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Meine Bike-Links Das Beste aus allen Touren
Meine Bike-Links und die vielen Unverlinkten
Auf der Link-Seite habe ich zuallererst Leute vernetzt, mit denen ich schon selber auf Tour gewesen bin: Weltenradler*innen, die ich auf meinen Touren getroffen habe, Radler*innen, die ich durchs Radeln kennengelernt habe, Werkstätten meines Vertrauens – damals wie heute – und einige andere mehr.
Zum Teil sind es auch Leute, deren Online-Präsenz längst im digitalen Nirvana verschwunden ist. Ihre Fotos habe ich hier belassen, ihre Links musste ich löschen. Etwa ein Mal im Jahr lasse ich alle Links auf meiner Homepage mit dem Programm Xenu überprüfen. Die Korrekturen sind dann Handarbeit. Werden vielleicht bald von Künstlicher Intelligenz übernommen.
Radtouren-Geschichte(n)
Zum größten Teil führen die vielen noch vorhandenen Links zu authentischen Radreiseerlebnissen von Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, zu unterschiedlichen Zeiten auf allen Kontinenten. Auch Touren, die schon einige Zeit zurück liegen, sind oft sehr interessant, weil sie viel erzählen, von der Geschwindigkeit, mit der sich das Reiseradeln in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zum Bikepacking gewandelt hat.
Zum Beispiel, was die Ausstattung angeht: Handy und Smartphone haben immer mehr ersetzt, was wir früher mitgeschleppt haben (Landkarten, Bücher, Reiseführer, Adressverzeichnis u.v.a.m.) und darüber hinaus neue Möglichkeiten zum Beispiel zur Orientierung geschaffen haben. Der Zugang zum Geld hat sich vom umständlichen Postsparbuch zur Smartphone-Wallet und vielen anderen Alternativen entwickelt.
Als auch die Veränderungen in den Ländern, in denen aus Pisten asphaltierte Straßen, in denen aus gefährliche Kriegs- oder Bürgerkriegsregionen sichere Reiserouten geworden sind, wo Armut und Unterentwicklung durch mehr Bildung, Wirtschaftswachstum, auch Tourismus verdrängt worden sind. Weitere Veränderungen werden kommen.
Noch mehr Links
Last but not least finden sich auf der Link-Seite Websites mit noch umfangreicheren Link-Sammlungen, Möglichkeiten zur CO2-Kompensation und zum ADFC. Der hat maßgeblich den Radreisetourismus in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten begleitet, gefordert und gefördert. Dessen Konzeptionen sind von Politikern und Verwaltungen aufgegriffen worden und sozusagen in Asphalt gegossen mit traumhaften Strecken überall in Deutschland. Auch darüber hinaus zum Beispiel mit den EuroVelo-Routen (mehr von mir zu allen EuroVelo-Routen hier).
Unverlinkte Menschen
Die allerallerallermeisten Menschen lassen sich allerdings nicht verlinken. Dabei lebt jeder Tourtag von der Begegnung mit anderen. Viele garantieren mein Überleben. Allen voran die Autofahrenden. Wie vielen von ihnen verdanke ich mein Leben. Gern betrachten Radler Autos als ihre natürlichen Feinde. Das Gegenteil ist eigentlich der Fall: ohne Autos gäbe es kaum so viel Asphalt. Ohne Asphalt hätte ich die allermeisten Touren auf diesem Globus zumindest nicht so realisieren können.
Klar, überholende Autos können nerven, wenn sie zu wenig Abstand halten, wenn sie einem – was zum Glück sehr selten ist - bewusst zu nahe kommen, um Angst zu schüren. Die Abgase sind oft fürchterlich und gelegentlich hat man den Eindruck, ein kleiner Werkstattbesuch könnte Wunder wirken am Auspuff oder was die Verkehrssicherheit angeht. But who am I to judge.
Manche hupen. Und sehr viele meinen es sehr gut damit. Oft soll es Respekt ausdrücken, Freude an der Begegnung, Freude an Bewegung, Gastfreundschaft. Ein einfaches Mittel. Andere winken, kurbeln die Scheiben runter, rufen etwas zu. Motivieren so.
