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VG WORTTour 137: Kigali - Durban (5.310 km)
Teil 2: 2026


Am Ziel: Durban
Am Ziel: Durban


Teil 1: Dezember 2025
Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Malawi, Mosambik, Simbabwe


Teil 2: Januar 2026
Simbabwe, Botswana, Südafrika, Eswatini, Lesotho


Simbabwe (Fortsetzung)


Innenraum einer großen Kirche während eines Gottesdienstes, Menschen stehen in den Bänken Ruhetag in der Hauptstadt – Inventur, Wäsche und Neujahrsmesse
Donnerstag, Neujahr, 1. Januar 2026: Harare

Schlafend gut ins neue Jahr gekommen. Der Neujahrsgottesdienst in der katholischen Kathedrale von Harare ist für 7 Uhr angekündigt – eine knappe halbe Stunde später geht es los. Mit Weihrauch. Hochfest der Gottesmutter Maria, 20 Minuten Predigt. Ein Erlebnis. Nach den Gottesdiensten von Ruanda bis Malawi auf Swahili und Chichewa ist hier alles auf Englisch – und sehr unterhaltsam.


Stadtpark mit Springbrunnen, Wegen, gepflegten Büschen und Hochhäusern im Hintergrund
Africa Unity Square in Harare

Stadtstraße mit Kirche aus Stein, modernen Gebäuden und gelbem Reisebus
Anglikanische Cathedral of St Mary and All Saints


Weißes historisches Gebäude mit dekorativer Fassade und Veranda in der Innenstadt Heute Pause. Allgemeine Inventur. Wäsche. Auch das ist anstrengend. Der Geldautomat hat mich mit weiteren 100-Dollar-Scheinen beglückt, die ich irgendwie kleinbekommen muss – zum Beispiel bei Hungry Lion. Ich unternehme nur einen kleinen Spaziergang in der Nachbarschaft. Zu einem weiteren Ausflug kann ich mich nicht aufraffen. Pausentag eben. Die nahe gelegene Nationalgalerie hat leider – wie manches Museum auf der Welt – am Neujahrstag geschlossen.


Steinskulptur einer stilisierten menschlichen Figur vor einem Gebäude mit Säulen
Vor der National Gallery of Zimbabwe


National Heroes' Acre: Monument mit obeliskartigem Turm auf Hügelspitze über einer grünen Landschaft Flaches Simbabwe und ein Interview mit der Militärpolizei
Freitag, 2. Januar 2026: Harare - Chegutu - Kadoma (141 km)

Der Start nach dem Ruhetag geht leicht von den Knochen. Es sind zwar abermals über 140 Kilometer, aber alles andere als ein Gewaltakt – denn es ist flach. Sehr flach. Sowas gab es zuvor nur gelegentlich am Malawisee. Und ein bisschen Rückenwind gibt es auch noch.
Nach ein paar Kilometern erhebt sich links am Horizont ein Kunstwerk nordkoreanischer Machart: der National Heroes Acre. Auch Robert Mugabe liegt dort begraben. Ich bin allerdings deutlich zu früh – erst um halb neun wird die Zufahrt von der Hauptstraße freigegeben. Genau dort entdecke ich das erste Radwegschild. Obwohl ich eindeutig nur das Schild fotografiere, bittet mich die Militärpolizei zu einem Interview. Der Militärpolizist möchte mir nicht seinen Ausweis zeigen, verweist auf seine Uniform – ich dagegen verweise auf die irgendwann untergehende Sonne und radle meines Weges.
Auch die Snake World und der Lion Park haben noch nicht geöffnet. Nach 50 Kilometern die erste Mautstation an der zweispurigen Straße, nach 60 Kilometer endet die Zweispurigkeit. Ein Randstreifen bleibt jedoch, was beim nachmittäglichen Verkehr sehr hilfreich ist. Es wird ein recht monotones Fahren. Mittags steht die Sonne fast genau senkrecht über mir. Obwohl ich schon 3000 Kilometer vom Äquator nach Süden gefahren bin, stand die Sonne bisher stets noch weiter im Süden.


Freistehende Werbetafel mit politischer Botschaft auf einem Feld
Eigenwerbung Simbabwe

Rostiges Verkehrsschild mit Fahrradsymbol und STOP-Aufdruck an einer Landstraße
Wow: ein Fahrradweg samt Beschilderung

Blick vom Fahrradlenker auf Straße, Fahrradtacho und montierte Ausrüstung
Mein Cockpit


Landstraße durch grüne Vegetation unter blauem Himmel mit weißen Wolken Kurze Pause im KFC von Chegutu. Während ich meinen Sundae-Eisbecher mit Beerensauce bestelle, steht neben mir an der anderen Kasse eine junge weiße Frau mit nagelneuen weißen Birkenstock-Sandalen. Einen weißen Menschen zu sehen ist für mich inzwischen völlig bizarr – mich selbst sehe ich ja kaum, Spiegel gibt es wenige. Ihr Partner trägt nagelneue braune Birkenstock-Sandalen. Die beiden leben in Harare; die Sandalen waren ein Weihnachtsgeschenk.
In und um Kadoma gibt es einige Hotels und Lodges, aber nur eines davon ist bei Booking.com gelistet – zufällig dieselbe Hotelkette wie in Harare. Hier ist es jedoch eine riesige, schicke Anlage. Die Dame an der Rezeption möchte 100 US-Dollar für ein Zimmer mit Frühstück; bei Booking.com kostet es nur 32 Dollar, allerdings ohne Frühstück. Wir einigen uns darauf, dass ich online buche – und schon habe ich eine wunderbare Villa für mich. Warum die Bewertung bei Booking.com mit 6,2 sehr tief liegt, bleibt rätselhaft.


Imbissstand The Odyssey mit Speisekarten und beleuchtetem Getränkeangebot, daneben Schriftzug I ❤️ Kadoma
Kadoma wird geliebt


Nahaufnahme einer dunklen Schuhsohle mit eingesetztem spitzen Fremdkörper Abnormal ist das neue Normal: Überbreite LKW
Samstag, 3. Januar 2026: Kadoma - Kwekwe - Gweru (133 km)

Kurz nachdem der Wecker mich - wie meist - um halb sechs geweckt hat, beginnt eine Serie von Gewittern – stundenlang. Mir geht es gut in meiner kleinen Villa. Als ich gegen halb elf, jenseits der Check-out-Zeit, langsam loskomme, denke ich noch an den Reifencheck. Der Seitenstreifen, auf dem ich gestern unterwegs war, war mit allem Möglichen übersät. Tatsächlich: Im Vorderrad steckt ein kleiner Draht. Zum Glück kann ich ihn problemlos mit dem Messer aus dem Mantel operieren – das hätte mit größter Wahrscheinlichkeit einen Platten gegeben. Schon bei der Inventur vorgestern, am Neujahrstag, hatte ich im Hinterreifen etwas Bedrohliches herausoperiert.
Es ist angenehm kühl nach dem Regen, aber ich muss auch zügig fahren, um nicht in die Dunkelheit zu kommen. Das Rücklicht und – ein paar tausend Kilometer später – das Vorderlicht haben aufgehört zu funktionieren.


Straßenmarkt mit zahlreichen Wassermelonen und aufgereihten Töpfen sowie Gemüse
Hoffnung auf die Autofahrer


Breite braune Flusslandschaft mit Betonsteg und dichter Vegetation an den Ufern Alles ist ähnlich wie gestern, nur mit ein paar Höhenmetern mehr. Am Ende bin ich wieder auf der Höhe von Harare, rund 1500 Meter. Der Verkehr braust weiterhin kräftig an mir vorbei, ich habe meine Randspur. Die ist nach den Fluten des Vormittags deutlich sauberer als gestern, aber ich muss immer hellwach sein. Zweimal weiche ich komplett von der Fahrbahn ab. Als 'Abnormal' sind die besonders breiten Transporter etikettiert, die deutlich über die Fahrbahnbreite hinausragen.
Bei der Unterkunft wollte ich es diesmal mit Airbnb versuchen – nach 24 Stunden habe ich aber immer noch keine Rückmeldung vom potenziellen Vermieter. Also automatische Stornierung. So steuere ich die erstbeste Lodge in historischen Gemäuern an.


Weißes Gebäude mit dem Schild Reception über dem Eingang bei Dämmerung
Signature Lodge & Gardens in Gewru

Historisches Gebäude mit großem grünen Uhrturm auf offenem Platz bei grauem Himmel
Clock Tower und Midlands Hotel

Reisefahrrad mit Gepäck vor großem historischen Verwaltungsgebäude mit Uhrturm
Vor der City Hall von Gweru


Bata-Werbeschild für einen Factory Store mit 10% Rabatt, aufgestellt im Gras Sonntagsfahrt durch die Savanne
Sonntag, 4. Januar 2026: Gweru - Bulawayo (169 km)

In Gweru gibt es noch jede Menge alte Gebäude zu bestaunen: den Uhrturm, das alte Midlands Hotel, die Stock Exchange und das Rathaus. Vor den Toren der Stadt liegt eine Schuhfabrik der Firma Bata – zehn Prozent Rabatt gibt es im Factory Outlet, aber heute ist Sonntag. Von Harare bis zur Grenze fahre ich immer auf der R2 – heute bis Kilometerstein 440. Tatsächlich gibt es heute am Sonntag etwas weniger Verkehr. 120 Stundenkilometer sind auf der Landstraße erlaubt. Mancher scheint schneller.
Die Sonne scheint zunächst über der Savanne. Kaum noch Bäume zu sehen. Als die Bepflanzung wieder dichter wird, ergibt sich ein völlig neues Bild: Links und rechts der Straße ein niemals endender Stacheldrahtzaun – dahinter viele Kühe.
Dann gibt es ein paar Stunden Regen. Ich habe Glück: Die ganz dunkelblauen Flächen mit den gelben Blitzsymbolen auf der Wetter-App ziehen nördlich und südlich an mir vorbei. Ich werde immerhin so nass, dass ich Portemonnaie, Reisepass und Handy in die Lenkertasche befördern muss. Die ist übrigens gebraucht in Reutlingen gekauft – Danke fürs Abholen, lieber Uri! Es sieht aus wie das alte Modell, aber der entscheidende Unterschied sind die magnetischen Druckknöpfe. So lässt sich die Tasche leicht öffnen und alles wasserdicht unterbringen.


