Tausend-Kilometer-Marke
Dienstag, 16. Dezember 2025: Paramawe - Namanyere - Sumbawanga (116 km)

Ein kleines Vögelchen klopft hartnäckig ans Fenster, während ich ein paar Mangos und Bananen frühstücke. Auch wenn die Lodge neu ist: Fenster und Moskitogitter lassen sich nicht bewegen, im Bad ist keine Leitung dicht.
Morgenreparatur: Der Kettenschutz gab ungute Geräusche von sich. Analyse: anderthalb Schrauben locker, eine weg – sie wird durch einen Kabelbinder ersetzt.
Am Ortsausgang muss ich mich entscheiden: Ich bleibe auf der Google-Strecke. Sie ist zwar elf Kilometer länger als die Direktverbindung, aber im Gegensatz zu dieser asphaltiert.
Die Landschaft hat sich stark verändert. Nach Ende des Nationalparks gibt es keinen Wald mehr. Bäume stehen nur noch vereinzelt, die Sicht ist viel weiter.
Ich biete drei Radlern mit zwei Rädern meine Hilfe an, weil einer einen Platten hat. Sie sind allerdings vor allem an Wasser interessiert. Ich trete ihnen eine Flasche ab, dafür darf ich ihre perfekte Pumpe benutzen. Meine eigene erfüllt leider nicht die in sie gesetzten Erwartungen. Wo haben die diese Pumpe (die ich nun immer wieder sehen werde) nur mitten im Nirgendwo her?


Rinder mit Pflug überqueren Landstraße, begleitet von einer Person.
Pflug on the Road

Lkw fährt auf einer Landstraße über eine Hochebene, mehrere Personen sitzen ungesichert auf dem Dach am Heck, vor weitem Himmel mit Wolken.
Nicht ganz ungefährlich


Person schiebt ein Fahrrad beladen mit langen Pflanzentrieben am Straßenrand Die Gegend wirkt jetzt etwas wohlhabender. Vielfach wird gepflügt, teils mit Ochsen, teils mit Motoren. Die Herden sind größer, es gibt mehr zu kaufen, und ich werde nicht mehr ständig als 'Mzungu' (Weißer) bezeichnet. Stattdessen heißt es eher 'Good morning', 'Good afternoon' und 'Good evening'.
Die Tour bewegt sich bisher im Wesentlichen auf über 1000 Metern Höhe. Heute erreiche ich neue Höchstwerte. In Kipane sind es 1940 Meter. Bis zum Zielort geht es auch nicht wesentlich hinunter – das Hotel liegt immer noch auf hochgebirgsverdächtigen 1860 Metern. Und was für ein Hotel! Umgerechnet kostet es 24 Euro – das Sechsfache von gestern. Dafür eine wunderbare Anlage, große Zimmer, herrliche Betten, Handtücher, Shampoo, Bodylotion, Swimmingpool, zuvorkommende Bedienung und Frühstück inklusive. Tansania kann's.
Göttlich: frisch gepresster Avocado- und Mangosaft bei der Ankunft in der Stadt. Zunächst soll ich 5000 Schilling (zwei Euro) pro Flasche zahlen, schließlich tun es auch 1500 Schilling, ohne dass ich verhandle.
Kleines Fazit: Die ersten 1000 Kilometer liegen hinter mir. Ich liege etwa im Plan. Beim Fahrrad liegt vieles im Argen – aber positiv gesehen: bisher kein einziger Platten.


Wegstein an einer Landstraße mit den Aufschriften SMB 30 und MPD 210, daneben der Lenker eines bepackten Fahrrads.
Zwischen Sumbawanga und Mpanda


Ein breiter, flacher Fluss mit braunem Wasser zieht sich durch eine hügelige, grüne Landschaft. Vibrations im Club
Mittwoch, 17. Dezember 2025: Sumbawanga - Laela (97 km)

Der viele Regen in der Nacht hat den Ledersattel aufgeweicht, sodass ich nicht mehr so gut darauf hin- und herrutsche. Da es tagsüber ebenfalls regnen soll, bin ich versucht, einen Tag hier zu bleiben.
Obwohl - oder vielleicht auch weil - ich jede Nacht mindestens neun Stunden schlafe, bin ich morgens meist recht erschöpft. Beim Aufstehen scheinen die Kraftreserven gleich null. Aber innerhalb einer Stunde wendet sich das Blatt – so auch heute.
Erholsame hundert Kilometer durch die Region Rukwa stehen an, denke ich. Für mich angenehme 21 bis 23 Grad. Die Tansanier haben ihre Winterjacken rausgeholt, sofern sie welche haben.
Die Straße bleibt zunächst auf der Höhe. Insgesamt geht es doch stetig auf und ab. Am Ende sind es fast doppelt so viele Höhenmeter wie von Google Maps berechnet. Frühes Mittagessen nach halber Strecke: Reis mit Kohl und winzigen Mini-Sardinen.


Teller mit weißem Reis, fein geschnittener gekochter Kohlbeilage und einer Portion tomatenroter Fleisch- oder Bohnen­soße, daneben ein Löffel.
Mittagessen


Ein dreieckiges Warnschild mit einer stilisierten Kopfkontur am Straßenrand; im Hintergrund eine Landstraße und Gebäude. Jeder Ort hat mindestens einen Zebrastreifen, eingeführt durch dreimal vier Bodenwellen im Abstand von 200 Metern – und abgeschlossen durch nochmals dreimal vier Bodenwellen. Immer muss ich abbremsen, besonders wegen der Speichen. Weil es immer entweder bergauf oder bergab geht, muss ich in etwa der Hälfte der Fälle stark bremsen.
Libanese Hasan Hussein, Nachkomme des Propheten, kommt mit seinem Fahrer vorbei und hält kurz an. Der junge Agro-Veterinär-Ingenieur hatte mir gestern Abend im Hotel noch die vielen arabischen Lehnwörter im Swahili erklärt und Popcorn geschenkt.
In Laela könnte ich gut und gern noch weiterradeln, aber auf den nächsten 130 Kilometer konnte ich keine Unterkunft ausfindig machen. Und hier gibt es eine ganz neue, sehr schöne Lodge: die City Lodge.
Kurz vor Sonnenuntergang gehe ich noch ins Zentrum. Eigentlich ist es nur ein kleines Dorf. Aber was im zentralen Club los ist, ist beachtlich – hauptsächlich Jungs, ein paar junge Frauen. Einige versuchen, ein Gespräch anzufangen, aber die Musik ist zu laut dafür. Ich genieße die Vibrations.


Person im Auto zeigt den Daumen hoch zu einer anderen Person draußen neben dem Fahrzeug; grauer Himmel und Straße im Hintergrund.
Mohammeds Nachkomme

Menschen sitzen und stehen in einer Bar mit grüner und blauer Neonbeleuchtung
Im Club


Zwei Frauen sammeln Früchte unter einem Baum; eine hält einen Korb, die andere greift nach oben Fahrradspeichen für die Hygiene
Donnerstag, 18. Dezember 2025: Laela - Tunduma - Grenze Tansania/Sambia - Nakonde (131 km)

Was für ein leichter Tag. Am Ende sind es über 1000 Höhenmeter und die bisher längste Strecke von 131 Kilometer. Den Rücken spüre ich ein bisschen, vielleicht auch etwas mehr. Aber alles geht heute leicht dahin.
Tatsächlich kann ich zunächst keine einzige Lodge entdecken, die mir gestern Abend noch geholfen hätte. Ich habe also genau die richtige Entscheidung getroffen. Ein bisschen bedrohlich bleiben immer die Regenwolken. Ab und zu gibt es auch ein bisschen Sonne.
Bei der ersten Pause werden nebenan Mangos geerntet. Zwei junge Frauen haben viel Spaß daran, mit einem sehr langen Ast im Wipfel zu stochern – dann fallen immer zwei Mangos mehr oder weniger gleichzeitig herunter.
Irgendwann ereilen mich doch ein paar Regentropfen, aber da bin ich schon fast im Grenzort Tunduma. Fast acht Kilometer lang stauen sich LKW vor der Grenze. Der Verkehr ist entsprechend chaotisch – zeitweise kommt er komplett zum Erliegen. Dann komme ich selbst mit dem Fahrrad keinen Zentimeter weiter.