Der einzige Unfall mit einem Auto
Von den Millionen Motorisierten, die schon an mir und meinem Fahrrad vorbeigerauscht sind, hat mich nur ein einziger wirklich gerammt. Es war im nördlichen Iran, im Elburs-Gebirge, am 3. November 2015 im Kandovan-Tunnel auf 2670 Metern Meereshöhe. Von vorne kommt ein Bus, von hinten will ein Auto zeitgleich überholen. Das kann rein physikalisch nicht funktionieren. Fährt der Fahrer halt kurz entschlossen gegen mein Hinterrad. Rumms.
Ich kann mich halten, die Fahrradtasche dämpft den Aufprall. Ein Stück Stoßstange fliegt durch die Gegend. Der Fahrer fährt weiter. Ich sammle das Stoßstangenteil in Windeseile auf, verstärke die blinkende Lichtanlage am Rad. Weiter geht's zur Tunnelausfahrt. Die Spuren der Stoßstange an meiner Ortlieb-Fahrradtasche begleiteten mich noch viele Jahre.
Die größten Gefahren auf meinen Touren bisher gingen nicht von Auto-, Traktor- oder LKW-Fahrern aus. Es waren eher Streckenunebenheiten, unnötige Hindernisse, vor allem aber meine eigene Müdigkeit, Unaufmerksamkeit, Erschöpfung. Das größte Unfallrisiko bin ich selbst.
Bereichernde Erfahrungen
Zurück zu den Fahrenden in Autos: Auch die positivsten Begegnungen gab es mit ihnen im Iran. Immer wieder wurden uns Getränke aus fahrenden Wagen heraus gereicht. Ein Paar hielt an und kochte Kaffee für uns hinten auf dem Pick-Up. Lud uns ein zur Übernachtung. Einer fuhr, ohne dass wir mit ihm überhaupt gesprochen hatten, zum nächsten Ort und kehrte mit einer gut verpackten Mahlzeit für uns zurück.
Noch leichter in Kontakt kommt man mit lokalen Radelnden. In vielen Ländern sind es vor allem Kinder. Oft reagieren sie enthusiastisch auf uns vergleichsweise sehr luxuriös Ausgestattete. Immer wieder fehlen bei ihren Rädern Bremsen, Speichen, ganz zu schweigen von Licht oder Gangschaltung. Auf allereinfachsten Rädern, oft kurz vor dem absoluten Schrottzustand, halten sie mit und strahlen vor Begeisterung, sehen in uns irgendwie besondere Artgenossen, spüren der Faszination des Fremden nach – ohne groß Fragen zu stellen. Manchmal gehen sie instinktiv spielerisch in einen Wettkampf mit mir über. Und freuen sich, wenn ich das aufnehme.
Vielfältige Reaktionen
Kinder und Jugendliche prägen viele Fahrten. In vielen Ländern gibt es mehr davon als bei uns und sie sind auf den Straßen präsenter als andere Altersgruppen. Auch, weil es das Klima möglich macht. Die Reaktionen als einzelne oder in der Gruppe sind sehr unterschiedlich. Oft ist es Begeisterung für uns als Fremde, als Sportler, als Reisende, die sich den örtlichen Umständen mehr aussetzen als andere. Oft wird geklatscht, gejubelt, angefeuert.
Das Spektrum der Reaktionen ist groß. Nicht immer ist es nur positiv. Und natürlich ist es vielerorts ähnlich wie in Deutschland: viele nehmen keine Notiz von uns. Interessant aber: die Reaktionen ähneln sich meist in einer Region. Werden wir in einem Dorf bejubelt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es im nächsten Dorf genauso ist.
Noch soo viele andere Menschen
Es gibt so viele weitere Menschen, die jede Tour prägen. Immer wieder erhalten wir wertvolle Auskünfte über Routen, Streckenbeschaffenheit, aktuelle Lagen. Verkäufer, die uns trotz aller Sprachschwierigkeiten, mit passenden Lebensmitteln versorgen. Die vielen Mitarbeitern in Hotels, Pensionen, B&Bs, Ferienwohnungen. Mancher alter oder junger Mann, der die Nacht durchwacht, damit uns und unseren Rädern nicht passiert.