Schatten eines Radfahrers mit Fahrrad auf Asphalt neben gelber Linie
Schatten meiner selbst

Lenker eines Fahrrads mit montierter Handyhalterung und Karten-App während der Fahrt
Cockpit mit Smartphone-Navigation


Umgestürztes Fahrrad lehnt kopfüber an einem alten Straßenschild mit der Aufschrift Bulawayo 20 Der Zielort Bulawayo wird in 20 Kilometern angekündigt. Ich mache ein Foto. Als ich weiterfahren will: Platten – hinten. Zum Glück regnet es nicht mehr. Handgestoppte 45 Minuten später sind die Folgen des Drahts behoben.
Oder nicht? Bald eiert das Hinterrad wieder. Ich pumpe nach, aber das hilft immer nur ein paar Kilometer. Es sind noch 15 Kilometer bis ins Stadtzentrum, als ich meinen Augen kaum traue: Unter einer Art Bushaltestelle werden am Sonntagsnachmittag Fahrräder repariert – der Laden sei sogar 24/7 geöffnet, sagen die Mitarbeiter mir stolz. Sie stürzen sich auf mein Hinterrad, finden zunächst im Mantel einen weiteren Draht – der allerdings zu dem neu gekauften Mantel gehört, der bisher nur 3000 Kilometer gelaufen ist. Und das Drahtstück hat tatsächlich ein weiteres Loch im Schlauch hinterlassen.
Anyway heißt der Mechaniker mit dem meisten Interesse für mein Equipment. Die einen kleben einen Flicken von innen gegen den Mantel, die anderen flicken den Schlauch. Zum Glück bestehe ich darauf, einen neuen Schlauch einzubauen. Das Waschbecken im Hotel verrät mir später: Beide neuen Flicken waren gut geklebt, aber der letzte Flicken hat in der Mitte ein Loch – auch noch nicht erlebt.
So ist es recht spät, als ich das wunderschöne alte historische Hotel Bulawayo Club im Stadtzentrum erreiche. Als ich noch zu einem kleinen Einkauf aufbrechen will, sagt mir der Mann an der Rezeption ungefragt, ich täte gut daran, bis 19:45 Uhr wieder zurück im Hotel zu sein.


Gruppe von Personen steht unter einem Blechdach neben einem Fahrrad
Die Tag-und-Nacht-Fahrradwerkstatt

Innenhof mit weißen Säulen, Weihnachtsschmuck und gedecktem Frühstückstisch
Frühstück im Hotel Bulawayo Club


Backsteingebäude der Salvation Army mit grünen Akzenten und offenem Eingang Zeltglück im Nationalpark
Montag, 5. Januar 2026: Bulawayo - Matobo National Park - Maleme Dam Camp (70 km)

Frühstück im wunderbaren, nach oben offenen Innenhof des gepflegten alten Hotels. Der Hinterradreifen ist nach den gestrigen Pannen stabil, aber hinten fehlen noch ein paar Bar. Die Straßenwerkstatt gestern hatte nur Pumpen für Autoventile und deutsche Ventile – nicht für mein französisches.
Also steuere ich den Laden Anand Cycles an. Sie haben tatsächlich die richtige Pumpe. Aber bis ich im Laden bin, hat sich schon wieder ein Draht in den Hinterreifen gebohrt. Ich finde ihn mehr zufällig von außen – die Luft entweicht immer wieder, aber trotz Hochdruck im Schlauch finde ich kein Loch.
Zum Glück habe ich meinen inzwischen vierfach geflickten Schlauch bereits im Waschbecken des Hotels getestet. Also nehme ich den. Er hält. An der Kreuzung steht Ex-Befreiungskämpfer Joshua Nkomo in Bronze als Denkmal.
Nach einem Telefonat mit meinem Bulawayo-erfahrenen Freund Christian gestern Abend und einiger Lektüre habe ich mich entschieden, in den Matobo-Nationalpark (auch Matopo geschrieben) zu radeln – dort gibt es nämlich Beschränkungen für Radler lediglich im Rhinozeros-Bereich.


Große Bronzestatue eines Mannes auf Sockel vor teilweise bewölktem Himmel
Ex-Befreiungskämpfer Joshua Nkomo (1917-1999) in Bronze

Felslandschaft mit großen runden Granitblöcken und bewölktem Himmel
Matobo National Park


Safarifahrzeug mit mehreren Personen, die aussteigen oder sich über die Seite lehnen Erst kommen 50 Kilometer Anfahrt über eine Nebenstrecke. Die Ruhe abseits des vorbeirauschenden Verkehrs auf der R2 ist eine wunderbare Einstimmung. Der private Campingplatz am Rande des Parks, den ich ansteuere, ist wunderbar – aber niemand ist da. Eigentlich wollte ich hier mein Gepäck lassen und eine Tour durch den Park machen.
Bevor ich durch die Central Wilderness Area radle, muss ich für zwei Tage Park und eine Nacht Camping 18 Dollar zahlen. Dann werde ich mit Uhrzeit registriert und bin schon auf der Piste.
Die windet sich wunderbar durch das Felsenmeer. Hier und da kreuzen Affen den Weg. Am Maleme Dam überholen mich in einer Pause zwei offene Safari-Wagen. Der Campingplatz ein paar Meter weiter ist schöner als gedacht – und menschenleer. Oder gerade deshalb schön. Es gibt sogar Wasserhähne, Toiletten und Duschen. Alles frei zugänglich.


Zelt und Fahrrad stehen auf einer Wiese vor großen Felsen und Bäumen
Mein Zeltplatz im Maleme Dam Camp


Person sitzt auf Felsenlandschaft unter wolkigem Himmel, umgeben von runden Felsblöcken Cecil Rhodes, der Weltblick und Felsmalereien
Dienstag, Epiphanie, 6. Januar 2026: Maleme Dam Camp - Matobo National Park - Figtree - Plumtree (122 km)

Wunderbarer Morgen nach wunderbarer Nacht auf meinem Zeltplatz. Irgendwann kommt die Sonne um die Ecke, sodass Schlafsack, Zelt und Unterlegplane trocknen. Um neun Uhr ist alles eingepackt.
Vom Staudamm geht es hinauf zum Grab von Cecil Rhodes. Der Begründer Rhodesiens hatte sich den höchsten Punkt hier als Grabstätte gewählt und den Aussichtspunkt 'World's View' getauft. Dem hier zuvor lebenden Stamm war dieser Berg schon lange heilig. Die riesigen Felsblöcke auf dem höchsten Punkt des Plateaus vermitteln Beständigkeit. Aber was für ein Blick! Man kann fast den gesamten Nationalpark überblicken – mit seinen endlosen Felsformationen und den vielen Wildnisbereichen. Und ich bin der erste und vorerst einzige Besucher an diesem Morgen.
Zurück auf dem inzwischen asphaltierten Rundkurs gibt es eine große Ansammlung von Souvenirständen. Typischerweise wird man in Simbabwe nicht mit 'Hello' oder 'Good morning' begrüßt – stattdessen kommt sofort die Frage: 'How are you?' – 'Thirsty. Do you have a Coca-Cola?' - 'No. Only Pepsi.' Niemand verkauft oder darf hier Getränke oder Essen verkaufen, aber dieser Souvernirhändler holt aus seinem kleinen Privatrucksack eine halbe Liter Flasche Pepsi Cola. Einen Dollar soll ich zahlen. Er entschuldigt sich noch, dass die Läden ringsum nur einen halben Dollar verlangen. Ich bin so erleichtert – mein Trinkwasservorrat geht deutlich zur Neige. Ich habe keine Ahnung, wann ich ihn aufstocken kann.


Felsmalerei mit stilisierten menschlichen Figuren und Tierdarstellungen in rötlicher Farbe
White Rhino Cave: neolithische Zeichnungen

Große runde Felsformationen unter blauem Himmel mit weißen Wolken
Grab von Cecil Rhodes


Grüne Hügellandschaft mit Felsen und blauem Himmel mit Wolken Kurz darauf der nächste Höhepunkt: eine der vielen Höhlen mit urzeitlichen Felsmalereien. Die White Rhino Cave liegt recht nah am Rundweg – wieder ein kleiner, wunderbarer Spaziergang. Und dann ganz zarte Malereien von menschlichen Figuren und Tieren.
Dann verlasse ich den Park durch das Haupttor. Google Maps zeigt mir eine Verbindungsroute zur Hauptstraße – so muss ich nicht nach Bulawayo zurück: 13 Kilometer relativ sandige Piste. Ein einziges Auto begegnet mir, während meine Wasservorräte bis auf den letzten Tropfen aufgebraucht sind. Noch zehn Kilometer auf der altbekannten R2, dann zische ich in Figtree zwei Liter weg und kaufe noch zwei weitere für den Rest der Etappe. Sie endet in einem neuen Hotel hinter Plumtree. Mit idealen Bedingungen zum Waschen und Aufhängen der Wäsche. Nach der Zeltnacht gibt es davon einiges.


Bepacktes Reiserad auf schmalem sandigen Weg durch grüne Landschaft
Shortcut Richtung Plumtree


Botswana


Menschenschlange im Wartebereich einer Immigration-Stelle Grenzmarathon, Desinfektionsbrühe und eine gerissene Kette
Mittwoch, 7. Januar 2026: Plumtree - Grenze Simbabwe/Botswana - Francistown -Tati Siding (109 km)

Das für sieben Uhr angekündigte kleine Frühstück auf dem Zimmer verzögert sich um mehr als eine halbe Stunde. Gut für mich, um vor dem Grenzübertritt noch einmal zur Ruhe zu kommen.
Ruckzuck bin ich dann an der Grenze. Die Ausreise aus Simbabwe ist sensationell schnell – Stempel rein und fertig. Auf der Seite von Botswana dagegen das genaue Gegenteil: Eine schier endlose Warteschlange zieht sich um mehrere Gebäude herum bis zur Immigration.
Ich komme mit einem Weißen aus Simbabwe ins Gespräch. Er erklärt die lange Schlange mit dem Ende der Weihnachtssommerferien in Südafrika. Bei der Einreise von Botswana nach Südafrika werde es mir ähnlich ergehen. Er will mit seiner Frau nur kurz über die Grenze, um nach seinem Bankkonto in Botswana und seiner Schwester zu sehen. Rund 90 Prozent der Weißen hätten seit seiner Jugend Rhodesien bzw. Simbabwe verlassen. Nach dem Abtritt Mugabes 2017 sei es noch schlechter geworden – man müsse selbst für Strom, Trinkwasser und Sicherheit sorgen. Aber es sei halt seine Heimat.
Dann hat er einen Geistesblitz: Ich solle mich mit meinem Fahrrad einfach an die Spitze der Warteschlange bewegen und darauf hinweisen, ich müsse wegen des begrenzten Tageslichts bevorzugt abgefertigt werden. Man habe dort besonders viel Mitleid mit älteren Leuten. Alleine hätte ich mich das nicht getraut – aber es funktioniert. Zu guter Letzt muss ich mit meinem Fahrrad noch durch ein angebliches Desinfektionsbad – die dreckigste Brühe, durch die ich mein Rad je geschoben habe. Ob aus Mitleid mit meinem Alter oder meiner Strecke: Zwei bis drei Stunden Wartezeit sind mir erspart geblieben, wie sich aus dem Moment ergibt, als der Ex-Rhodesier mit seiner Frau mich im Auto überholt.