Eine Landstraße unter bewölktem Himmel, flankiert von Feldern und einem markanten, schief stehenden Baum.
Good morning, Africa!

Grünes Chamäleon mit langem Schwanz läuft über eine grobkörnige Asphaltstraße.
Chamäleon


Sambia


Warteschlange von Menschen in einem hellen Amtsgebäude, alle stehen an einem Schalterbereich an. Praktischerweise mal wieder eine 'One Stop Border', aber hier ist richtig viel zu tun und draußen inzwischen Schlamm. Eine halbe Stunde muss ich auf die tansanische Ausreise warten. Ungefragt habe ich mal wieder einen Fixer, der mir ein Formular besorgt, mir sagt, wohin ich muss, und nebenbei auf mein Fahrrad aufpasst. Für Sambia bekomme ich nur sieben Tage Visum – dafür kostenlos. Ich will sowieso nur eine Nacht bleiben.
Mein Fixer verrät mir auch noch den Kurs, den ich beim Tauschen von tansanischen Schilling in sambisches Geld erreichen kann. Leider will er als Entlohnung keine Dollar, sondern nur sambisches Geld – für ihn ist mein gesammeltes Kleingeld ungünstiger.
Im Schlamm bekomme ich schon mal einen Vorgeschmack auf die Strecke von morgen. Das anvisierte Hotel ist zunächst nicht zu finden. Das erste nette Haus ist schon voll, sie schicken mich zu einem anderen.
Das war mal eine sehr schöne Hotelanlage – lange her. Heute regnet es ins Bad, das Wlan funktioniert auch nicht. Anlass genug für einen kleinen Abendspaziergang. Im Laden von Monika kommt der Geldwechsler persönlich für mich vorbei. So kann ich mir noch ein Bier kaufen und frisch gebackene Beignets – sie werden hier üblicherweise hygienisch mit einer Fahrradspeiche gereicht. Und zum ersten Mal seit Burundi gibt es Joghurt. Zammilk macht's möglich. Von nun an gibt es wieder Plastiktüten – in Ruanda, Burundi und Tansania wirkt das Plastiktütenverbot recht gut. Erste Produkte aus Südafrika tauchen auf, darunter Castel-Bier. Der Dreamz Pub wirbt mit Che Guevara. Der besuchte Sambia im Rahmen seiner Afrikareise 1965, um revolutionäre Bewegungen zu unterstützen und wird auch heute noch als Symbol des Kampfes gegen den Kolonialismus verehrt.


Verkäuferin sitzt in einem kleinen Laden hinter einem Tresen, umgeben von Regalen mit Lebensmitteln und großen Bonbongläsern, und hält ein Mobiltelefon in der Hand.
Monica

Dreamz in Zambia
Che Guevara in Sambia


Zwei stark beladene Lastenfahrräder stehen auf einer breiten roten Sandstraße, umgeben von grüner Landschaft. Die schlechteste Straße Afrikas und ein schlafender Grenzbeamter
Freitag, 19. Dezember 2025: Nakonde - Kanyala - Grenze Sambia/Malawi - Chitipa (89 km)

Hotelfrühstück gibt es erst um acht – nach tansanischer Zeit also neun Uhr. Das schenke ich mir und breche schon um halb sieben auf. Heute ist praktisch ausschließlich Piste angesagt: eine kleine Nebenverbindung rüber nach Malawi.
Der Anfang ist grauenhaft: Schlamm und Müll in Nakonde. Bei iOverlander wird die Piste so bewertet: 'You absolutely need high clearance for this road. It is not even a road – just the best of bad gaps you can avoid, all the way for 50 Kilometer. It took us 2.5 hours for these ones. It was dry season. I would not recommend attempting it in wet or rainy season. Best worst road encountered in Africa so far.' Und jetzt hat es gestern Abend und in der Nacht geregnet.
Aber auch heute geht es insgesamt gut von der Hand. Natürlich fährt man auf der Piste mehr mit dem Oberkörper, muss sich ständig konzentrieren, die Abfahrten belasten Bremsen und Handgelenke, oft muss ich schieben – und ständig Ausschau halten nach dem besten oder zumindest am wenigsten schlechten Weg, dazu der Gegenverkehr aus Motorrädern und Fahrrädern, bei denen man immer den Linksverkehr im Hinterkopf behalten muss.
Es gibt auch Passagen, die sich ganz gut fahren lassen. Ein Teil der Strecke verläuft direkt auf der Grenze zwischen Sambia und Malawi. Gleich zu Beginn gibt es sogar einen Zaun. Aus dem Häuschen daneben krabbelt erst ein Mann heraus, als ich laut eine Frau nach dem Weg frage. Er ist tatsächlich eine Art offizieller Beauftragter von Malawi – und schickt mich Richtung sambischem Grenzposten, der noch 26 Kilometer entfernt ist.


Rote Erde und ein frisch gepflügtes Feld neben einer grünen Wiese, im Hintergrund ein einzelner Baum, verstreute Lehmhäuser und hügelige Landschaft unter wolkigem Himmel; vorne eine kleine braune Pfütze.
Grenzgebiet: Blick auf malawische Berge

Am Rand eines kleinen Flusses mit Felsen und dichter Vegetation
Brücken-Blick


Malawi


Unbefestigte, schlammige Straße mit großen Wasserpfützen, die den Himmel widerspiegeln, flankiert von Bäumen unter dramatischen Wolken. Bei der sambischen Ausreise habe ich eine einmalige Gelegenheit: Das eigentliche Grenzbüro ist völlig verwaist, der Stempel liegt offen herum – ich könnte mir einfach die Ausreisebestätigung in den Pass stempeln. Doch ich versuche zunächst mein Glück auf der anderen Seite, dem sogenannten Grenzcompound. Dort wecke ich mühsam den einzigen Grenzbeamten weit und breit. Er begleitet mich rüber, und ruckzuck bekomme ich meinen Stempel.
An dieser Stelle ist die Piste zu Ende. Es folgen rund fünf Kilometer Asphalt bis zur Malawi-Immigration – Google Maps kennt diese Strecke gar nicht.
Ich werde sehr nett in Malawi vom Grenzbeamten willkommen geheißen, bekomme meine 30 Tage eingestempelt und finde ganz in der Nähe noch ein ganz einfaches, aber sehr nettes Hotel – während gerade der übliche Nachmittagsregen einsetzt.
Als ich abends eine neue SIM-Karte kaufen will, fehlt mir zunächst der Pass. Anfängerfehler. Als ich ihn aus dem Hotel geholt habe, meint die Fachfrau, sie könne sowieso nur mit einer ID-Karte etwas anfangen – also kann ich nochmals 0,25 Euro für ihre ID zahlen.


Grenzstation-Schild der Republik Sambia am Straßenrand
Schon wieder an einer Grenze


Mann fährt einen einfachen Holzkarren, der von zwei Rindern auf einer Landstraße gezogen wird, mit grüner Landschaft und Bergen im Hintergrund. Rekordtag am Malawisee
Samstag, 20. Dezember 2025: Chitipa - Karonga - Chilumba (170 km)

Eigentlich geht es heute hinunter zum Malawisee, der auf etwa 475 Metern Meereshöhe liegt – der vorerst tiefste Punkt der Tour. Die Nebelschwaden hängen an den Bergen. Es geht ein bisschen auf und ab. Als die von Google berechneten 444 Höhenmeter bewältigt sind, kommt noch einmal die Hälfte drauf. So bin ich zwar nach knapp 100 Kilometern noch vor 12 Uhr in Karonga – aber ein bisschen fertiger als geplant.
Nun also die Uferstraße. Vom See bekommt man lange nichts zu sehen. Große Lücken im Asphalt gibt es, die aber die Autofahrer mehr stören als mich.


