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Ruckzuck bin ich über die Grenze. Eswatini, bis 2018 Swasiland – der König hat es anlässlich der 50jährigen Unabhängigkeit einfach so bestimmt. Absolute Monarchie. Direkt hinter der Grenze ein Lebensmittelladen. Beim Frühstück ist die allerletzte Packung Weihnachtsplätzchen draufgegangen. Die Kassiererin sieht mir meine Kälte an und weist auf Tee und Kaffee in einem Nebenbereich hin. Ich ergatter heißen Kaffee und eine lauwarme Mahlzeit.
Hinter der Ladenzeile ist eine kleine Werkstatt. Given hat eine Zange und das richtige Feingefühl für meine Kette. Jetzt könnte sie wieder ein paar Hundert Kilometer halten.
Eine Premiere: Autobahn – zumindest ein Autobahnschild und getrennte Fahrbahnen führen direkt von der Grenze ins Landesinnere. Für mich sehr praktisch. Einen breiten Randstreifen gibt es auch. Es geht munter auf und ab. Eine Steigung spare ich mir, indem ich durch die Hauptstadt Mbabane radle. Der Reiseführer meint, diese Stadt habe keine Sehenswürdigkeiten außer der Landschaft drumherum – und die ist wirklich toll, fast alpin. Zwischenzeitlich haben sich die Wolken etwas höher etabliert.
Auch für Lobamba verlasse ich die Autobahn: Parlament, Nationalmuseum und Sportstadion liegen hier auf halber Strecke zwischen Hauptstadt und der größten Stadt: Manzini – ein paar Hundert Meter tiefer als die Hauptstadt, entsprechend auch ein paar Grad wärmer.
Dann platzt der Hinterreifen. Ein lauter Knall, und ich rolle auf der Felge. Zum Glück kann ich mich vor dem wieder stärker werdenden Regen in einen riesigen Unterstand retten. Zwei Stunden brauche ich für meine Reparaturversuche: Mantel und Schlauch haben einen Riss direkt an der Felge. Ich stelle mich schon auf einen möglichen Autotransport ein.
Mein Koga-Rad ist mit neuen Mänteln am Start. Als ich überlegte, ob die alten Mäntel die Afrika-Tour noch packen könnten, hab ich mal grob summiert, wie viele Kilometer die alten, die gar nicht so alt waren, runter hatten: Mindestens 15.000 Kilometer. Beim Neukauf leider Irrefühung durch Fahrrad Franz XXL in Mainz: Mit Wissen der Geschäftsleitung werden laut Mitarbeiter Preisschilder nur unvollständig aufgehängt. So wird der Eindruck erweckt, mein Mantel koste 22,99 Euro. Er kostet aber 33,99 Euro. Immer noch ein guter Preis. Warum zeichnet man das nicht entsprechend aus? Mir wird erklärt, es hänge im ersten Obergeschoss auf einem Monitor ein Hinweis, dass zur Zeit nicht alle Preisanzeigen richtig funktionierten. Bei der Gelegenheit erfahre ich überhaupt, dass die Preisanzeigen elektronisch sind. Sie erwecken den Eindruck einer klassischen Anzeige aus Papier. Der junge Mitarbeiter meint, der angezeigte Preis sei sowieso irrelevant, weil laut Gesetz nur der Preis an der Kasse kaufmännisch gesehen von Belang sei. Unbefriedigend.
Den Vorderreifen montiere ich nach hinten, den Riss im hinteren Mantel klebe ich von innen mit drei großen Flicken zu. Der geklebte Mantel kommt nach vorne, der Schlauch wird nur ein wenig aufgepumpt – und dennoch bläht sich gleich die geklebte Stelle. Wie viele Meter kann ich damit noch fahren? Ganz sanft setze ich wieder an. Ich versuche, möglichst viel Gewicht auf das Hinterrad zu verlagern, und fahre so langsam wie möglich, vor allem möglichst über keine Erhebungen oder Dellen. Es zieht sich, es regnet wieder – aber es hält. Und im Zielort finde ich tatsächlich einen neuen, passenden Mantel.
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