Autos und Personen an einem Kontrollpunkt mit Pfützen, Backsteinpfeilern und Infotafeln
Botswanische (Des-)Infektionspfütze

Fahrradkette in Nahaufnahme mit einem beschädigten oder verdrehten Kettenglied
Kette suboptimal

Mechaniker repariert Fahrradkette mit Werkzeugen auf gepflastertem Boden
Ketten-Reparturversuch mit Zange


Goldglänzender Mineral- oder Gesteinsbrocken auf heller Unterlage Die Straße ist nun etwas breiter, vor allem der Randstreifen. Daneben hat man die alte Straße belassen – man könnte daraus einen schönen Radweg machen.
Eine Polizistin, die mich in ihrem schwarzen Wagen einholt, weist mich an, auf der gegenüberliegenden Seite dem Verkehr entgegenzufahren. Das sei sicherer, weil ich so den Verkehr auf meiner Spur sehen würde. Da ist sicher etwas dran, aber es ist mühsam genug für mich, mich selbst nach gut 3000 Kilometern überhaupt im Linksverkehr wohlzufühlen.
Jeden Morgen stelle ich mich mental neu darauf ein. Ein paar Kilometer fahre ich also auf der rechten Seite. Das Problem sind in kritischen Momenten die Reflexe, die man von seiner gewohnten Verkehrsseite mitbringt.
Bei einer Pause entdecke ich zufällig eine Unregelmäßigkeit an der Fahrradkette. Mit meiner kleinen Zange gelingt es mir nicht, das zu beheben. Aber in Francistown finde ich einen Mechaniker, dem das gelingt. Eigentlich habe ich schon längere Zeit gespürt und gehört, dass irgendetwas nicht stimmt – aber ich hatte es einfach ignoriert. Das Englisch ist in Botswana spürbar schlechter als in Simbabwe.
Francistown verdankt seine Entstehung der Goldsuche – dokumentiert im winzigen Stadtmuseum, das nach übereinstimmender Meinung meiner beiden Botswana-Führer die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt ist, wenn überhaupt. Im zweiten Anlauf bekomme ich auch eine Führung – beim ersten Mal fehlte mir botswanisches Geld. Umgerechnet weniger als ein Dollar. Als ich das Geld endlich habe, werde ich feierlich ins Besucherbuch eingetragen. Ich bin der erste seit Tagen.
Was den Konsum angeht, ist Francistown schon wieder auf einem anderen Level: gewaltige Malls. Und bei der Ausfahrt aus der Stadt drängeln die Autos zweispurig. So geht es quasi auch autobahnmäßig weiter Richtung Hauptstadt Gaborone.
Dann werde ich erneut angehalten. Zwei Männer in Straßenwacht-Kleidung fragen mich aus. Habe ich wieder etwas falsch gemacht? Ich fahre inzwischen wieder auf der linken Seite. Nein – sie wollen sich schlicht mit mir unterhalten. So viele Menschen jetzt in Simbabwe und Botswana, die ständig wissen wollen, woher ich komme, wohin ich fahre, wie lange ich gebraucht habe, wie lange ich noch brauchen werde. Wie anders dagegen die Begeisterung der Kinder in Ruanda, Burundi, Tansania und Malawi: einfach ein Weißer – egal woher und wohin.


Reisefahrrad steht neben verlassenen Eisenbahnschienen im hohen Gras
Cape to Cairo Railway


Weißes Einweg-Essensschälchen mit Eintopf und Maisbrei, daneben eine rote Coca-Cola-Dose Kettenriss in der Steppe
Donnerstag, 8. Januar 2026: Tati Siding - Serule - Palapye (153 km)

Rund 150 Kilometer contre la montre. Jede Etappe ist im Grunde ein Einzelzeitfahren. Auch wenn, so wie heute, die Strecke einfach ist – die Höhenmeter stimmen sogar mit Google Maps überein – bedeutet das selbst beim heutigen Rekord von durchschnittlich 21 Stundenkilometern fast siebeneinhalb Stunden reines Strampeln.
Auf halber Strecke bei Serule ist an einer Tankstelle das einzige Restaurant. Das Essen ist immer noch erstaunlich günstig: zwei Dollar. Bei rund 90 Kilometern meldet sich die Kette: Die Reparatur von gestern ist Geschichte. Auf der Außenseite ist ein Kettenglied wieder rausgerutscht. Ich radle inzwischen auf der alten Parallelstraße – die ist weniger verdreckt und seltener unterbrochen als gedacht.


Männer auf Eselkarren fahren einen ländlichen Weg entlang
Auf der alten Straße


Fahrrad-Hinterrad mit heruntergefallener Kette auf Asphalt Bei Kilometer 138 reißt die Kette. D.h., das Kettenglied, das auf der einen Seite schon mehrfach rausgesprungen ist, ist nun ganz weg. Kette und Zahnkränze hatte ich vor der Reise austauschen lassen, genauso wie die Bremsen erneuert und die Räder zentriert – alles ohne wahnsinnig nachhaltige Wirkung.
Eine knappe Stunde brauche ich, um das Kettenglied wieder einzurenken. Den schweren, aber effektiven Kettennieter hatte ich zu Hause gelassen, nachdem jahrelang kein einziges Kettenglied zu richten war. Diesmal klingt es so, als sei das Glied richtig eingerastet. Hoffnung. Obwohl die halbwegs neue Kette hängt wie die Hängenden Gärten der Semiramis – und von daher sowieso erneuert werden sollte.


Eine Flasche Carling Black Label und eine Dose Amstel Radler stehen auf einem Holztisch
Abendtrinken


Person mit voll bepacktem Reiserad steht in einem tropischen Garten Gegenwind beim Grenzrekord
Freitag, 9. Januar 2026: Palapye - Martin‘s Drift - Grenze Botswana/Südafrika - Groblersbrug - Marnitz (151 km)

Heute ist es noch flacher als gestern. Nach ein paar Kilometern kann ich endlich von der A1 auf eine wunderschöne, ruhige Nebenstrecke zur Grenze abbiegen. Absolut flach. Aber: Zum ersten Mal längerer Gegenwind. Gewöhnungssache.
Zehn Kilometer vor der Grenze liegt der einzige Mini-Supermarkt an der Strecke. Mit Müh und Not gebe ich die letzten umgerechnet zehn Euro aus. Meinen Liter Vanillepudding teile ich noch mit Edwin, der hier in der Nähe an einer LKW-Station arbeitet.
Die Grenzabfertigung ist die schnellste von allen: Ausreise aus Botswana, Einreise nach Südafrika – alles in wenigen Minuten erledigt.


Zarte gelbe Blüten mit roten Zentren wachsen im rötlichen Sandboden
Flowers on the floor

Insekt mit rot-gelbem Körper und dunklem Kopf auf grauer Oberfläche
Heuschrecke


Südafrika


Schmale Brücke mit Fußgänger- und Fahrradschild, umgeben von Bäumen Ohne südafrikanisches Geld – mein Portmonee ist also 'Rand-leer' – und ohne südafrikanische SIM-Karte radle ich über die einsame N11. Auf beiden Seiten ziehen sich die Zäune der kilometerlangen Ländereien hin. Das bei Booking.com entdeckte Quartier ist wie alles hier durch Zaun und Elektrozaun gesichert. Leider antwortet niemand auf mein Klingeln. Zufällig hält gerade jemand schräg gegenüber – ich bitte ihn, die angegebenen Telefonnummern anzurufen. Ergebnis: nur Anrufbeantworter.
Also radle ich noch zehn Kilometer weiter. Ein Restaurant am Wegesrand bietet Quiche mit Spinat, Pommes und Salat – mein erstes konventionelles Essen seit Wochen. Und nebenan gibt es ein nettes dazu gehöriges Gästehaus.


Straßenschild mit Wildtierwarnung und Nacht-Symbolen; daneben ein abgestelltes Fahrrad auf leerer Landstraße
Wildwechsel in der Nacht


Sonnige Landstraße mit weitem Blick und blauem Himmel Gegen Gegenwind: Keine Gewalt!
Samstag, 10. Januar 2026: Marnitz - Mokopane (157 km)

Das Wichtigste am Morgen: Mentale Vorbereitung auf den Gegenwind. Wenn man zuletzt 21 Stundenkilometer gefahren ist und jetzt durch den Wind heruntergedrückt wird, ist es nicht ganz leicht, dazu eine positive Einstellung zu finden. Also sage ich mir: 15 Stundenkilometer wären großartig. Keine Gewalt. Nicht gegen die Verhältnisse stemmen, wenn man sie nicht ändern kann. Alles akzeptieren.
Der Gegenwind ist stabil – ich bin es auch. Tatsächlich radle ich so mit 16 Stundenkilometern durchs Land. Es könnte schlimmer sein. Mittags bin ich ein bisschen schneller, dafür wird es kurz vor dem Ende mit einigen Höhenmetern sehr, sehr langsam.
Drei Tage hintereinander bin ich mehr als 150 Kilometer gefahren, aber am ersten Tag saß ich dafür keine siebeneinhalb Stunden im Sattel. Heute sind es fast zehn.