Weitläufige Hügellandschaft mit Wald und offenen Flächen
Runter durch die Berge...

Trockengestelle und kleine Gebäude am Seeufer mit Booten im Hintergrund
...zum Malawisee


Drei Personen posieren mit ihren bepackten Fahrrädern auf einer Landstraße. Dann komme ich durch ein Fischerdorf. Auf breiten Holzstegen werden Fische getrocknet. Kurz darauf die ersten Radler auf meiner Tour: Nach 1500 Kilometern kommen mir Lotte und Thibaut aus Brüssel entgegen. Sie sind standesgemäß am Kap gestartet und wollen nach Kigali – allerdings mit dem Zug über Daressalam. Alle, die sie bisher getroffen habe und sie selbst hatten viele Platten. Ich immer noch keinen einzigen. Netterweise wollen sie mich in eine WhatsApp-Gruppe der Kairo-Kapstadt-Radler aufnehmen.
Für eine Unterkunft am See muss ich dann doch noch bis nach Chilumba fahren. Nach 170 Kilometern erreiche ich den Thunduzi Beach and Campsite. Es gibt ein paar neuere Betonhütten, von denen ich eine buche – direkt am Strand des Malawisees. Ein Traum. Deutlich wärmer ist es hier unten am See. Bier gibt es auch. Nur als die Sonne untergeht, melden sich die Mücken. Man soll hier schwimmen können, aber die Angst vor Bilharziose hält mich zurück.


Person steht am Strand neben einem kleinen Holzboot und blickt aufs Wasser
Einbaum


Frühstückstablett mit Toast, Pommes, Eiern und Wurst sowie einer Thermoskanne, Tasse und Flasche Milch auf einer Veranda mit Blick auf einen Sandstrand und ein Gewässer. Bananenfütterung für Schimpansen am Pass und Gastfreundschaft bei Alicks Eltern
Sonntag, 21. Dezember 2025: Chilumba- Chiweta Hills (1120 m) - Mzokoto (81 km)

Nach dem Rekordtag gestern lasse ich es heute Morgen langsam angehen. Es regnet auch ein bisschen. Pünktlich um 7 Uhr steht das Frühstück vor dem Fenster – mit Blick auf den See. Anschließend darf ich mich noch ins Gästebuch eintragen.
Der Rest des Tages ist trocken. Ich könnte hinauf radeln auf das Plateau von Livingstonia – eine berühmte medizinische Missionsstation. Aber die Qualität des Weges ist fraglich.
Hinauf muss ich sowieso. Die M1 zweigt vom Seeufer ab. Auf elf Kilometern geht es 600 Meter in die Höhe – in der Mittagshitze. Ich brauche drei Stunden. Immer wieder mache ich lange Pausen. Ich zerfließe in der Hitze.
Während ich trinke, verliere ich gefühlt gleichzeitig mehr Flüssigkeit, als ich aufnehme. Die Strecke war einmal asphaltiert – davon ist nicht viel übrig. Mit Unterstützung der EU, so ist auf einem Plakat zu lesen, soll es nun einen neuen Anlauf geben.
Unterhaltsam sind die Schimpansen am Straßenrand. An einer Stelle werden sie aus Autos und Taxis heraus mit Bananen gefüttert.


Drei Affen sitzen auf einem Weg im Wald
Affenhygiene

Weite grüne Ebene mit grasenden Tieren vor einer Hügelkette, an der ein schmaler Wasserfall herabfließt, unter bewölktem Himmel.
Waterfall in the distance

Pavian läuft über eine helle Betonfläche, Schwanz nach oben gebogen.
Querverkehr


Weite grüne Hügellandschaft mit verstreuten Häusern, einem Fluss im Vordergrund und blauem Himmel mit Wolken. Hinter der Passhöhe geht es bergab. Es wird zu heiß für die Felgen. Also schiebe ich auch bergab. Dann bin ich in einem Hochtal, dem Fluss folgend geht es nun gemächlich aufwärts.
Hier und da wird an der Verbreiterung und Neuasphaltierung der Straße gearbeitet. Ausgerechnet an einem Nadelöhr haben sich mehrere LKW quergestellt – nichts geht mehr. Außer mit dem Fahrrad.
Bei iOverlander habe ich eine Notiz zu einem sehr einfachen Hotel gefunden. Das Zimmer soll einen halben Dollar kosten. Ich verpasse es. Frage Passanten nach Alternativen. Alick lebt in Südafrika und ist gerade zu Besuch bei seinen Eltern – ich fahre ihm mit dem Fahrrad hinterher. Die Eltern sind 70 und 65 Jahre alt, rundherum jede Menge Nachwuchs. Ich werde sehr nett aufgenommen und bekomme sogar ein eigenes Bett.


Klohäuschen und Bäume in Malawi
Klohäuschen meiner Gastgeberfamilie


Drei Menschen posieren eng nebeneinander vor einer blau gestrichenen Hauswand, einer hält ein Smartphone Nicht fit
Montag, 22. Dezember 2025: Mzokoto - Mzuzu (87 km)

Ich schlafe – in wessen Bett auch immer – jedenfalls hervorragend. Sogar mein Moskitonetz kann ich gut am Fenster anbringen. Um 6 Uhr klingelt vereinbarungsgemäß der Wecker, und kurz darauf bin ich - nach einem Abschiedsselfie - unterwegs. Frühstück ist hier anscheinend kein Thema. Alick hat mir erklärt, jedes der vielen Kinder esse immer dann eine Mango, wenn es Hunger habe – und hole sie sich dann einfach vom Baum.
Alick bringt heute seinen Vater zur Klinik nach Mzuzu, genau in meine Richtung. Der Vater soll einen Zahn gezogen bekommen – Kostenpunkt: zehn Euro. Wider Erwarten bemerke ich nicht, dass sie mich überholen.


CCAP Ekwendeni congregation - Main Church: Backsteinkirche mit Turm; davor steht eine Person mit Fahrrad und schaut zur Kirche
Alte Kirche von Ekwendeni


Ländliche Szenerie mit Felsenhügel, ein paar einfachen Häusern und einem großen Schild, das gegen gleichgeschlechtliche Ehe mit einem Bibelzitat protestiert. Schon nach wenigen Metern ist die Strecke neu asphaltiert. Dazu noch Rückenwind. Der erwartete Anstieg kommt erst kurz vor Mzuzu.
Schon um zehn Uhr, nach 60 Kilometern, kehre ich ein. Reis und Bohnen sind halbwegs gar. Aber irgendwie bin ich heute nicht ganz fit.
Dank der längeren Pause entdecke ich im Reiseführer noch eine schottische Kirche von 1831 am Wegesrand. Durch Nachfragen finde ich sie in Ekwendeni mit einem kleinen Schlenker. Durch eine Lücke in der Verglasung schaue ich von außen hinein: ein klassischer Kirchenbau des 19. Jahrhunderts wie in Europa.
Ein paar Meter weiter meine zweite Radbegegnung der Tour: Ein älteres Paar ist sechs Wochen in Malawi unterwegs. Sie haben noch ein paar gute Tipps, aber mir geht es heute nicht so richtig gut. So schleppe ich mich die letzten Meter die Anhöhe hinauf nach Mzuzu – einer großen Stadt mit massig Verkehr. Ich gehe noch kurz in den ersten Supermarkt der Tour: eine Superette.
Noch eine lange Pause. Und obwohl es jetzt eigentlich hinunter zum Malawisee gehen würde, kehre ich am Ortsausgang in eine Lodge ein. Lange Mittagsruhe – und ich fühle mich wieder etwas fitter. Hotelchef Tim ist supernett und kocht phantastisch.