Oft werden wir eingeladen, zu übernachten. Meist lehnen wir ab. Es gibt viele Gründe dafür. Die Einladung müsste zu unserem Routenplan passen, wir müssen ein gutes Gefühl haben, es sollte Gemeinsamkeiten bei den Sprachkenntnissen geben, um sich halbwegs verständigen zu können. Sonst zieht sich die Zeit. Und meistens sind wir auch zu müde, zu erschöpft, um noch für Begegnungen am Abend offen zu sein.
Manchmal nehmen wir aber auch solche Einladungen wahr. Das ist dann immer ein ganz besonders intensives und damit nachhaltiges Erlebnis. Angemessenen den Dank auszudrücken, erscheint uns dabei immer wieder schwierig. Gerade weil es uns beglückt. Und Menschen dann gelegentlich an die Grenzen ihrer eigenen logistischen und materiellen Möglichkeiten gehen.
Digitale Denkmäler und ihre Probleme
Es gibt also sehr viele, denen wir gern ein digitales Denkmal setzen würden. Womöglich möchten das viele gar nicht. So ist es immer auch ein Balanceakt, von den Begegnungen zu schreiben, sie zu dokumentieren. Beim Fotografieren ist es oft nicht möglich ein Einverständnis einzuholen. Schon gar nicht vorher, weil die Situation sonst unrettbar zerstört ist. Auch nachher ist es in der Regel nicht einfach. Sprachschwierigkeiten spielen eine große Rolle, auch das Verständnis, was eine Veröffentlichung im Internet, sei es im Blog oder auf sozialen Plattformen bedeutet.
Wir wissen es ja nicht einmal selbst, was mit all unserm Material im Netz geschieht. Wie und wo und von wem es ausgewertet wird. Und welche Daten sich in Zukunft daraus gewinnen lassen. Wem etwas ganz konkret auch zum Nachteil werden könnte.
Ich versuche mit allen Informationen in Text und Bild, mit der Menschen und Umstände identifiziert werden können, sorgsam umzugehen. Als ich im Frühjahr 2001 dazu überging, statt Rundmails zu verschicken, Fotos und Berichte von meinen Touren auf eine Homepage ins damals noch vergleichsweise neue Internet zu stellen, waren die Reaktionen sehr unterschiedlich. Vor allem, dass ich auch während der Touren live berichtete.
Für viele war es völlig unverständlich, wie ich derart Privates wie eine Urlaubsfahrt mit beliebig vielen Menschen weltweit teilen könnte. Auch die Art meiner Urlaubsgestaltung wurde zum Ziel von Kritik. Dem einen waren es zu wenige Kilometer am Tag, dem andern zu viele. Einige bemängelten die Auslassung von kulturellen Institutionen wie Museen, Kirchen, Schlössern. Für andere wurden sie mit zu viel Aufmerksamkeit bedacht. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit macht man sich angreifbar. Aber es bietet ebenso große Chancen.
Rundmails lösen oft immer neu Mailwechsel heraus, eine Website ist ein Angebot. Viele nehmen es als Inspiration wahr. Auch ich selbst stöber gern in alten Tourenberichten. Vor allem, wenn sich neue Pläne mit alten Routen kreuzen. Unvergessen, wie ein Freund noch in den Nuller Jahren, kurz nachdem ich diese Homepage eingerichtet hatte, berichtete, er hätte in Skandinavien einen Radler getroffen, der mich von meiner Homepage kannte.
Und die Krönung, als sich Gudrun (s.o.) eines Tages per Mail meldete und erzählte, dass sie Touren von mir in der ehemaligen Sowjetunion praktisch nachfahre. So trafen wir uns bald auch persönlich und machten sogar eine besondere Tour zusammen: die Ruhr von der Quelle zur Mündung in 24 Stunden.
Mein Link-Fazit
All das wäre ohne das Internet, ohne meine persönlichen Daten im weltweiten Web, nicht möglich gewesen. Ja, das Netz hat nicht nur vieles erleichtert und möglich gemacht, sondern durch Informationen aus dem Privatleben von Menschen sind Begegnungen entstanden, hat sich unser Leben verändert und wird sich weiter verändern.
(Text 2025/2026)
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