Person mit Sonnenhut und Fahrradtrikot vor blauem Himmel
Heiter bis wolkig

Schildkröte mit gemustertem Panzer bewegt sich über kiesigen Boden
Schildkröte on the road


Straßenszene mit Warnschild für Fahrräder und Person am Straßenrand Genervt bin ich von der Straße: Nur auf 23 Kilometern gibt es einen Randstreifen. Die Autofahrer nehmen wenig Rücksicht – weder die haarscharf Überholenden noch die Überholer aus dem Gegenverkehr.
Kurz vor Sonnenuntergang komme ich an. Ein Regenbogen steht über dem Mokopane. Vom Regen bin ich, bis auf ein paar Tropfen, heute verschont geblieben.
Auffällig weiterhin: die vielen Gitter und Sicherungen. Auch die Hühnchen bei KFC schräg gegenüber von meiner Unterkunft werden hinter Gittern zubereitet.<


Straße durch kleine Stadt mit Regenbogen über dem Berghorizont
Mokopane

Bestell- und Abholbereich eines Schnellrestaurants mit beleuchteten Menütafeln
KFC hinter Gittern


Person geht mit großer Stofflast auf dem Rücken auf einer Landstraße Aus der Zeit gefallen: Weißes Kirchenpublikum
Sonntag, 11. Januar 2026: Mokopane - Roedtan - Marble Hall - Groblersdal (132 km)

Der Sonntagsgottesdienst in der kleinen katholischen St.-Peter-und-Paul-Kirche in der Nähe von meinem Quartier ist um acht Uhr – das ist mir etwas zu spät für meinen Zeitplan.
Pünktlich um zehn Uhr bin ich so schon in Roedtan mit vager Hoffnung auf den Beginn eines Gottesdienstes. In der rein weiß besetzten Nederduitse Gereformeerde Kerk bekomme ich allerdings nur noch den Abschlussgesang und Segen mit. Der Vorbeter meint, damit hätte ich das Wichtigste abbekommen. Die Kirchenbänke sind nur schwach besetzt, immerhin gibt es ein paar jüngere Mädchen. Alles wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen. Ich werde noch zum Kirchenkaffee eingeladen – aber irgendwie hat ihn heute niemand gekocht.


Moderne Kirche mit hoher Dachkonstruktion, davor steht ein bepacktes Fahrrad
Roedtan: Nederduitse Gereformeerde Kerk

Kirchengottesdienst, Menschen stehen in Bänken, vorne predigt ein Pastor
Segen: Amen, Amen, Amen


Lange rote Landstraße zwischen hohem Gras und Bäumen unter blauem Himmel In den kleinen Orten ballen sich die kommerziellen Angebote. So auch in Marble Hall: verschiedene große Einkaufszentren, viele Schnellrestaurants. Gut für meine Pausengestaltung, denn auch am Sonntag ist hier viel Betrieb.
Kurz hinter dem Ort kann ich endlich von der N11 abbiegen. Die glänzt auch heute nicht gerade durch Randstreifen. Ein Kirchgänger hat mir eine Nebenstrecke empfohlen, die wunderbar ruhig durch die Landschaft führt.
Beim Familia Guesthouse im Zielort Groblersdal ist der Blitz in den Stacheldraht auf der Mauer eingeschlagen. Folge: Die Klingel funktioniert nicht. Das steht aber nirgendwo dran. Nur mit Mühe kann ich mich bemerkbar machen. Aber als ich einmal drin bin, ist es ein Paradies – mit Abstand die beste Unterkunft der Tour bisher, samt wunderbarem Swimmingpool.


Warnschild Crime Alert neben Landstraße, bepacktes Fahrrad am Straßenrand
Crime Alert

Landwirtschaftliche Plantage hinter mehreren Reihen Stacheldrahtrollen
Stacheldraht all over

Garten mit großem Pool und Liegestühlen vor einem Wohnhaus
Hotel Familia Guesthouse in Groblersdal


Moderner überdachter Gang mit dekorativen Metallgittern und hellen Säulen, Fahrrad im Hintergrund Sicherheitsmaßnahmen am Abend
Montag, 12. Januar 2026: Groblersdal - Stoffberg - eMakhazeni (109 km)

Traumfrühstück in Ruhe und Sonne im Familia Guesthouse. Nach einer guten Woche mit kaum Höhenmetern geht es heute wieder richtig in die Berge – von 900 auf 1900 Meter.
Lange bleibt der durchschnittliche Anstieg bei einem Prozent, also relativ flach. Nach gut der Hälfte der Tagesstrecke bietet sich kurz vor Stoffberg an der einzigen Tankstelle weit und breit eine gute Pausenmöglichkeit. Wie so oft merke ich erst jetzt die Erschöpfung.
In Stoffberg knickt die R33, der ich den ganzen Tag gefolgt bin, ab. Der Straßenname bleibt, als ich von der Provinz Limpopo nach Mpumalanga wechsle. Der Asphalt wird allerdings schlechter und die Markierungen werden seltener.


Eingangstor zu einer Anlage mit Steinsäulen und der Aufschrift DIEPKLOOF
Typisches Portal einer Farm an der Straße

Person mit Kapuzenjacke auf Fahrrad fährt an Feldern entlang
Düster


Schwerer Lastzug mit zwei großen Muldenaufliegern und Warnschild ABNORMAL auf nasser Straße Schon lange sind Wolken aufgezogen. Irgendwann regnet es, und zum ersten Mal seit längerem bekomme ich in einen richtigen kräftigen Schauer ab. Anders als in den ersten Ländern der Tour gibt es hier nur den Zaun links und rechts der Straße – nichts zum Unterstellen. Also wird alles klatschnass.
Dann windet sich die Straße in einer hügeligen Landschaft, die an Irland erinnert, und steigt schließlich mit fünf bis sechs Prozent Steigung auf über 1900 Meter. Immer wieder fallen auch ein paar Tropfen. War das Schild 'Abnormal' in den ersten Ländern der Tour nur wenige Male am Tag an LKW zu lesen, braust hier ein überbreiter LKW nach dem anderen an mir vorbei – Abnormal ist das neue Normal.
Das Tagesziel Belfast, seit 2009 offiziell eMakhazeni, liegt knapp unter 1900 Metern. Der Fahrradcomputer zeigt erstmals nur 16 Grad an. Der Ort wurde offenbar 1890 gegründet, und ein paar Gebäude erinnern tatsächlich an Irland. Im Zentrum finden sich überraschend viele Supermärkte und Fast-Food-Restaurants. Bei einem Chinesen kann ich noch ein Bier kaufen – allerdings nur noch durch das Gitter an der Ladentür, übliche Sicherheitsmaßnahme am Abend.


Weißes Wohnhaus mit dekorativen Giebeln und überdachter Veranda in ländlicher Umgebung
Altes Belfast


Weite grüne Landschaft mit Feldern, Bäumen und kleinem Teich unter bewölktem Himmel Alternativroute und die unverhoffte Caravan-Unterkunft
Dienstag, 13. Januar 2026: eMakhazeni - Carolina - Warburton - eMbangweni (124 km)

Ungewohnt kalte 15 Grad beim Start am Morgen. Auf der Karte habe ich noch eine alternative Route zu meiner ursprünglich geplanten gefunden. Sie ist zwar ein paar Kilometer länger, hat aber 500 Höhenmeter weniger. Klingt gut.
Nach 50 Kilometern bin ich in Carolina, einer größeren Stadt. Zweites Frühstück bei KFC – ich kann sogar zwischen Cappuccino und Caffè Latte wählen. Zwischen hier und der 100 Kilometer entfernten Grenze zu Eswatini oder eSwatini (ehemals Swasiland) gibt es laut Google Maps nur eine einzige Unterkunft: Rocks and Roses Farmstay bei Tageskilometer 123 – die ideale Entfernung für mich. Bei Booking.com ist das B&B allerdings erst in einigen Tagen wieder buchbar. Egal. Mal sehen.
War die Landschaft am Morgen noch dominiert von dem weiten Blick über hügelige Grasflächen, ändert sich das nun. Immer mehr Wälder tauchen auf – Eukalyptus, Kiefern. Und damit verschwinden auch die Zäune zu beiden Seiten der Straße.


Backsteinbau mit Turm und grünem Dach, daneben steht ein bepacktes Reiserad
Warburton: Moschee mit Antennenminarett


Hügelige Landschaft mit Felsen, Grasflächen und verstreuten Bäumen Kleine Affen kreuzen schon mal den Weg. Besonders auffällig: schwarze Vögel mit langem Schweif, kleine rote Vögel, größere blaue Vögel.
Zweite Pause in Warburton, das vom Sägewerk auf der anderen Straßenseite zu leben scheint. Ich lasse mich vor der Moschee nieder – das Minarett ist vollgepackt mit Funkmasten. Der Handyempfang ist exzellent.
Nun wechseln sich leichter und etwas stärkerer Regen ab. Die Landschaft wird durch Felsen noch pittoresker. Ich habe mich schon darauf eingestellt, bis zur Grenze nach Eswatini durchzuradeln. Aber als ich an den Abzweig zu Rocks and Roses Farmstay komme, fährt genau in diesem Moment ein Jeep von der Straße ab Richtung B&B. Ich kann den Fahrer stoppen. Tatsächlich – sie haben eine Unterkunft für mich: einen Caravan mit Küche, Bad und netter Einrichtung, in den ich auch mein Fahrrad stellen kann. Dazu eine wunderschöne Landschaft, in der ich noch einen Spaziergang unternehme.


Backsteinhaus mit Solarpanelen und gepflegtem Rasen vor hügeliger Landschaft unter grauem Himmel
Lodge Rocks and Roses Farmstay...

Vier Schafe stehen in einem Gatter auf nassem Gras
...mit Schafen

Grüne offene Wiesenfläche mit einer dichten Baumreihe im Hintergrund
Wald und Wiesen


Person in dunkler Kleidung geht am Straßenrand entlang bei starkem Nebel Kalter Regen, Kettenriss und geplatzter Reifen in Eswatini
Mittwoch, 14. Januar 2026: eMbangweni - Grenze Südafrika/Eswatini - Mbabane - Lobamba - Manzini (98 km)

Was für eine Abfolge von Schlachten! Die kleine Schlammschlacht zurück zur Straße – der N17 – ist ein winziger Auftakt. Es sind wieder 15 Grad. Heute fühlt es sich nicht ganz so kühl an, vielleicht Gewöhnung, vielleicht der Nebel. Aber es bleibt bei 15 Grad, dazu gesellt sich Regen, mal mehr, mal weniger.
Lochiel hieß eMbangweni offenbar früher – und auch als ich in der Frühe hindurchradle, taucht der Name mehrfach auf. Die Steigungen halten mich warm. Ich bin in großer Gesellschaft: Viele Schülerinnen und Schüler warten im Regen am Straßenrand oder laufen in Uniform die Straße entlang.
Ich höre und spüre, dass sich nach ein paar Hundert Kilometern wieder das bekannte Kettenglied gelöst hat – aber ich kann weiterfahren. Dann wird mir doch kalt. Zitternd komme ich an der Grenze an. Die südafrikanische Gesundheitskontrolle ist reine Formsache. Würden sie mich doch untersuchen – der Raum ist ein bisschen beheizt.