Weite, grüne Hügel mit dichter Vegetation und einigen Nebelschwaden in der Ferne.
Banaenstauden über den Wolken

Frühstücksteller mit zwei Scheiben Toast und Spiegeleiern, dazu frittierte Stückchen, eine Schale mit Tomatensauce und eine Tasse Kaffee auf einem Tablett.
Frühstück


Großes Straßenschild im Grünen mit der Aufschrift 'BREAKING NEWS: JESUS IS COMING SOON! REVELATION 22:7–22:12'. Vorweihnachtliche Gefühle: Mit top speed zurück zum Malawisee
Dienstag, 23. Dezember 2025: Mzuzu - Chintheche - Kamphambale - Ngala ( 153 km)

Es gibt Reibekuchen zum Frühstück, weil irgendjemand meinem Gastgeber Tim erzählt hat, Deutsche würden das frühstücken. Wie das Abendessen gestern mit viel Liebe gemacht. Ich habe auch Zeit, denn es regnet. Um 9 Uhr lässt er nach, und ich bin wieder voll fit.
Schon nach wenigen Metern begrüßt mich das Motto des Tages am Straßenrand: 'Breaking News: Jesus is Coming Soon.' Wann passt das besser als am 23. Dezember?
Durch eine wunderbare Berglandschaft geht es wieder hinunter zum See. Deutlich schneller als jemals zuvor auf der Tour – immer wieder mit über 60 Stundenkilometern, max. speed 68 km/h. Offenbar nicht nur entsprechendes Gefälle und sehr glatten Asphalt voraus, sondern auch den richtigen Reifendruck und vor allem die Geradlinigkeit der Räder: Die Speichen müssen relativ perfekt sitzen.


Zwei Personen stehen eng nebeneinander im Grünen
Aida und Rose

Mann sitzt am Boden in einer Baumplantage und formt kugelförmige Objekte; mehrere fertige Kugeln liegen auf einer Decke vor ihm.
Kautschuk-Verarbeitung

Person in farbigem Kleid steht auf einem Weg in ländlicher Umgebung und schaut zur Kamera
Lucy


Sandiger See- oder Meeresstrand mit angedocktem Holzboot, Treibholz und vereinzelten Büschen am Ufer. Am See selbst ist es anfangs noch ein bisschen hügelig. Es geht durch Kautschukplantagen. Jungs bieten am Straßenrand selbst gemachte Gummibälle an.
In der Mittagshitze haben sich die Wolken verzogen. Ich bin froh über eine nette Pause in einem Restaurant in Chintheche. Anders als gewohnt darf ich nicht in der Küche aus den Töpfen wählen – stattdessen werden mir zwei verschiedene Fischsorten und Hühnchen zur Auswahl auf einem Teller gezeigt.
Mit Lucy komme ich am Straßenrand ins Gespräch, als ich sie bitte, ein Video von meiner Fahrt aufzunehmen. Als ich mich nochmals mit Sonnenschutz eincreme, spreche ich mit Aida und Rose. Lange komme ich gut voran und kann die kürzeren Strecken der letzten beiden Tage gutmachen. Doch dann ballen sich wieder Wolken an den Bergen, und es regnet. Ich stelle mich unter, muss aber schließlich doch noch eine Stunde durch den Regen fahren.
Die Ngala Beach Lodge ist laut Google Maps eine verheißungsvolle Adresse. Die letzten Meter zum Strand sind allerdings rumpeliger Schlamm. Richtig geöffnet hat die Lodge nicht, aber ein Radler aus Südafrika – Paul – hat schon ein provisorisches Quartier in einer leerstehenden Baracke bekommen. Er hat sein Zelt im Trockenen aufgebaut. Ich kann meinen Schlafsack auf einer Matratze ausrollen. Vorweihnachtliche Gefühle: Wir fanden keine richtige Herberge – aber irgendwie hatten wir trotzdem wahnsinniges Glück.


Ruhiger Sandstrand mit zwei leeren Holzliegen unter einem Sonnenschirm, Blick auf stilles Wasser und sanften Sonnenuntergang.
Sonnenaufgang am See

Zwei Radreisende mit bepacktem Fahrrad posieren im Garten vor einem einfachen Haus mit Blechdach.
Paul startet


Frau läuft über einen Feldweg und balanciert ein großes Bündel trockener Äste auf dem Kopf, in der Hand einen blauen Plastikbehälter, umgeben von hügeliger, grüner Landschaft. Malawi Got Talent und die Weltwärts-Volontäre
Mittwoch, Heiligabend, 24. Dezember 2025: Ngala - Nkhotakota - Benga (131 km)

Paul startet wie geplant kurz nach sechs, ich eine Stunde später. Schade, dass ausgerechnet über Weihnachten in der Lodge die Regenzeit-Grundsanierung ansteht. Es ist ein traumhafter Platz am See.
Heute Morgen ist es trocken, und ich habe wieder den Wind im Rücken. Trotzdem komme ich nicht so gut voran wie gestern. Die Straße ist schlecht oder ganz schlecht – manche Passagen werden gerade saniert, was bedeutet, dass der Asphalt teilweise komplett abgetragen ist.
An einer Stelle ist guter Asphalt - ist stürze trotzdem. Zum ersten Mal auf dieser Tour: Beim Fotografieren gerate ich auf die Gegenfahrbahn, hier brettert ein Moped heran. Der Fahrer besteht auf Linksverkehr, ich hatte auf mehr Flexibilität bei ihm gehofft. Ich stürze, er fährt unbeeindruckt weiter.
Salima wäre das ideale Tagesziel, liegt aber einfach zu weit entfernt, und davor gibt es eine lange Strecke auf der Karte ohne Unterkunft.


Eine kleine Moschee mit dekorativer Fassade steht inmitten grüner Wiesen und Bäume in Augustino.
Moschee von Augustino

Person paddelt in einem kleinen Einbaumboot auf rötlichem Fluss
Im Einbaum


Ein Zeltplatz, auf dem Kleidung über ein abgestelltes Fahrrad und kleine Bäume gehängt wurde. Ich setze auf Risiko und steuere die katholische Kirche von Benga an. Ein Volltreffer: Eine moderne Kirche, eine riesige Anlage, ein junger dynamischer Pfarrer, viele Mitarbeitende – und einige Unterkünfte. Auf dem ganzen Gelände wird der Heiligabend vorbereitet. Ich bekomme eine zeltartige Hütte als Unterkunft. Grandios. Die Brüder der 'Missionsgemeinschaft des Heiligen Apostels Paulus' betreiben das Ganze.
Beim Weihnachtsgottesdienst tauchen noch drei junge deutsche Weltwärts-Volontäre auf. Michel arbeitet hier mit, Lele und Luca sind zu Gast. Im Weihnachtsgottesdienst werden viele Mädchen und Jungen getauft und gehen zur ersten Kommunion – wie sich später herausstellt, Kinder unverheirateter Paare, denen die Babytaufe verweigert wurde. Eine pastorale Strategie um Teenieschwangerschaften entgegen zu wirken. Es wird deutlich mehr gekniet als bei uns, der Friedensgruß fällt dürftig aus.
Nach gut drei Stunden Gottesdienst beginnt das Fest der Gemeinschaft. Ordensschwestern aus Sri Lanka gehören dazu, und viele Gäste aus ganz Afrika. Ein tolles Festessen und danach ein Programm, das in afrikanischen Tänzen gipfelt. Als Supertänzer erweist sich der leitende Priester Steven. Er kommentiert anschließend die musikalischen Darbietungen der jungen Leute mit: 'Malawi Got Talent.'


Kirche von Benga: Buntes Kirchenfenster mit der Darstellung von Märtyrern mit Heiligenscheinen, die von stilisierten Flammen umgeben sind, darunter die Beschriftung 'Uganda Martyrs'.
Märtyrer in Uganda

Menschen versammeln sich in einer Kirche für eine Zeremonie; Priester steht vorne am Altar
Verehrung des Krippenkinds


Ein Waschbecken ist an einer Backsteinwand im Außenbereich montiert; im Spiegel ist eine Person mit Radkleidung zu sehen. Weihnachtsvergnügen
Donnerstag, Erster Weihnachtstag, 25. Dezember 2025: Benga - Salima - Mua Mission (118 km)

Heute Morgen mal wieder Regen. Im Regen der letzten Tage bin ich immer wieder an Kirchen der 'Living Waters Church' vorbeigekommen. Schien sehr passend. Nach meinem persönlichen Weihnachtsfrühstück in meinem Betonzelt mit den letzten mitgebrachten Weihnachtsplätzchen werde ich später noch zum einfachen Frühstück der angehenden Theologiestudenten eingeladen – sie wohnen nämlich in den Zelten neben mir. Dann müssen sie zur Morgenmesse, und der Regen hat nachgelassen.
Nach ein paar Kilometern mühseliger, schlammiger Rumpelpiste plötzlich feinster Asphalt. Unerklärlichverweise endet der dann irgendwann wieder. Es folgt: Schlammpiste mit Wellblech.
Mittagspause in Salima. Die Stadt bietet einige Restaurants und vor allem jede Menge Lodges, wobei die schönen Lodges in einiger Entfernung am See liegen. Dafür habe ich leider keine Zeit.


Ein Fahrrad, das eine große, voluminöse Ladung leerer Plastikflaschen auf dem Gepäckträger transportiert.
Life in plastic, it's fantastic!


Großer Baum an einer Straße bei bewölktem Himmel Jetzt geht es munter auf der M5 voran: recht grober Asphalt, wenig Verkehr, Rückenwind und so gut wie keine Höhenmeter.
Den nachmittäglichen Schauer sitze ich in einer kleinen Verkaufsbude aus. Danach Fahrt im leichten Regen.
Bei der Mua Mission will ich Station machen – ursprünglich eine Gründung der Weißen Väter, bald ergänzt um eine Leprastation, später weiterentwickelt zu einem malawisch-künstlerischen Ensemble.
Für Museum und Ausstellung ist heute Nachmittag keine Zeit mehr. Der Museumsleiter persönlich – ein Ire – vermittelt mir ein Zimmer in einer der beiden dazugehörigen Edel-Lodges. Ganz in der Nähe werfen sich Jugendliche begeistert in die breiten Fluten des Bachs. Vielleicht ein Weihnachtsvergnügen.


Monumentale Skulpturengruppe vor einer Backsteinkapelle: kniende und stehende Figuren in traditioneller Kleidung, eine trägt einen Korb auf dem Kopf, umgeben von gepflegten Beeten.
Mua Mission

Zwei Menschen kämpfen sich durch einen reißenden, schlammigen Fluss, während das Wasser heftig um sie herum spritzt.
Weihnachtsbad im Fluss

Kircheninnenraum mit Altar und Weihnachtsdekoration
Leerer Gottesdienst

Krippe: Gruppe geschnitzter Holzfiguren, die im Kreis um eine kleinere Figur stehen, dramatisch in grünem Licht und von einer Lichterkette beleuchtet.
Krippe mit wechselnder Beleuchtung


Künstlerische Statue einer hochgewachsenen Figur mit Kind auf dem Rücken, beide mit strukturierter Oberfläche, unter einem runden Dach aus Holz und Stroh. Gloria auf Chichewa: Raus aus dem Regen
Freitag, Zweiter Weihnachtstag, 26. Dezember 2025: Mua Mission - Chingeni (91 km)

Allein der Spaziergang von meiner Luxus-Lodge zur Frühmesse über die Wege am Rande der Missionsstation ist ein Traum. Um 6 Uhr haben sich etwa 20 Menschen in der großen Kirche versammelt. Zwei Weiße Väter – einer schwarz, einer weiß – konzelebrieren. Eher ein normaler Werktagsgottesdienst als ein Zweiter Weihnachtstag. Schöne ruhige Atmosphäre. Krönung: Als Schlusslied mein erstes traditionnelles Weihnachtslied in diesem Jahr: „Gloooooria!" – ganz sanft von 20 Stimmen auf Chichewa, wie der gesamte Gottesdienst.
Wahnsinn für mich: einfach mal ein echtes kleines Hotel-Frühstück. Mit Nescafé. Zwei Scheiben Toast, ein Mini Omelette. Danach Besuch im Museum der Missionsstation. Ich bekomme eine Führung – viel Interessantes über die beiden Stämme der Ngoni und Chewa. Außen am Museum: Fresken über die Geschichte Malawis, zurückreichend bis in die Vorgeschichte.
Ich bin noch keine zehn Kilometer weitergefahren und der Himmel schon trüb, als mir Manon und Lucas entgegenkommen. Das französische Paar ist dabei, einmal rund um Afrika zu radeln – und ist sozusagen auf dem Rückweg vom Kap.


Ein runder Backsteinbau mit reich verzierten Wandbildern, umgeben von üppiger Gartenanlage.
Museum von Mua Mission

Schwarz-weißes Gemälde eines afrikanischen Dorfes mit Rundhütten, mehreren Menschen und einem „Bicycle Repair“-Schild; im Vordergrund fährt eine Person mit Passagier auf dem Fahrrad.
Im Museum

Eine gemalte Figur steht im Wasser, umgeben von Schlangen und erhobenen Gegenständen, eingefasst von einem Backsteinbogen.
Geschitsdarstellung

Drei Reiseradler stehen mit bepackten Fahrrädern auf einer Landstraße, einer zeigt den Daumen hoch, im Hintergrund einfache Gebäude und viel Grün.
Mit Lucas & Manon


Gruppe von Kindern steht im Regen an einer Straße um einen jungen Mann und ein auf den Kopf gestelltes Fahrrad herum. Als ich wieder in die Pedale trete, ist die Luft raus: erster Platten nach mehr als 2000 Kilometern. Es bildet sich eine Traube von Kindern und Jugendlichen um meine Reparaturversuche herum. Ein Becher wird organisiert, damit ich das Loch finde. Wie schon letztes Jahr des öfteren in Westafrika hat auch diesmal ein kleiner Draht sich in den Mantel gefressen. Als alles fertig ist, spendiere ich eine Packung Plätzchen, die ich schon 2000 Kilometer durch die Gegend gefahren habe.
Der Rest ist Dauerregen – mal leicht, mal etwas weniger leicht. Es regnet sich schlicht ein. Und auch wenn Autofahrer die Strecke womöglich als flach empfinden, ich spüre in meinem Beinen, dass sie stetig ansteigt.
Pause bei einer Chips-Frittiererin. Ich warte einen heftigeren Regenschauer ab, muss aber irgendwann einfach weiter. Zuletzt wird es sogar wieder ein bisschen hügelig – es geht aus dem Tal des Malawisees heraus.
An der Kreuzung von Chingeni könnte ich noch neun Kilometer abseits meiner Strecke bis nach Balaka radeln. Aber das Gateway-Restaurant hat inzwischen eine Executive Lodge – über die ich überglücklich bin. Raus aus dem Regen.