Gruppe von drei Personen steht neben einem Fahrrad vor einem einfachen Unterstand
Mit dem Team von der Autowerkstatt


Eswatini


Umgedrehtes Fahrrad wird gewartet, Ersatzteile und Werkzeuge liegen daneben Ruckzuck bin ich über die Grenze. Eswatini, bis 2018 Swasiland – der König hat es anlässlich der 50jährigen Unabhängigkeit einfach so bestimmt. Absolute Monarchie. Direkt hinter der Grenze ein Lebensmittelladen. Beim Frühstück ist die allerletzte Packung Weihnachtsplätzchen draufgegangen. Die Kassiererin sieht mir meine Kälte an und weist auf Tee und Kaffee in einem Nebenbereich hin. Ich ergatter heißen Kaffee und eine lauwarme Mahlzeit.
Hinter der Ladenzeile ist eine kleine Werkstatt. Given hat eine Zange und das richtige Feingefühl für meine Kette. Jetzt könnte sie wieder ein paar Hundert Kilometer halten.
Eine Premiere: Autobahn – zumindest ein Autobahnschild und getrennte Fahrbahnen führen direkt von der Grenze ins Landesinnere. Für mich sehr praktisch. Einen breiten Randstreifen gibt es auch. Es geht munter auf und ab. Eine Steigung spare ich mir, indem ich durch die Hauptstadt Mbabane radle. Der Reiseführer meint, diese Stadt habe keine Sehenswürdigkeiten außer der Landschaft drumherum – und die ist wirklich toll, fast alpin. Zwischenzeitlich haben sich die Wolken etwas höher etabliert.
Auch für Lobamba verlasse ich die Autobahn: Parlament, Nationalmuseum und Sportstadion liegen hier auf halber Strecke zwischen Hauptstadt und der größten Stadt: Manzini – ein paar Hundert Meter tiefer als die Hauptstadt, entsprechend auch ein paar Grad wärmer.
Dann platzt der Hinterreifen. Ein lauter Knall, und ich rolle auf der Felge. Zum Glück kann ich mich vor dem wieder stärker werdenden Regen in einen riesigen Unterstand retten. Zwei Stunden brauche ich für meine Reparaturversuche: Mantel und Schlauch haben einen Riss direkt an der Felge. Ich stelle mich schon auf einen möglichen Autotransport ein.
Mein Koga-Rad ist mit neuen Mänteln am Start. Als ich überlegte, ob die alten Mäntel die Afrika-Tour noch packen könnten, hab ich mal grob summiert, wie viele Kilometer die alten, die gar nicht so alt waren, runter hatten: Mindestens 15.000 Kilometer. Beim Neukauf leider Irrefühung durch Fahrrad Franz XXL in Mainz: Mit Wissen der Geschäftsleitung werden laut Mitarbeiter Preisschilder nur unvollständig aufgehängt. So wird der Eindruck erweckt, mein Mantel koste 22,99 Euro. Er kostet aber 33,99 Euro. Immer noch ein guter Preis. Warum zeichnet man das nicht entsprechend aus? Mir wird erklärt, es hänge im ersten Obergeschoss auf einem Monitor ein Hinweis, dass zur Zeit nicht alle Preisanzeigen richtig funktionierten. Bei der Gelegenheit erfahre ich überhaupt, dass die Preisanzeigen elektronisch sind. Sie erwecken den Eindruck einer klassischen Anzeige aus Papier. Der junge Mitarbeiter meint, der angezeigte Preis sei sowieso irrelevant, weil laut Gesetz nur der Preis an der Kasse kaufmännisch gesehen von Belang sei. Unbefriedigend.
Den Vorderreifen montiere ich nach hinten, den Riss im hinteren Mantel klebe ich von innen mit drei großen Flicken zu. Der geklebte Mantel kommt nach vorne, der Schlauch wird nur ein wenig aufgepumpt – und dennoch bläht sich gleich die geklebte Stelle. Wie viele Meter kann ich damit noch fahren? Ganz sanft setze ich wieder an. Ich versuche, möglichst viel Gewicht auf das Hinterrad zu verlagern, und fahre so langsam wie möglich, vor allem möglichst über keine Erhebungen oder Dellen. Es zieht sich, es regnet wieder – aber es hält. Und im Zielort finde ich tatsächlich einen neuen, passenden Mantel.


Hügelige grüne Landschaft mit verstreuten Häusern und Feldern
eSwaitini alias Swasiland

Nahaufnahme eines Fahrradreifens mit langem seitlichen Schnitt im Gummi
Loch im Mantel

Detail einer Fahrradfelge mit mehreren aufgeklebten Flickstellen
Geplatzter Mantel geflickt

Nahaufnahme eines stark abgenutzten Fahrradreifens mit sichtbarer beschädigter Stelle
Nach 20 Kilometern am Ziel in Manzini

Mechaniker arbeitet an einem Fahrrad in einer Werkstatt mit Werkzeugwand
Neuer Mantel, neue Bremse


Person in rotem Pullover sitzt auf Marktgelände unter überdachtem Bereich Fahrradmechaniker: Swaziland Got Talent!
Donnerstag, 15. Januar 2026: Manzini - Siphofaneni - Big Bend (80 km)

Regen auch in der Nacht. Feuchtigkeit überall. Nichts ist in meinem Zimmer trocken geworden. Ich steige in die feuchten Schuhe. Um acht bin ich in dem großen Laden, der hinten Fahrräder und eine Werkstatt beherbergt. Phile, der Fahrradmechaniker, mit dem ich verabredet bin, freut sich auf den Auftrag.
Beim Hineinschieben des Fahrrads in das letzte Hotel in Malawi – also vor rund 2000 Kilometer – war das Rad umgekippt und dabei der Bremsgriff der Hinterradbremse gebrochen. Weil es eine Hydraulikbremse ist, ist die Reparatur nicht so einfach. Graham, ein Fahrradmechaniker aus Harare, hatte sehr intensiv für mich recherchiert. Dabei stellte sich heraus, dass selbst die Magura-Vertretung in Südafrika keine Möglichkeit sieht, Ersatzteile für mein altes Modell zu liefern.
Heute soll also das Problem gelöst werden. Es gibt eine Kiste mit Griffen, und ein paar Hydraulikbremsen sind dabei. Phile probiert eine Weile, kommt aber ebenfalls zu dem Schluss: auf diesem Weg ist keine Lösung möglich. Aber er kann eine Cantilever-Bremse einbauen. Vorne drauf kommt der neue, relativ dünne Mantel, vorne und hinten kräftig Reifendruck, Kette geölt – jetzt läuft es deutlich besser.
Ich gebe ein großzügiges Trinkgeld. Auf der Rechnung erscheinen pro Arbeitsstunde umgerechnet zwei Euro.
Bis zum Check-out aus der feuchten Unterkunft bleiben noch ein paar Minuten. Die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt laut Reiseführer: der Markt von 1983. Eine junge Verkäuferin verhilft mir zu Teigtaschen. Im ersten Stock gibt es Souvenirs. Ich begegne sogar einer französischen Familie mit drei Kindern. Alles locker hier – ganz anders als in Südafrika.


Steinkirche mit Kreuz, Rundfenster und grauem Himmel, umgeben von Bäumen
Kapelle Saint Theresa's Little Flower in Manzini

Asphaltstraße verläuft durch grüne Hügellandschaft unter bewölktem Himmel
Ein bisschen Randstreifen


Eingang des Restaurants Hungry Lion, davor ein voll bepacktes Reiserad Viel leichter, mitunter auch mittelsstarker Regen heute. Meine Kleidung ist sowieso feucht. Immer dann, wenn Regen und Nebel sich verziehen, habe ich einen Blick auf die tolle Landschaft.
Hügelig ist die Strecke, aber tendenziell geht es hinunter Richtung Meer: zum Indischen Ozean. Belebend ist die Begeisterung entlang der Strecke. Es ist wieder wie in den ersten Ländern der Tour: spontanes Winken, Jubeln, immer wieder werde ich auf Unterstellmöglichkeiten gegen den Regen hingewiesen. Völlig anders als in Südafrika.
Pause im Hungry Lion von Siphofaneni – der Eisautomat ist allerdings kaputt, immerhin funktioniert das Wlan. Ich prüfe noch einmal meine Unterkunftsoptionen heute Abend. Ideales Ziel wäre nach 100 Kilometern eine Unterkunft am Rande des Naturparks – ob ich das vor der Dunkelheit schaffe?
Wieder setzt der Regen ein, diesmal kontinuierlich, keine Wolkenlücken mehr. Das diszipliniert beim Fahren. Bei Tageskilometer 75 spüre ich, wie die Kette wieder auf einer Seite aufspringt. Jetzt wird es kritisch – geht sie komplett auseinander, habe ich ein Problem mit Regen und Dunkelheit.
Ich steuere eine Lodge an, die eher für Durchreisende gedacht ist: Riesenzimmer, genug Platz für das Fahrrad. Möglicherweise auch für den Kettenwechsel morgen früh. Drinnen ist es deutlich trockener – eine Chance, dass die Wäsche diesmal halbwegs trocknet.


Getränkepackungen von Mahewu und Ultra Mel in einem Metallkorb am Fahrrad
Maisdrink, Mel und mehr


Verschiedene Fahrradkettenglieder und Schrauben liegen sortiert und unsortiert auf einer Unterlage Heiße Pause im Dauerregen
Freitag, 16. Januar 2026: Big Bend - Lavumisa - Grenze eSwatini/Südafrika - Mkuze (108 km)

Im Hotelzimmer wechsle ich die Kette am Fahrrad. Ich habe jahrelang kein Kettenschloss mehr berührt – entsprechend dauert die Aktion eine gute Stunde. Zum Glück hat die neue Kette genau die Länge der alten. Für den Rest gibt es ja YouTube.
Kurz vor zehn zwingt mich die Check-out-Zeit hinaus in den Regen. Schnell ist wieder alles ganz nass, und das wird den ganzen Tag über so bleiben. Dazu starker Gegenwind. Die ersten Stunden liegt mein Schnitt trotz relativ flacher Strecke bei 13 Stundenkilometern.
Nach 20 Kilometern erreiche ich das Ziel, das ich gestern Abend noch anpeilen wollte: KaMsholo Bushveld Safaris. Mit etwas Glück hätte ich es mit der defekten Kette noch bei Tageslicht erreichen können. Doch wie sich jetzt herausstellt, liegen die eigentlichen Zimmer noch fünf Kilometer weiter; hier gibt es nur einfache Hütten, wunderschöne Bienenkorbhütten, die bei meinem ganzen nassen Zeug eine Katastrophe gewesen wären.
Ich bin schon ausreichend erschöpft für eine Pause. Ich lasse mir eine Plastikplane unterlegen wegen der nassen Kleidung. Einige kleinere Touristengruppen machen hier Station, aber alle Safari-Aktivitäten sind wegen des Dauerregens eingestellt. So macht es auch keinen Sinn, hier zu bleiben.