Eine Person frittiert Lebensmittel in einer großen Pfanne an einem einfachen Stand aus Holz und Metall; mehrere Menschen sitzen im Hintergrund.
Typisches Streetfood


Zwei Frauen gehen auf einem Dorfweg zwischen grüner Vegetation; eine trägt einen hellgrünen Plastikeimer auf dem Kopf, beide haben Babys in bunten Tüchern auf dem Rücken. Der festgerutschte LKW und ein Horrorfund
Samstag, 27. Dezember 2025: Chingeni - Zalewa - Mwanza (113 km)

Tatsächlich gibt es um 6 Uhr Frühstück im Restaurant, das zur Lodge gehört. Und Sonne – sie scheint über der nun wieder bergiger werdenden Strecke. Begleitet von Baobab-Bäumen, die hier im Gegensatz zum Senegal begrünt sind und von vielen anderen Bäumen und Pflanzen umgeben werden.
Bis Zalewa ist es relativ viel Verkehr. Am Ortsrand von Zalewa trennt sich der Verkehr – die Verbindung zur zweitgrößten Stadt Malawis, Blantyre, zweigt ab. Halbzeit für mich. Wenige Meter vorher ereilt mich doch noch auf offener Strecke ein kräftiger Schauer. Diesmal bekomme ich das volle Programm ab, vor allem die Schuhe.
Vor meinem Mittagsrestaurant verkaufen Frauen Mangos. Sobald ich zu erkennen gebe, dass ich potentieller Käufer bin, stürzen zehn Frauen mit jeweils etwa zehn Mangos in einer Schale aufgetürmt auf mich zu. Meine Entscheidung wird dadurch erleichtert, dass nur eine Frau etwas weichere Mangos hat – zum gleichen Preis. Ich zahle und erwerbe damit überraschenderweise alle zehn. Das kann ich noch rückgängig machen. Die eine Mango, die ich auswähle, schmeckt als Vorspeise vorzüglich.


Hügelige grüne Landschaft mit kleinem Haus und Straße
Zurück in die Berge


Arbeiter in Warnweste sitzt am Straßenrand einer Landstraße, während Bagger und LKW an einer schlammigen Baustelle nebenan arbeiten; Fahrzeugschlange im Hintergrund. Der Regen hält sich nun vorerst in ziemlich engen Grenzen. Die Strecke ist viel leerer, es geht immer leicht auf und ab.
Megastau an einer Baustelle: Im Schlamm der provisorischen Ersatzstrecke hat sich ein LKW festgerutscht. Um möglichst schnell weiterzukommen, muss ich selber durch den Schlamm – rund um LKW und Abschleppraupe.
Ich bin schon fast am Hotel, als mich im Zielort Mwanza der Nachmittags-Regenschauer lahmlegt. Eigentlich könnte ich jetzt noch gut über die nahe gelegene Grenze nach Mosambik fahren. Nur gibt es auf der anderen Seite laut Karte und Recherche keine vernünftigen Unterkünfte.
Der Haupteingang zum besten Hotel am Platz hat eine Treppe und daneben eine Rampe – alles glatt und glitschig. Aber das Fahrrad soll ins Hotel. Einen Moment überlege ich, das Gepäck vorher abzunehmen. Aber ich bin zu müde. Fast habe ich das Fahrrad schon oben, da muss ich doch abbrechen und alles rutscht zurück. Das Fahrrad fällt auf die Seite. Nun eilt die Dame von der Rezeption herbei – zu spät. Jetzt nehme ich doch Tasche für Tasche ab. Dabei der Horrorfund: Der Griff der Hinterradbremse ist abgebrochen. Reparatur oder Ersatz vorerst unmöglich. Die Bremse funktionierte sowieso nicht mehr allzu gut seit den ersten Tagen – nun bin ich vollständig auf die Vorderradbremse angewiesen.


Abgebrochener Bremshebel vom Fahrrad
Bremshebel auf dem Bett

Leere Landstraße schlängelt sich durch grüne Hügellandschaft unter dicht bewölktem Himmel.
Richtung Grenze unterwegs


Radfahrer mit Gepäck auf einem einsamen Asphaltstraßenabschnitt, der an grünen Hügeln und Felsen vorbeiführt, unter bewölktem Himmel. Grenz-Theater und Konsumschock am Sambesi
Sonntag, 28. Dezember 2025: Mwanza - Grenze Malawi/Mosambik - Zobue - Tete (134 km)

Man hatte mir gegenüber freiwillig behauptet, ab sechs Uhr gebe es Frühstück. Um 6:45 Uhr kommt schließlich als letztes der wenigen Komponenten ein kleines Töpfchen Marmelade. Aber meine Wäsche, die ich erstmals einem Hotel auf der Tour anvertraut habe, ist recht sauber geworden – vor allem stinkt sie nicht mehr. Trocken ist sie natürlich nicht, dafür ist die Luftfeuchtigkeit schlicht zu hoch. Mein tägliches Problem.
Nach drei Kilometern kommt die Ausreise aus Malawi. Für die Einreise nach Mosambik benötigt man angeblich mosambikanisches Geld, weswegen man - wie ich meine gelesen zu haben - hier tauschen solle: das endet in einem Kursfiasko für mich.
Bis zur eigentlichen Grenze sind es noch fünf wunderschöne Kilometer bergauf mit 150 Höhenmetern. An der Grenze selbst wird der Pass symbolisch von Mosambik kontrolliert; die eigentliche Einreise kommt erst ein Kilometer weiter.
Für die Einreise nach Mosambik braucht man eine Hotelbuchung. Wie vermutlich allgemein üblich habe ich also pro forma eine Übernachtung gebucht und sofort wieder storniert. Nun wollen sie hier einen Ausdruck der Buchung – die habe ich aber nur elektronisch. Das wird abfotografiert. Dann dauert es ewig, während schwarze Reisende ihre Einreisestempel reihenweise ohne jede weitere Bedingung erhalten.
Ich bekomme mit der (Warte-)Zeit Angst, dass die stornierte Buchung per Anruf überprüft wird. Der Beamte siniert sehr lange über das Foto auf meinem Handy. Dann scheucht er mich raus zu meinem Fahrrad. Ich warte wieder ziemlich lange. Nebenan erhält der Grenzer das eine oder andere Bakschisch für den kleinen Dienstweg. Dann werde ich wieder hereingerufen und bekomme eine Extra-Sitzung mit einer jungen Dame, die alle möglichen Formalia aufnimmt – das stimmt mich optimistisch. Noch optimistischer, als ich schließlich um zehn Dollar gebeten werde. Dann bin ich endlich wieder vorne in der regulären Schlange; auch dort wird der Pass noch einmal gescannt und ein Foto von mir gemacht – während draußen der anfängliche Hotelbuchungs-Prüfer auf mein Fahrrad aufpasst. Unnötigerweise wahrscheinlich. Das Fahrrad ist mit der trocknenden Wäsche aus der Handwäscherei des Hotels dekoriert – und wurde vom Grenzer auch offiziell fotografiert.


Mosambik


Grenzstation mit Schild 'CUSTOMS', Menschen stehen und warten vor dem Gebäude, ein Reisebus parkt daneben.
Grenzstation von Mosambik

Radelnd über Sambesi-Brücke
Crossing the River Zambezi


Hängebrücke über einen breiten Fluss, eingerahmt von Bäumen Endlich der Stempel. So spannend ist es lange nicht mehr an einer Grenze gewesen.
Die Grenze liegt mit 900 Metern auf dem höchsten Punkt des Tages. Tete, das Tagesziel, liegt auf 150 Meter am Sambesi. Trotzdem geht es munter auf und ab – mal wieder mehr Höhenmeter als von Google Maps versprochen.
Obwohl Mosambik einst portugiesische Kolonie war, gilt auch hier Linksverkehr. Es ist zwar nicht viel Verkehr, aber vor allem begleiten mich viele lange LKW (viel Kohle wird hier abgebaut) und mehr oder weniger luxuriös wirkende Reisebusse – die eigenartigerweise meistens einen großen Anhänger haben - durch den 'Tete-Korridor' von Malawi nach Simbabwe. Zum Teil haben sie südafrikanische Kennzeichen. Für meinen Geschmack fahren viele etwas zu knapp an mir vorbei.
Erst gegen Ende läuft es locker. Und dann: die große Brücke über den Sambesi – nach Nil, Kongo und Niger der viertlängste Fluss Afrikas. Wirklich riesig breit hier. Aber vor allem ist Tete für mich nun eine andere Welt: große Geschäfte, Malls – wenn auch heute am Sonntag geschlossen –, Cafés, Bürgersteige, Konsumschock. Eine völlig andere Welt, aus der ich drei Wochen lang weg war.
Wunderschöner Abend in einem Restaurant am Sambesiufer. Trotz begrenztem Bierkonsum stürze ich beim Verlassen eines Restaurants. Die Folge: Bluterguss an Bein und Arm, Schürfwunde am Ellenbogen. Alles rechts. Alles harmlos.


Bunte Wandmalerei an einem Sportplatz zeigt stilisierte Figuren beim Fußball- und Handballspiel, umgeben von Herzen und Symbolen auf einer weiß‑schwarz‑roten Fläche.
Tete: Frauensport

Glas mit frisch gezapftem Bier und eine Flasche Impala auf einem Holztisch in einer offenen Bar bei Abenddämmerung, bunte Lichter im Hintergrund.
Impala-Bier am Sambesi

Matcha: Ein Glas mit grünlich‑weißem Heißgetränk und Herzmuster im Schaum steht auf einem Holzbrett neben einem Löffel.
Erster (und letzter?) Matcha der Tour


Historische Steinmauern mit Blick auf eine Hängebrücke Hilfreicher Grenzbeamter am Tablet
Montag, 29. Dezember 2025: Tete - Grenze Mosambik/Simbabwe - Nyamapanda (146 km)

Shak's Café ist das schickste von allen. Laut Google Maps ist es ab 6 Uhr geöffnet – stimmt aber nicht. Um die Ecke hat das Café Zambezi schon auf, aber es dauert fast bis sieben Uhr, bis ich mein Frühstück habe. Der erste Cappuccino der Tour. Und zum Abschluss sogar Matcha-Tee. Unglaublich. Ich bin der einzige Gast, und das Team in der offenen Küche stimmt sich mit Liedern in den Tag ein.
Ich hatte also Zeit genug, Sehenswürdigkeiten von Tete zu recherchieren. Hier und da ist von alten portugiesischen Gebäuden die Rede, aber das gesamte Netz kennt kein Foto und Google Maps keine Location. Außer dem alten Fort unterhalb der Hängebrücke – das macht aber nicht allzu viel her.
Naturgemäß geht es heute vom Sambesi – auf 150 Metern – im Wesentlichen bergauf. Der Grenzübergang nach Simbabwe liegt auf über 600 Metern. Endlich mal wieder richtig Sonne. Aber so wird es auch der bisher heißeste Tag der Tour: Bis auf 40 °C steigt das Thermometer im Fahrtwind am Lenker. Rund sechs Liter trinke ich heute.
Anfangs überholen mich noch einige Kohle-LKW. Später wird der Verkehr weniger. Viele strohgedeckte Rundhütten sind zu sehen. An vielen Orten wird Holzkohle angeboten. Und wieder viele Baobab-Bäume. Die Landschaft wird schöner und schöner.


Mehrere Personen arbeiten an gestapelten Holzkohlesäcken auf einem offenen Lagerplatz
Holzkohle to go

Teller mit Ugali, Bohnen in Soße und gekochtem Blattgemüse auf einer blau‑weiß karierten Tischdecke
Vegetarisches Mittagessen


Simbabwe


Dorf mit traditionellen Rundhütten und einem großen Baobabbaum im Mittelpunkt, unter klarem blauen Himmel. Nach 95 Kilometern kommt der einzige größere Ort des Tages: Changara. Ich nutze ihn für eine ordentliche Mahlzeit. Hier gibt es auch Unterkünfte – aber wenn ich Silvester in Harare sein will, muss ich noch ein bisschen weiterfahren. Jetzt wird es auch kühler, und die letzten Kilometer in Mosambik sind halbwegs leicht zu bewältigen.
Die Ausreise aus Mosambik ist im Vergleich zur Einreise ein Kinderspiel – in wenigen Minuten erledigt. Auf simbabwischer Seite kommt (wegen Mpox) erst das übliche Fiebermessen. Das Visum gibt es für 30 Dollar an der Grenze.
Der Grenzer verweist mich auf ein Tablet, das etwas locker an der Wand hängt. Ich beginne mit dem Ausfüllen. Irgendwann komme ich auf eine falsche Taste – und alle Daten sind weg. Jetzt spüre ich die 145 Kilometer in den Knochen und die ganze Hitze. Da ich weit und breit der Einzige bin, der zu dieser späten Stunde noch ein Visum möchte, hilft mir der Grenzbeamte beim Ausfüllen. Das Tablet will alles wissen, was Beamten so einfällt. Insbesondere der Scan des Passes würde einen Großteil der Rubriken automatisch befüllen.
Der zweite Versuch gelingt – ich bin in Simbabwe. Laut iOverlander gibt es eine Unterkunft im ersten Supermarkt links. Tatsächlich: Geht man durch den Laden, landet man jenseits der Hintertür in einer Ansammlung sehr einfacher kleiner Zimmer. Immerhin passt das Fahrrad rein. Wie sich herausstellt, ist der US-Dollar das Zahlungsmittel der Wahl in Simbabwe. Im Handumdrehen bekomme ich damit auch eine SIM-Karte.


Ein Schalterraum mit vergittertem Fenster; daneben ein Tablet für eVisa.
Simbabwe: Tablet für E-Visum in der Grenzstation

Flasche Zambezi-Bier auf einem Tisch
Zambezi-Bier in Zimbabwe


Mann sitzt auf einem einfachen Holzkarren, der von zwei schwarzen Rindern über eine Landstraße durch grüne Landschaft gezogen wird. Felslandschaft im Osten Simbabwes
Dienstag, 30. Dezember 2025: Nyamapanda - Mutoko - Murehwa (146 km)

Heute ein ähnlicher Gewaltakt wie gestern: nur, damit ich an Silvester locker nach Harare komme. Wieder 146 Kilometer, diesmal ohne Grenzübergang, aber dafür mit mehr Höhenmetern. Die Anstiege sind flach, aber dafür häufiger und länger. Die Hauptstadt Simbabwes liegt auf 1500 Metern Höhe.


Ein offener Marktstand aus Holz mit vielen Tomaten, Mangos und weiteren Früchten unter einem einfachen Blätterdach.
Große Tomatenauswahl


Felsige Hügelkette mit gerundeten Granitkuppen über dichtem, grünem Wald unter blauem Himmel mit weißen Wolken. Bald komme ich in eine Felslandschaft der Eastern Highlands. Riesige Ungetüme zeichnen sich am Horizont ab, aber auch ringsum sind Felsen keine Mangelware. Alles rund geschliffen wie von einer Eiszeit.
Das Est92 Resort am Ortsrand von Murehwa oder Murewa ist genau die ruhige Oase, die mir vor der Millionenstadt Harare guttut.