Grünes Zuckerrohrfeld hinter Elektrozaun, dahinter Berge mit tiefhängenden Wolken
Auch der Zaun steht unter Wasser

Mehrere Ziegen stehen in einem betonierten Bushäuschen
Ziegen flüchten vor dem Regen


Südafrika


Hochwasser am Nggwayuma im Grenzgebiet zu Südafrika: Breiter brauner Fluss mit starker Strömung, von dichtem Wald umgeben Heißer Cappuccino, heiße Schokolade, heißer Pie, heißer Muffin – und dann auf zur nächste Etappe. Alle Bäche und Flüsse, die ich überquere, sind über die Ufer getreten. Baumstämme treiben im Wasser.
Morgen soll es hier genauso regnen; nur weiter im Süden ist Sonne in Sicht. So nehme ich an der Grenzstation bei Lavumisa mit gemischten Gefühlen Abschied von Eswatini. Tolle Landschaft, der Spirit der ersten Länder dieser Tour – aber alles bei Dauerregen.
Willkommen in der Provinz KwaZulu-Natal von Südafrika. Heute übertreffen die realen Höhenmeter die von Google berechneten besonders stark – fast die Hälfte mehr. Immerhin hält mich das warm.
Ich erreiche die N2, auf der ich am Ende rund 300 Kilometer fahren werde. Sie hat einen ansehnlichen breiten Seitenstreifen – den brauche ich auch, denn die Armada der LKW braust mit voller Geschwindigkeit an mir vorbei.
Mit allen Kleidern, samt Schuhen, stelle ich mich unter die Dusche. Hoffentlich wird irgendetwas halbwegs trocken bis morgen früh.
Und die neue Kette? Hält! Aber immer wieder dreht sie ein bisschen durch – ich konnte eben nicht gleichzeitig die Zahnräder tauschen. Dafür, dass alles vor der Tour neu installiert wurde, ein bisschen schwach.


Breit geschwungener Fluss in grüner Hügellandschaft
Phongola alias Pongola in Südafrika


Flussufer mit braunem Wasser und dichter grüner Vegetation Regenfälle auch im Fernsehen
Samstag, 17. Januar 2026: Mkuze - Enqupheni (95 km)

Zum unerwartet üppigen Frühstücksbuffet läuft Nachrichten-Fernsehen: SABC. Umfangreicher Wetterbericht. Auch heute und morgen gehen die Regenfälle weiter. Die andere Seite des Themas: die Folgen der Niederschläge – Überflutungen in den Nachbarprovinzen zu Eswatini. Auch auf den Timelines meines Smartphones schwappt die Flut inzwischen herein: Im Krüger-Nationalpark schwimmen die Autos. Ich bin also bisher im Prinzip noch ganz gut weggekommen.
Die ersten zwei Stunden bleibt es heute sogar trocken. Dann eine Stunde kräftiger Schauer, danach leichter Regen. Bei mancher Flussüberquerung sieht man, dass das Hochwasser hier leicht zurückgegangen ist. Nach Bananen- und Maisfeldern sowie vielen großen Wildreservaten säumen nun wieder Wälder die Straße – vor allem Eukalyptusbäume.
Eine Weile werden Ananas am Straßenrand angeboten, dann Kunsthandwerk aus Holz.


Handgeschnitzte Holzfiguren und Tabletts an einem Verkaufsstand im Grünen
Shoppingmöglichkeit am Straßenrand


Heller Baumstamm im Vordergrund, umgeben von dichtem grünen Bewuchs Auf der N2 radle ich heute 95 Kilometer. Der Randstreifen bleibt riesig. Einziges Problem: Einige LKW, ganz wenige PKW fahren dauerhaft auf dem Randstreifen. Ich kann nur hoffen, dass sie rechtzeitig einen Bogen um mich machen.
Es gibt nur eine große Tankstelle mit Raststation: TotalEnergies Petroport N2 Hluhluwe. Auch hier wird man mit 'Bonjour' begrüßt. Ich stehe mitten in meiner eigenen Wasserlache. Die Klimaanlage ist Gift – draußen hält sich die Temperatur zwischen 24 und 26 Grad, drinnen ist es für mich viel zu kalt.
Das Tagesziel habe ich von vornherein etwas bescheiden gewählt. Kurz nach drei bin ich da: die Bonitaz Lodge, eine schöne Ferienanlage etwas abseits. Alles muss mal trocknen. Noch 215 Kilometer bis Durban.
Direkt nachdem ich diese Zeilen übertragen habe, ist mein Datenvolumen erschöpft. Wlan gibt es auch nicht. Bleibt der Fernseher in meiner sechseckigen Hütte. Vom Spiel um den dritten Platz beim Afrika-Cup bekomme ich den letzten Elfmeter mit.


Kleines Gästehaus mit Säulen und grauem Dach, davor steht ein bepacktes Reiserad
Nette Bonitaz Lodge

Fernseher zeigt Nachrichtensprecherin in TV-Studio, Gebärdensprachdolmetscher rechts eingeblendet
Fernsehberichterstattung über die Flut im Krüger-Park


Nahaufnahme eines Fahrradreifens mit sichtbarem Draht oder Fremdkörper im Profil Daten von der Tanke und das Afrika-Finale
Sonntag, 18. Januar 2026: Enqupheni - Mtunzini (88 km)

Am Morgen bei SABC News auch heute nur ein Thema: die Überflutungen im Krüger-Park, den Nachbarprovinzen und inzwischen auch in Mosambik. Es regnet weiter. Ich darf morgens die Sonne noch einmal kurz entdecken – aber erst, nachdem ich das Vorderrad geflickt habe. Wieder ein kleiner Draht. Zum Glück bemerke ich, dass die Luft entweicht, als ich gerade mit dem Rad vom Hof reiten will.
Es bleibt eine Weile trocken, dann kommen düstere Wolken – nur leichter Regen, verbunden allerdings mit starkem Gegenwind. Auch leichter Regen macht einen irgendwann nass.
Pause wieder in der großen Raststätte an der Straße, diesmal mit Wimpy. An der Tankstellenkasse können sie sogar neues Datenvolumen auf meinem Handy buchen – das dauert nur eine Weile. Zum Glück muss ich dafür nie selbst etwas tun; ich darf mich nur am Ende freuen, wenn die Apps wieder neue Nachrichten saugen.


Marktstand am Straßenrand, Frau verkauft Ananas und andere Früchte
Ananas und Mangos


Straße mit gelben Markierungen vor dichtem Grün und blauem Himmel mit Wolken Gut eine Stunde halte ich mich in der Raststätte auf. Von meinem Platz sehe ich an der Südafrika-Fahne draußen die Konstanz von Regen und Gegenwind.
Die Straße ist übrigens - ohne Ankündigung - mitten auf der Strecke zur Autobahn erklärt worden. Ein paar Kilometer weiter, wieder auf offener Strecke, werden explizit Fahrradfahrer und Fußgänger von der Fahrbahn verbannt. Ich fahre weiter. Nach weiteren 20 Kilometern auf der Autobahn kommt die Mautstelle. Ich halte etwas ängstlich an. Doch: 'Bicycles do not pay', meint die Kassiererin schlicht.
Ich verlasse Autobahn und Regen. Raus zur nächsten Unterkunft. Zum dritten Mal habe ich die Schwierigkeit, dass auf das Klingeln nicht reagiert wird. Ich schlage gegen das Tor und rufe laut. Dann ist mir das Mitleid der überaus netten Gastfamilie sicher.
Ein Handtuch wird mir noch draußen gereicht, und ich bekomme Unterstützung beim Hineintragen des Gepäcks. Später erhalte ich ein Rhino-Fahrrradtrikot geschenkt, weil mein Tourentrikot Auflösungserscheinungen zeigt. Zu guter Letzt stehen zwei Flaschen Bier vor der Tür – für das bemerkenswerte Afrika-Cup-Finale zwischen Marokko und Senegal. Es ist unglaublich.


Südafrikanische Flagge weht im Wind vor grauem Himmel
Wie ich: Im Gegenwind und Regen


Drei Personen stehen zusammen vor grünen Pflanzen, daneben ein bepacktes Fahrrad Endlich am Indischen Ozean
Montag, 19. Januar 2026: Mtunzini - Ballito - La Mercy (106 km)

Seonaid und Peter, meine Gastgeber, sind selbst begeisterte Radler und Reisende, gerade frisch aus Singapur zurück. Peter repariert meinen Fahrradcomputer-Sender – die Aufhängung war abgebrochen. Mit einer seiner Pumpen kann ich wieder Druck aufs Vorderrad bringen. Die beiden sind der Meinung, ich könne weiter auf der Autobahn radeln und ersparen mir so zehn Kilometer Strecke und jede Menge Höhenmeter. Vielen lieben Dank!
Noch einmal bin ich 85 Kilometer lang auf der N2 und komme am dritten Tag zu meiner dritten großen Raststätte.


Grüne hügelige Landschaft mit Feldern, Bäumen und weitem Blick
Auf der North Coast Toll Road


Verkehrsschild mit Verbot für Fahrräder und Fußgänger neben breiter Straße Bei Ballito geht es dann ab zur Küste. Bald bin ich am Indischen Ozean. Es ist der erste Tag ohne Regen seit einer Woche – ein Sommersonntag ist es aber auch nicht. La Mercy, der Ort am Strand auf Höhe des Flughafens, liegt nur zehn Kilometer von meiner Abflugdestination entfernt. Genau die richtige Entfernung für heute. Außerdem kann ich hier bereits das Gepäck lassen, das ich nicht mehr brauche – so komme ich leichter die Drakensberge nach Lesotho hinauf.