Blick über eine Landstraße auf einen markanten, steilen Felsberg im Hintergrund, eingerahmt von zwei unscharfen Wasserflaschen im Vordergrund.
Felslandschaft


Lange Straße durch bewaldetes Hügelland mit Bergen im Hintergrund Silent Silvester in Simbabwe
Mittwoch, Silvester, 31. Dezember 2025: Murehwa - Harare (93 km)

Dank der Vorarbeit der letzten beiden Tage ist es heute trotz 800 Höhenmetern nur ein kleiner Ausflug in die Hauptstadt Simbabwes: Harare. Die Eastern Highlands glänzen noch einmal mit vielfältigen Felskombinationen.
Dann gibt es plötzlich große Felder mit Maisanbau und anderem Gemüse, die sich fast bis zum Horizont erstrecken. Ebenfalls noch nicht gesehen auf dieser Tour – möglicherweise koloniales Erbe.
Rund 20 Kilometer vor der Innenstadt wird die Fahrbahn etwas breiter und damit mein Sicherheitsabstand zu den Fahrzeugen etwas größer. Die ersten Villen tauchen auf – riesige Anlagen mit großen Parkwäldern.


Ein rustikaler Verkaufsstand mit vielen Wassermelonen und hängenden Bundkarotten unter einer blauen Plane.
Am Straßenrand


Person sitzt auf einer Bank neben einem Fahrrad in einem Park Am Stadtrand dann die ersten Malls. Ein richtiges Kentucky Fried Chicken. Mitten im Zentrum habe ich ein Hotel gebucht. Ich bin so froh über die tolle Lage, dass ich sogar das Warten auf das Beziehen des Zimmers geduldig ertrage. Endlich mal ein richtig tolles Hotelzimmer.
Vor allem ist die erste Hälfte meines Tourenplans voll aufgegangen: Silvester in Harare. Die ersten 2795 Kilometer der Tour – ungefähr die Strecke Paris–Moskau – liegen hinter mir. Und ein ganzes Tourenjahr 2025 mit 9904 Kilometern, angefangen an Neujahr in Liberia. Was für ein Jahr.
Endlich kann ich auch einen Dollar-ATM-Automaten anzapfen. Meine US-Währungsreserven sind sehr geschrumpft. Der Schreck: die 300 Dollar kommen in drei 100-Dollar-Scheinen aus dem Schlitz. Wie bekomme ich die klein? In der Regel werden überall nur 1-Dollar-Scheine akzeptiert.
Ich versuche es mit den Fast-Food-Restaurants. Mit Erfolg. Anstandslos akzeptiert man die großen Scheine und gibt mir kleinere heraus. Nachdem ich allerdings drei Wochen lang das Streetfood problemlos vertragen habe, wird mir schon nach ein bisschen Fastfood eher übel. Ich verkrümmel mich früh im Bett. Viel Silvester ist in Simbabwe sowieso nicht zu erwarten.


Moderne Stadtszene mit mehreren hohen Bürogebäuden; im Vordergrund ein Eingang mit markanter Metallkonstruktion.
Harare

Stadtstraße mit historischem Gebäude und Minibus im Vordergrund
Damals schon: Cycles & Accessories

Sonnig angestrahltes, ornamentiertes Gebäudedach in hellem Gelb mit dekorativen Formen und Reliefs vor blauem Himmel mit Wolken.
Letzter Sonnenuntergang des Jahres

Historisches Gebäude in einer Stadt bei Sonnenuntergang
Rathaus: Harare Town House

Eine städtische Szene mit modernen Hochhäusern und großen Werbebannern im warmen Licht der untergehenden Sonne.
Fußgängerüberwege


Teil 2: Januar 2026
Simbabwe, Botswana, Südafrika, Eswatini, Lesotho


Route Kigali - Sani Top - Durban


Rote Linie = Rad-Route; Blaue Linie = Taxi/Bus

Etappen Kigali - Durban (6.12.2025-23.1.2026)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als zum Download als Excel-Tabelle Excel-Logo

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 6.12.2025 Kigali Ruhanga Rwamagana 54
2. 7.12.2025 Rwamagana Grenze RWA/TZA Rusumo 111
3. 8.12.2025 Rusumo Kabanga (Grenze TZA/BUR) Muyinga 84
4. 9.12.2025 Muyinga Gitega 98
5. 10.12.2025 Gitega Rutana - Kayogoro - (60 km Taxi) - Grenze BUR/TZA Nyarubanda 106
6. 11.12.2025 Nyarubanda Kigoma - Ujiji Kigoma 95
7. 12.12.2025 Kigoma Uvinza 106
8. 13.12.2025 Uvinza Pass (1707 m) Mpandule 104
9. 14.12.2025 Mpandule Mpanda 94
10. 15.12.2025 Mpanda Sitalike - Katavi National Park (100 km Bus) - Lyazumbi Paramawe 47
11. 16.12.2025 Paramawe Namanyere Sumbawanga 116
12. 17.12.2025 Sumbawanga Laela 97
13. 18.12.2025 Laela Tunduma - Grenze TZA/ZAM Nakonde 131
14. 19.12.2025 Nakonde Kanyala - Grenze ZAM/MWI Chitipa 89
15. 20.12.2025 Chitipa Karonga Chilumba 170
16. 21.12.2025 Chilumba Chiweta Hills (1120 m) Mzokoto 81
17. 22.12.2025 Mzokoto Mzuzu 87
18. 23.12.2025 Mzuzu Chintheche - Kamphambale Ngala 153
19. 24.12.2025 Ngala Nkhotakota Benga 131
20. 25.12.2025 Benga Salima Mua Mission 118
21. 26.12.2025 Mua Mission Chingeni 91
22. 27.12.2025 Chingeni Zalewa Mwanza 113
23. 28.12.2025 Mwanza Grenze MWI/MOZ - Zobue Tete 134
24. 29.12.2025 Tete Grenze MOZ/ZIM Nyamapanda 146
25. 30.12.2025 Nyamapanda Mutoko Murehwa 146
26. 31.12.2025 Murehwa Harare 93
27. 1.1.2026 Harare
28. 2.1.2026 Harare Chegutu Kadoma 141
29. 3.1.2026 Kadoma Kwekwe Gweru 133
30. 4.1.2026 Gweru Bulawayo 169
31. 5.1.2026 Bulawayo Matobo National Park Maleme Dam Camp 70
32. 6.1.2026 Maleme Dam Camp Matobo National Park - Figtree Plumtree 122
33. 7.1.2026 Plumtree Grenze ZIM/BWA - Francistown Tati Siding 109
34. 8.1.2026 Tati Siding Serule Palapye 153
35. 9.1.2026 Palapye Martin‘s Drift - Grenze BOT/ZAF - Groblersbrug Marnitz 151
36. 10.1.2026 Marnitz Mokopane 157
37. 11.1.2026 Mokopane Roedtan - Marble Hall Groblersdal 132
38. 12.1.2026 Groblersdal Stoffberg eMakhazeni 109
39. 13.1.2026 eMakhazeni Carolina - Warburton eMbangweni 124
40. 14.1.2026 eMbangweni Grenze ZAF/SWZ - Mbabane - Lobamba Manzini 98
41. 15.1.2026 Manzini Siphofaneni Big Bend 80
42. 16.1.2026 Big Bend Lavumisa - Grenze SWZ/ZAF Mkuze 108
43. 17.1.2026 Mkuze Enqupheni 95
44. 18.1.2026 Enqupheni Mtunzini 88
45. 19.1.2026 Mtunzini Ballito La Mercy 106
46. 20.1.2026 Underberg Sani Lodge 20
47. 21.1.2026 Sani Lodge Sani Top (2873 m = Grenze ZAF/LSO/ZAF) - Sani Lodge Underberg 70
48. 22.1.2026 Underberg Ixopo - Highflats - Park Rynie Scottburgh 179
49. 23.1.2026 Scottburgh Durban La Mercy 101
Summe 5310

Ein bepacktes Fahrrad mit Wasserflaschen und Kleidung lehnt an einer Wand.
Grenzstation Mosambik: Rollender Wäscheständer


Anschluss Tour 97: Kigali - Nairobi (1136 km) Feb. 2019


Nächste Tour: Que Sera!

Vorherige Tour: Südkorea & Japan: Incheon - Fukuoka (1070 km) Sept./Okt. 2025


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