Sandstrand mit Meereswellen und flacher Vegetation im Vordergrund unter grauem Himmel
Endlich: am Indischen Ozean


Zerlegtes Fahrrad mit Rahmen und Rädern im Kofferraum eines Autos Im Domizil der Oakford-Dominikanerinnen
Dienstag, 20. Januar 2026: La Mercy - Taxifahrt (ca. 250 km) - Underberg - Sani Lodge (20 km)

Die verbleibende Zeit bis zum Rückflug am Samstag reicht nicht mehr, um die komplette Strecke nach Lesotho hin und zurück zu radeln. Deshalb habe ich gestern Abend mithilfe der wunderbaren Juliette von meiner Unterkunft einen Fahrer organisiert. Paul holt mich pünktlich um acht Uhr ab. Ich kann zehn Kilogramm Gepäck in der Unterkunft hier, zehn Kilometer vom Flughafen, zurücklassen.
Mit ausgebautem Vorderrad und Sattel passt das Rad in den Wagen. Jetzt erlebe ich die N2 aus der Auto-Perspektive. Dann die N3 Richtung Johannesburg – weitgehend eine Baustelle, weil die Containerbeförderung vom Hafen Durban nach Joburg beschleunigt werden soll.
Bei Pietermaritzburg bitte ich meinen Fahrer Paul um einen kleinen Umweg. Die 2022 verstorbene Oakford-Dominikanerin Hermine Klöker, die wir in unserm Jerusalemer Studienjahr 1984/85 Thandi nannten, hatte am Rande der Millionenstadt ihre letzten Jahre verbracht. Überraschender Weise leben hier weiterhin fast 30 ältere Schwestern. Wir werden herzlich empfangen, ich begegne einer Schwester, die ich bereits 1985 in Jerusalem getroffen habe, und bekomme auch eine Gedenkplatte für Thandi gezeigt. Eine sehr bewegende Begegnung.


Gruppe älterer Menschen steht gemeinsam in einem Wohnraum
Bei den Oakford-Dominikanerinnen in Pietermaritzburg


Reisefahrrad mit Gepäck vor einem verwitterten UNDERBERG-Schild im hohen Gras Um 12:30 Uhr erreichen wir Underberg – die Basisstation auf 1500 Metern Höhe, von der ich den Aufstieg auf den Sani Pass starten will. Hier gibt es Souvenirläden und ein wunderbares Café, wo ich ein Stück Torte und Ähnliches bestelle, um genug Kraft für den Aufstieg zu tanken.
Heute werden es dann aber doch nur noch 20 relativ flache Kilometer. Es ist zu spät für den Aufstieg – die Grenze auf der Passhöhe nach Lesotho schließt um 18 Uhr, und es ist sehr bewölkt.
In der Sani Lodge bin ich der einzige Gast. Hinter dem Haus beginnt ein Wanderweg den Berg hinauf. Rund 200 Höhenmeter nehme ich in Angriff, auch um mich zu akklimatisieren. Ich habe einen wunderbaren Blick auf die Drakensberge.


Weitläufige grüne Hügellandschaft mit Straße im Tal und Bergen im Hintergrund unter bewölktem Himmel
Talstraße zum Sani-Pass

Haus mit grünem Dach in hügeliger Landschaft vor wolkenverhangenen Bergen
Wanderung mit Ausblick

Gang mit überdachter Veranda, daneben steht ein Fahrrad an einer weißen Wand
Sani Lodge & Cottages


Reisefahrrad steht auf breitem Schotterweg zwischen grünen Berghängen unter blauem Himmel Höhepunkt am höchsten Punkt
Mittwoch, 21. Januar 2026: Sani Lodge - Sani Top (2873 m = Grenze Südafrika/Lesotho/Südafrika) ) - Sani Lodge - Underberg (70 km)

Bis zur südafrikanischen Grenzstation ist alles asphaltiert. Es geht insgesamt 400 Meter aufwärts – mal ein bisschen wellig, aber alles easy.
Mit der Grenzstation beginnt die eigentliche Passstraße, und die ist nicht asphaltiert. Allradantrieb für Autos ist vorgeschrieben. Es ist eine üble Piste. Auf acht Kilometern gewinnt die Strecke 900 Höhenmeter – durchschnittliche Steigung also über zehn Prozent. Ich muss im Wesentlichen schieben. Aber die Landschaft ist großartig. Gut drei Stunden brauche ich bis zur Passhöhe. Die letzten anderthalb Kilometer sind besonders steil, im Zickzack geht es den Berg hinauf. Immer wieder verändert sich das Wetter: Wolken ziehen auf und wieder weg.


Schmale unbefestigte Bergstraße entlang grüner Hänge, Wolken hängen tief im Tal
Die Pass-Straße: acht Kilometer Piste

Person vor Schild Welcome to Lesotho auf 2987 Metern Höhe
Lesotho auf 2867 Metern

Sani Top Straßenschild vor bergiger Landschaft, im Vordergrund Teile eines Fahrrads
Sani Top


Lesotho


Gruppe von Personen sitzt an Holztisch mit Getränken und Tellern vor einem Lokal Auf der Passhöhe beginnt mit Lesotho wieder Asphalt. Die Einreise ist unkompliziert – rund fünf Euro werden verlangt. Dahinter hält sich die Straße zunächst halbwegs auf der Höhe. Ich will oder kann nur ein paar Meter durch Lesotho fahren.
Bei der Masoba-Soba Lodge halte ich an. Eine organisierte Gruppe im Jeep ist gerade beim Mittagessen. Für einen kleinen Obolus darf ich am Buffet mitessen. Nette Gespräche mit der bunt zusammengesetzten Gruppe – und ein Kollege von der ARD ist auch noch dabei. Er hilft mir meine neue Cantilever-Bremse vor der Abfahrt nachzuziehen.
Nach vier Kilometern Lesotho reise ich wieder aus. Nun muss ich die Piste zunächst im Wesentlichen hinunterschieben – sie ist im Bereich der Haarnadelkurven zu steil und zu holprig zum Radeln. Umso mehr kann ich den Ausblick auf die Serpentinen genießen. Richtig radeln kann ich erst ab der südafrikanischen Grenzstation. Vorher gibt es - wie beim Aufstieg - noch ein paar quer verlaufende, mehr oder weniger tiefe Bäche zu durchqueren.
Ich mache kurz Station bei meiner Übernachtungsunterkunft Sani Lodge, muss aber noch ein paar Kilometer weiter, sonst werden die letzten beiden Tage zu anstrengend. Und so lande ich wieder in Underberg, wo gestern meine Radetappe begann.


Serpentinenstraße führt durch ein weitläufiges grünes Bergtal unter wolkigem Himmel
Hier muss ich leider auch Runterschieben


Südafrika


Landstraße mit Baumreihe und grünem Feld bei sonnigem Wetter Von den Bergen ans Meer: längste Etappe der Tour
Donnerstag, 22. Januar 2026: Underberg - Ixopo - Highflats - Park Rynie - Scottburgh (179 km)

Wenn man am Ende einer Tour mit nunmehr mehr als 5000 Kilometern die längste Tagesetappe mit 179 Kilometer und den mit Abstand meisten Höhenmetern hinlegt – über 2000 Meter aufwärts, 3500 Meter abwärts –, dann scheint das Training ja funktioniert zu haben. Allerdings ist das Fahrrad zehn Kilo leichter, und auch bei mir fehlen inzwischen ein paar Kilo.
Die Straße erweist sich als wenig befahren. Den dritten Tag in Folge bleiben mir LKW weitgehend erspart. Und die Landschaft der Highflats ist schlichtweg grandios – allerdings weder besonders high noch besonders flat.


Weite grüne Landschaft mit Waldstreifen und entfernten Bergen unter blauem Himmel
Highflats: ein bisschen high, ein bisschen flat


Backsteinkirche mit Turm und Nebengebäuden vor grünem Rasen und bewölktem Himmel Die Sonne scheint jetzt wieder, und je tiefer ich komme desto wärmer wird es sowieso. Ich trinke viele Liter. Immer wieder kann ich nachkaufen.
Das Problem: In der zweiten Tageshälfte gibt es praktisch keine Unterkünfte. Zuletzt zerschlägt sich die Hoffnung bei Osborne's Nest – als Unterkunft auf Google Maps markiert, liegt es etwas abseits der Straße, und kein einziges Schild lädt zum Hinfahren ein. Also schütte ich mir aus dem quadratischen Getränkekarton noch einen Liter 'Ultra Mel', Vanillepudding - ultra lecker, hinein, und schon sind die letzten 15 Kilometer ein Kinderspiel. Die Orte am Meer sind kleine, weitläufige Dörfer. Der südlichste Punkt meiner Tour liegt hier nun etwa auf dem gleichen Breitengrad wie das marokkanische Agadir nördlich des Äquators. Inzwischen bin ich tatsächlich ein bisschen südlich des aktuellen Sonnenstands. Allerdings bewegt sich - anders als vor drei Jahren in Südamerika - die Sonne nicht wirklich nördlich um mich herum.


Asphaltstraße durch grüne Landschaft mit hohen Bäumen unter blauem Himmel
Auf der R612

Indischer Ozean bei Scottburgh
Schöne Badestelle am Indischen Ozean


Asphaltstraße mit Fahrradwegmarkierung und gelber Mittellinie bei sonnigem Wetter Genussradeln zum Finale
Freitag, 23. Januar 2026: Scottburgh - Durban - La Mercy (101 km)

Vorab am Morgen erst einmal ein Bad im Meer. Spaziergang runter zum Strand, zu Fuß über die stillgelegten Eisenbahnschienen. Kräftiger Wellengang.
Dank der kräftigen Vorarbeit gestern steht heute ein kompletter Genießertag an. Dazu gesellt sich starker Südwind – also Rückenwind – an der Küste entlang über Durban nach La Mercy.
Im Wesentlichen radle ich auf der R102 nach Durban. Einiger Verkehr, aber trotzdem angenehmes Fahren. Zweites Frühstück auf halber Strecke bei KFC – knapp vor halb elf, wenn der Frühstücksservice eingestellt wird. Mein KFC_Abschiedsessen. Es ist die erste Tour, die mich regelmäßig zu KFC geführt hat: anfangs mangels Alternativen, später weil ich die Abläufe kenne.
Die R102 entfernt sich ein bisschen vom Meer, macht einen Bogen um den riesigen Hafen und führt durch Industriegebiete. Die riesigen Zuckerhallen am Zuckerterminal im Hafen erzählen von dem, was hier einmal wichtig war – und noch immer wichtig ist. Durban hat, gemeinsam mit einigen anderen südafrikanischen Städten, eine der höchsten Mordraten weltweit – die deutsche Botschaft warnt sogar davor, sich bei Tageslicht in der Innenstadt aufzuhalten. Ich fühle mich sicher. Naja, eine Panne möchte ich jetzt nicht gerade haben.


Stadtbild mit hohen Gebäuden, Palmen und offenem Platz bei sonnigem Wetter
City von Durban

Reisefahrrad mit Gepäck steht vor großem Stadion mit weißem Bogenbauwerk
Waka Waka: WM-Stadion 2010 von Durban


Strandpromenade mit rotem Leuchtturm, Sandstrand und Wellen bei blauem Himmel Vom Rand der Innenstadt geht es zum nördlichen Strand. Für die WM 2010 wurde hier eine mehrere Kilometer lange Promenade angelegt – wunderbar zum Radfahren, an diesem Tag fast verlassen. Ein paar Jogger, Radler und Segway-Fahrer. Dazu einige Cafés. An einem der letzten gönne ich mir eine weitere Genießerpause. Krönung zum Abschluss der Promenade: das Moses-Mabhida-WM-Stadion mit seinem markanten Bogen. Die deutsche Mannschaft gewannen hier 2010 gegen Australien und England, verlor jedoch hier im Halbfinale gegen Spanien.
Danach schlängelt sich die Google-Fußgängerroute links und rechts der M4 nach uMhlanga – einem Edel-Vorort von Durban am Meer. Erst radel ich an langen Villenreihen vorbei, die den Strandzugang blockieren, dann führt eine Promenade am Leuchtturm vorbei ins eigentliche Touristenviertel. Hier ist einiges los; in einem Restaurant eine weitere Genießerpause.
Zuletzt muss ich dann doch auf die M4. Sie führt nochmals auf hundert Meter Meereshöhe bei dichtem Verkehr und schmalem Randstreifen. Dann bin ich wieder in La Mercy, wo ein Teil meines Gepäcks auf mich wartet.


Grüner Saft mit Orangenscheibe vor Strandpromenade und geparktem Fahrrad
Heute Genussradeln


Meerblick mit untergehender Sonne, Palmen und rotem Dach im Vordergrund Magere Radverpackung
Samstag, 24. Januar 2026: Flug Durban - Doha

Da ich diesmal im ersten Stock des Eden Rose Manor untergebracht bin, habe ich einen noch schöneren Blick auf das Meer und auf die aufgehende Sonne, die durch die Wolken blitzelt. Um sieben Uhr bin ich verabredet mit meinem Fahrer Paul, der schräg gegenüber wohnt. Ich darf ihn beim Hundespaziergang mit Jack und Gracie begleiten. Im Pick-up-Truck geht es runter zum Meer. Dann genießen wir die Morgenstunde gemeinsam mit einigen Joggern und anderen Hundebesitzern.
Um neun Uhr ist Paul wieder zur Stelle und bringt mich samt Fahrrad auf seinem Pick-up-Truck zum Flughafen. Er hat mir nicht nur in den letzten Tagen sehr geholfen – wir haben uns auch prächtig verstanden.


Zwei Personen am Strand mit Meer und Küste im Hintergrund
Morgenspaziergang mit Paul...

Person am Strand mit zwei Hunden, Meer im Hintergrund
...und Hunden


Fahrrad vollständig in blauer Schutzfolie eingewickelt am Flughafen Paul hat mir erzählt, dass es am Flughafen eine Wickelmaschine für Gepäck gibt. Darauf hoffe ich für die Fahrradverpackung. So richtig passt das Fahrrad auf solche Maschinen nicht, aber in Ulan-Bator hat man das Rad einmal einfach senkrecht gestellt und dann erst die eine, dann die andere Hälfte mit der Maschine umwickelt.
Hier hält man das für unmöglich. Stattdessen bekomme ich zwei schlichte Plastiksäcke, die mit Klebeband rund um das Fahrrad fixiert werden. Eine sehr einfache Verpackung – aber Qatar Airways akzeptiert sie mit den üblichen Vorbehalten und Unterschriften. Ich bin mein Gepäck los und kann nun wieder nur mit der Lenkertasche über der Schulter zum Gate.
Der Flieger ist fast leer, wird aber bei einer Zwischenlandung in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, voll. Auf den Monitoren sieht man beim Anflug auf die Hafenstadt das Flugzeug von oben hinten über der Bucht.
Erstmals erlebe ich kostenloses Wlan im Flieger – Qatar macht es möglich. Ich entdecke es allerdings erst nach vielen Stunden über der Sahara.


Flugzeugkamera zeigt Blick von oben über das Heck auf Tragflächen und Landschaft unter Bewölkung
Dashcam auf unserm Flieger


Katar


Moderne Deckenverkleidung aus Holzpaneelen mit eingelassenen Lichtfeldern Der letzte Platten
Sonntag, 25. Januar 2026: Flug Doha - Frankfurt

Nach fast zwölf Stunden im Flugzeug tut ein kleiner Spaziergang durch den Airport von Doha gut. Alle Flüge auf den Anzeigetafeln scheinen pünktlich zu sein – obwohl wir vor der Landung zwei Ehrenrunden über Katar drehen mussten, weil eine der Startbahnen nicht genutzt werden konnte. Unser Abflug scheint pünktlich zu starten. Aber dann stehen wir eine ganze Weile mit dem Flugzeug auf dem Rollfeld.


Qatar Airways Flugzeug bei Nacht auf dem Rollfeld, davor ein Flughafenbus
Doha Airport by night


Deutschland


Satellitenkarte zeigt Küstenlinie und markierte Städte Gaza City, Hebron und Nablus Neben mir sitzt Valentin, der mit seiner Trompete gerade Auftritte in Saudi-Arabien absolviert hat. Wir unterhalten uns eine ganze Weile – solche Begegnungen sind leider selten geworden. Eine gemeinsame Bekannte haben wir auch noch. Und er weist mich darauf hin, dass auf der elektronischen Karte der Qatar-Airways-Monitore zwar die palästinensischen Orte Gaza-Stadt, Hebron und Nablus verzeichnet sind, nicht aber das wesentlich größere Tel Aviv.
Wie zu erwarten landen wir mit einer Stunde Verspätung in Frankfurt. Trotz der eher symbolischen Verpackung hat auch das Fahrrad den Rückflug gut überstanden. Mysteriöser Weise fehlt allerdings eine Schraube am Gepäckträger, vor allem habe ich an dem billigen Vorderradmantel von Manzini einen Platten. Wäre ich wie geplant selbst zum Flughafen von Durban geradelt, hätte ich wohl ein Problem gehabt. Zuletzt wieder ein Taxi nach Mainz. In 24 Stunden bin ich von Haus zu Haus gekommen.

Gern gefragt in diesen Tagen: Was braucht man, um so eine Tour durchzuziehen? Verdammt viel Disziplin, Wille, Planung, mentale Vorbereitung, Flexibilität, Spontaneität, Freude an der Welt, Menschenkenntnis – und jede Menge Glück. Das hatte ich.


Großes, in blauer Folie verpacktes Gepäckstück liegt auf einem Flughafen-Kofferwagen
Leicht verpackt zurück in Frankfurt


Teil 1: Dezember 2025
Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Malawi, Mosambik


Route Kigali - Harare - Sani Top - Durban


Rote Linie = Rad-Route; Blaue Linie = Taxi/Bus

Etappen Kigali - Harare - Sani Top - Durban (6.12.2025-23.1.2026)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als zum Download als Excel-Tabelle Excel-Logo

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 6.12.2025 Kigali Ruhanga Rwamagana 54
2. 7.12.2025 Rwamagana Grenze RWA/TZA Rusumo 111
3. 8.12.2025 Rusumo Kabanga (Grenze TZA/BUR) Muyinga 84
4. 9.12.2025 Muyinga Gitega 98
5. 10.12.2025 Gitega Rutana - Kayogoro - (60 km Taxi) - Grenze BUR/TZA Nyarubanda 106
6. 11.12.2025 Nyarubanda Kigoma - Ujiji Kigoma 95
7. 12.12.2025 Kigoma Uvinza 106
8. 13.12.2025 Uvinza Pass (1707 m) Mpandule 104
9. 14.12.2025 Mpandule Mpanda 94
10. 15.12.2025 Mpanda Sitalike - Katavi National Park (100 km Bus) - Lyazumbi Paramawe 47
11. 16.12.2025 Paramawe Namanyere Sumbawanga 116
12. 17.12.2025 Sumbawanga Laela 97
13. 18.12.2025 Laela Tunduma - Grenze TZA/ZAM Nakonde 131
14. 19.12.2025 Nakonde Kanyala - Grenze ZAM/MWI Chitipa 89
15. 20.12.2025 Chitipa Karonga Chilumba 170
16. 21.12.2025 Chilumba Chiweta Hills (1120 m) Mzokoto 81
17. 22.12.2025 Mzokoto Mzuzu 87
18. 23.12.2025 Mzuzu Chintheche - Kamphambale Ngala 153
19. 24.12.2025 Ngala Nkhotakota Benga 131
20. 25.12.2025 Benga Salima Mua Mission 118
21. 26.12.2025 Mua Mission Chingeni 91
22. 27.12.2025 Chingeni Zalewa Mwanza 113
23. 28.12.2025 Mwanza Grenze MWI/MOZ - Zobue Tete 134
24. 29.12.2025 Tete Grenze MOZ/ZIM Nyamapanda 146
25. 30.12.2025 Nyamapanda Mutoko Murehwa 146
26. 31.12.2025 Murehwa Harare 93
27. 1.1.2026 Harare
28. 2.1.2026 Harare Chegutu Kadoma 141
29. 3.1.2026 Kadoma Kwekwe Gweru 133
30. 4.1.2026 Gweru Bulawayo 169
31. 5.1.2026 Bulawayo Matobo National Park Maleme Dam Camp 70
32. 6.1.2026 Maleme Dam Camp Matobo National Park - Figtree Plumtree 122
33. 7.1.2026 Plumtree Grenze ZIM/BWA - Francistown Tati Siding 109
34. 8.1.2026 Tati Siding Serule Palapye 153
35. 9.1.2026 Palapye Martin‘s Drift - Grenze BOT/ZAF - Groblersbrug Marnitz 151
36. 10.1.2026 Marnitz Mokopane 157
37. 11.1.2026 Mokopane Roedtan - Marble Hall Groblersdal 132
38. 12.1.2026 Groblersdal Stoffberg eMakhazeni 109
39. 13.1.2026 eMakhazeni Carolina - Warburton eMbangweni 124
40. 14.1.2026 eMbangweni Grenze ZAF/SWZ - Mbabane - Lobamba Manzini 98
41. 15.1.2026 Manzini Siphofaneni Big Bend 80
42. 16.1.2026 Big Bend Lavumisa - Grenze SWZ/ZAF Mkuze 108
43. 17.1.2026 Mkuze Enqupheni 95
44. 18.1.2026 Enqupheni Mtunzini 88
45. 19.1.2026 Mtunzini Ballito La Mercy 106
46. 20.1.2026 Underberg Sani Lodge 20
47. 21.1.2026 Sani Lodge Sani Top (2873 m = Grenze ZAF/LSO/ZAF) - Sani Lodge Underberg 70
48. 22.1.2026 Underberg Ixopo - Highflats - Park Rynie Scottburgh 179
49. 23.1.2026 Scottburgh Durban La Mercy 101
Summe 5310

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